Reittherapie mit Silke Lötters
Mias Rollstuhl bleibt Zuhause

Greven -

Mia und Anna rennen so schnell sie können zum Stall. Dort wartet Geysir auf sie. Das Therapiepferd unterstützt Silke Lötters bei ihrer Arbeit als Reittherapeutin. Gemeinsam helfen sie Mia beim Laufen lernen. Mit Erfolg, wie man sieht, wenn die Achtjährige auf den Hof gerannt kommt.

Freitag, 01.06.2018, 10:14 Uhr aktualisiert: 01.06.2018, 15:55 Uhr
Das Pony im Tölt, Silke Lötters passt auf, dass nichts passiert. Und die junge Reiterin lernt auf spielerisch-sportliche Weise, wie man auf einem Pferd das Gleichgewicht hält.
Das Pony im Tölt, Silke Lötters passt auf, dass nichts passiert. Und die junge Reiterin lernt auf spielerisch-sportliche Weise, wie man auf einem Pferd das Gleichgewicht hält. Foto: Franziska Gähr

Mia und ihre Schwester Anna lernen bei Silke Lötters reiten. Sie kommen einmal in der Woche zur Reittherapie. Gemeinsam mit Lötters begrüßen sie das Pferd Geysir und führen es aus dem Stall. Dann wird geputzt. Die Mädchen kennen sich mit der Pferdepflege gut aus. Sie wissen, warum die Hufe ausgekratzt werden müssen und wozu das Winterfell der Pferde da ist. „Das haben wir von Silke gelernt“, erzählt Mia stolz.

Die Achtjährige konnte nicht laufen als sie zum ersten Mal zur Reittherapie kam. Mittlerweile kann der Rollstuhl Zuhause bleiben, wenn es zum Stall geht.

Das therapeutische Reiten hilft Kindern mit körperlichen Behinderungen wie auch Kindern mit sozialen oder emotionalen Einschränkungen. „Beim Reiten versuchen die Kinder gerade zu sitzen. Das stärkt die Muskeln in Beinen, Bauch und Rücken, aber auch das Selbstbewusstsein wird durch die aufrechte Haltung gestärkt“, erklärt Lötters. Bereits das Reiten im Schritt, die langsamste Gangart der Pferde, trainiere die Muskeln der Kinder. „Sie erleben das Reiten nicht als Therapie“, ergänzt die 35-Jährige. „Die Kinder haben Spaß mit dem Pferd als Co-Therapeuten und die Muskeln werden passiv trainiert.“

Wenn das Vertrauensverhältnis zum Pferd aufgebaut wurde, können die Ängste der Kinder abgebaut werden.

Silke Lötters

Herausforderungen auf dem Pferderücken

Warum Mia das Reiten so gefällt? „Weil ich Pferde so lieb habe“, sagt sie. Auf dem Reitplatz führt Lötters das Pferd am Strick. Mia darf zuerst auf Geysir reiten, ihre Schwester geht nebenher. Mia hält sich an den Haltegriffen des Voltigiergurtes fest. Ihre Beine kann sie zwar noch nicht ganz lang um den Pferdebauch legen, aber Silke Lötters ist sicher, dass sie das bald auch noch schaffen wird. „Als Mia mit dem Reiten anfing, konnte sie noch gar nicht breitbeinig auf dem Pferd sitzen“, erzählt Lötters. Mia zeigt, wie ihr Sitz zu Anfang ausgesehen hat. „Ich habe immer im Damensitz gesessen“, sagt Mia und demonstriert ihn auch sofort. Sie legt beide Beine auf die linke Seite und hält sich mit den Händen an den Griffen des Gurtes fest.

„Früher haben die Damen immer so auf dem Pferd gesessen, weil sie Kleider an hatten“, erklärt Mia stolz. Zurück im breitbeinigen Sitz macht die Reittherapeutin Übungen mit Mia. „Wir halten zwischendurch an. Dabei muss Mia gerade sitzen bleiben“, erzählt Lötters. Gar nicht so einfach, denn beim Anhalten fällt man leicht nach vorne. Eine weitere Herausforderung ist das Knien auf dem Pferderücken. „Hierbei wird vor allem die Balance geschult“, erklärt Lötters. Mia traut sich sogar, eine Hand vom Körper weg zu strecken.

Selbstbewusstsein durch das Therapiepferd

Nun darf Mia auf Geysir ein wenig schneller reiten. Besonders schön für das therapeutische Reiten ist die vierte Gangart der Islandpferde. Sie können neben den Grundgangarten - Schritt, Trab und Galopp - noch zwei weitere Gangarten, Tölt und Rennpass. „Der Tölt ist für den Reiter besonders bequem“, erklärt Lötters, „deshalb können auch unsichere Kinder im Tölt das Gefühl von Geschwindigkeit erleben, ohne Angst vorm runter fallen zu haben.“

Nach der Hälfte der Zeit tauschen die Schwestern. Jetzt darf Anna auf Geysir reiten und Mia schaut zu. „Anna hat keine körperlichen Beeinträchtigungen“, erzählt Silke Lötters, „aber sie ist ein sehr schüchternes Mädchen und beim Reiten gewinnt sie an Selbstbewusstsein.“ Auch Anna darf auf Geysir tölten. Sie ist bereits so sicher, dass sie für kurze Zeit beide Hände vom Gurt loslassen kann, während das Pferd im Tölt über den Platz läuft. Lötters ist wichtig, dass jedes Kind individuell gefördert wird. „Wenn das Vertrauensverhältnis zum Pferd aufgebaut wurde, können die Ängste der Kinder abgebaut werden. Das Pferd hilft, zu entspannen, zum einen durch sein Wesen und zum anderen durch die rhythmische Bewegung.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5779636?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker