Vorsicht vor dem Eichenprozessionsspinner
Befall so stark wie nie zuvor

Greven -

Der Eichenprozessionsspinner hält die Gärtner auf Trab. Aus gutem Grund, denn die Gifthärchen der Tiere haben es in sich. Die Stadt hat daher in dieser Woche eine Spezialfirma befallene Bäume behandeln lassen, um die Gefahr, die von den Raupen ausgeht, zu minimieren.

Samstag, 02.06.2018, 12:15 Uhr aktualisiert: 02.06.2018, 12:20 Uhr
Michael Hielscher verwendet einen Großteil seiner Arbeitszeit dafür, Spielplätze in Schuss zu halten. In dieser Woche hatte die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners Vorrang.
Michael Hielscher verwendet einen Großteil seiner Arbeitszeit dafür, Spielplätze in Schuss zu halten. In dieser Woche hatte die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners Vorrang. Foto: Oliver Hengst

Redakteur Oliver Hengst sprach am Rande eines solchen Einsatzes mit Gärtner Michael Hielscher von den Technischen Betrieben, der den beauftragten „Forstbetrieb Allendorf“ aus Nordwalde mehrere Tage lang durch die Stadt begleitete.

Wie wird dem Eichenprozessspinnern zu Leibe gerückt?

Michael Hielscher: Wir lokalisieren zunächst die Nester. Dann fährt der Kollege im Steiger hoch, er trägt einen Schutzanzug und hat einen Industriesauger mit einem Spezialfilter, damit die feinen Härchen nicht wieder austreten können. Der Mann saugt die Nester ab und gegebenenfalls brennt er anhaftendes Spinnengewebe ab.

Ist ein Baum danach immun? Oder können die Eichenprozessionsspinner wiederkommen?

Hielscher: Die können jederzeit wiederkommen. Das ist ja das Problem, das wir haben. Der Baum ist nicht automatisch nächstes Jahr nestfrei. Kann sein, dass er im kommenden Jahr vielleicht etwas weniger befallen ist. Aber aus den Raupen schlüpfen Schmetterlinge und die suchen sich wieder andere Wirtspflanzen.

Was genau macht die Raupen so gefährlich?

Hielscher: Die feinen Härchen sind giftig. Bei Hautkontakt kann man Pusteln bekommen, Ausschlag, ziemlichen starken Juckreiz, Atemnot, Asthma-Anfälle – je nach dem. Der eine reagiert mehr, der andere weniger.

Die Spezialfirma war im Auftrag der Stadt in dieser Woche vor allem an Schulen und Spielplätzen tätig. Sind die Nester für Kinder besonders gefährlich?

Hielscher: Wir sind da, wo viel Publikumsverkehr ist. Es geht da nicht nur um Kinder. Da vorne zum Beispiel ist eine große Eiche, unter der Sitzbänke stehen. Die bekämpfen wir natürlich auch. Das Besondere bei Kindern ist: Die sind natürlich neugierig. Sie spielen in der Nähe der betroffenen Bäume, prokeln in den Nestern herum. Und das sollte man tunlichst lassen. Kontakt sollte man auf jeden Fall vermeiden.

Warum sind eigentlich nur Eichen betroffen?

Hielscher: Die Raupen sind spezialisiert auf die Eichen, fressen gern deren Blätter. Das kann man manchmal richtig sehen, wie sie aus ihrer Gruppe in einer Prozession den Stamm hoch wandern (deshalb heißt es Prozessionsspinner). Dann fressen sie das Grün ab und das einzelne Gestänge bleibt stehen. Daran kann man mitunter auch gut den Befall erkennen. Es gibt auch noch anders Ungeziefer, die verweben richtig. Das ist dann ein richtiges Gespinst. Manche sind nicht gefährlich, die fressen nur das Laub. Aber diese Exemplare hier sind wegen der Brennhaare schon gefährlich.

Wenn ich so etwas im eigenen Garten entdecke: Was sollte ich tun?

Hielscher: Dafür sind Sie selbst verantwortlich. Es gibt keine Pflicht, das weg zu machen. Aber ich würde schon schauen, ob ich eine Firma bekomme, die sich auskennt. Selbst bei Bäumen, die weiter weg stehen, unter denen man sich vielleicht nicht viel aufhält: Trotzdem besteht ein Risiko. Denn die Tiere verpuppen sich, der Schmetterling fliegt aus und die Nester mit den Brennhaaren darin sind noch vorhanden. Die werden irgendwann mal herunterfallen. Und im Herbst beim Laubharken wundern sie sich dann, warum alles juckt und brennt.

Also auf keinen Fall selbst tätig werden?

Hielscher: Nein, selber würde ich da nicht dran gehen. Es gab schon Leute, die es selbst versucht haben und dann Ausschlag bekommen haben.

Kann man irgendetwas prophylaktisch tun: Chemie einsetzen zum Beispiel oder etwas neben die Eichen pflanzen, das die Raupen abhält?

Hielscher: Nein, eigentlich nicht. Es gab schon Kommunen, die die Bäume begast haben, aus einem Hubschrauber, damit sich die Tiere nicht vermehren. Aber das bringt nichts. Auch Chemie nicht. Selbst wenn die Raupe tot auf dem Boden liegt, ist die Gefahr durch die Härchen immer noch da.

Hat der Befall zugenommen?

Hielscher: Dieses Jahr ist es extrem. Der Befall hat sich mit Sicherheit verdoppelt oder verdreifacht. So viel wie in diesem Jahr haben wir noch nie gehabt.

Was passiert mit den aufgesaugten Nestern und Raupen?

Hielscher: Die werden verbrannt. Das bringt nichts, die in den Kompost zu schmeißen. Die müssen schon richtig entsorgt werden, damit die Gifthärchen auch wirklich weg sind.

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