Selma Eskici über das Fasten
Ramadan ist ihr „Wohlfühl-Monat“

Greven -

Seit dem 16. Mai fasten Muslime auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland. Auch in Greven. Eine von ihnen ist Selma Eskici, zweite Vorsitzende des Ditib-Vereins in Greven.

Samstag, 02.06.2018, 10:16 Uhr aktualisiert: 03.06.2018, 15:32 Uhr
Natürlich hält sich Selma Eskici, zweite Vorsitzende des türkischen Vereins in Greven, an die Fastenpflicht. Einen Monat heißt es für sie: Tagsüber nichts trinken, nichts essen – das Fastenbrechen am Abend beginnt traditionell mit Datteln.
Natürlich hält sich Selma Eskici, zweite Vorsitzende des türkischen Vereins in Greven, an die Fastenpflicht. Einen Monat heißt es für sie: Tagsüber nichts trinken, nichts essen – das Fastenbrechen am Abend beginnt traditionell mit Datteln. Foto: Luca Pals

Dieser lädt heute Abend um 21.45 Uhr alle Interessierten zum Fastenbrechen ein. Selma sprach mit Luca Pals, Mitarbeiter dieser Zeitung, über die eigenen Beweggründe, das Besondere am Ramadan und die Freude auf das Fastenbrechen während des „Zuckerfestes.“

Mit wie viel Jahren haben Sie mit dem Fasten angefangen?

Selma Eskici: Ich feiere den Fastenmonat Ramadan seit meiner Kindheit, um genauer zu sein, seit meinem neunten Lebensjahr.

Und vorher mussten Sie nicht fasten?

Selma Eskici: Nein, Kinder sind vom Fasten ausgeschlossen – genauso wie Kranke, Schwangere oder Reisende. Vorher haben wir Kinder Zuhause bis Mittag gefastet, das haben unsere Eltern dann so angenommen.

Und ab wann gilt die Fastenpflicht?

Selma Eskici: Ab der Pubertät. Die tritt bei den einen früher, bei dem anderen später ein.

Worauf verzichten Sie genau?

Selma Eskici: Ich trinke und esse während der Zeiten nichts. Insgesamt verzichte ich auf alles, was der Mensch braucht und macht. Alles, was Vergnügen bereitet.

Was bedeutet Ihnen persönlich der Fastenmonat Ramadan ?

Selma Eskici: Ich freue mich immer sehr auf den Monat. Es ist für mich ein Wohlfühl-Monat, weil ich sehr viel bete und Gott sehr nahe bin. Es ist ein Monat, in dem man sich von allen schlechten Sachen trennt. Ein Beispiel: Wenn man einen Monat lang nicht raucht, kommt man vielleicht ja ganz vom Rauchen ab.

Welche Wirkung hat das Verzichten auf Essen und Trinken?

Selma Eskici: Es ist manchmal schon hart, abends habe ich oft Durst. Das versetzt uns aber in eine andere Lage: Wir entwickeln größeres Verständnis für arme und hungernde Menschen.

Stichwort arme Menschen: Spenden Sie?

Selma Eskici: Natürlich spende ich. Jedes Jahr. Für Menschen, die genug Geld haben, ist es eine Pflicht. Das heißt Fitre und bedeutet, dass jeder zehn Euro im Monat spendet. Man sagt: Davon kann ein Mensch einen Tag lang leben. Wer selber nicht viel Geld hat, muss natürlich nicht spenden. Dann lädt man die Menschen zu sich nach Hause ein oder fastet einen Tag länger.

An wen spenden Sie?

Selma Eskici: Wir gehen nach dem Prinzip vor, erst vor der eigenen Haustür zu fegen. Also erst an die engeren Verwandten und Freunde zu denken. Ich spende mein Geld an eine Freundin aus der Türkei, die es sehr gut gebrauchen kann.

Was sagen Sie jemanden, der nicht fasten möchte?

Selma Eskici: Das ist seine Entscheidung, die er vor Gott verantworten muss. Das Fasten ist eine Sache zwischen den Menschen und Gott. Wer es nicht macht, begeht eine Sünde.

Freuen Sie sich schon auf das „Zuckerfest“ am Ende des Monats?

Selma Eskici: Auf Feste freut man sich doch immer. Bei uns sieht es so aus, dass die Männer zum Feiertagsgebet morgens in die Moschee gehen, nach dem Gebet mit Brötchen nach Hause kommen und wir als Familie gemeinsam frühstücken. Danach besuchen wir erst die älteren Menschen, zeigen ihnen unseren Respekt. Sie sollen sich genau so freuen, wie unsere Kinder: Die bekommen immer Geld und Geschenke.

Was geht Ihnen nach einem solchen Monat selber durch den Kopf?

Selma Eskici: Ich spüre eine große Erleichterung, dass ich es wieder geschafft habe und bin Gott dankbar.

Jetzt ist es momentan sehr warm. Ändert das etwas?

Selma Eskici: Nein. Gott gibt uns die Stärke zu fasten. Ich sage immer: Der Mensch muss es wollen. Außerdem: Wenn jemand hart in der Sonne arbeiten muss und sagt, er kann nicht mehr fasten, spendet er halt jeden Tag, den er nicht fastet, 10 Euro. Da gibt es immer Spielraum.

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