Mi., 13.06.2018

Direktvermarktung auf dem Hof Bönstrup Glückliche Hühner, leckerer Kuchen

Drei Generationen auf dem Hof mit Direktvermarktung, Hof-Café und Festdiele: Katharina Bönstrup, ihre Eltern Ingrid und Franz, sowie ihre Tochter Elisa (v.l.n.r).

Drei Generationen auf dem Hof mit Direktvermarktung, Hof-Café und Festdiele: Katharina Bönstrup, ihre Eltern Ingrid und Franz, sowie ihre Tochter Elisa (v.l.n.r). Foto: Pia Weinekötter

Greven - 

Den Hof gibt es seit 1876. Aber den Schritt zur Direktvermarktung und zum Hofcafé haben die Bönstrups erst gemacht, als BSE die Schlagzeilen bestimmte. Ein guter Tausch.

Von Pia Weinekötter

Der Stammbaum reicht bis 1640 zurück. Die jetzige Hofstelle in Westerode ist seit 1876 im Familienbesitz. Die Bönstrups haben sogar ein eigenes Hofwappen. Und dann sollten sie einfach mit der herkömmlichen Landwirtschaft aufhören?

Das konnte sich Franz Bönstrup erst so gar nicht vorstellen. Aber in den 80er Jahren waren die Zeiten für Vollerwerbsbauern in der Bullenmast nicht rosig. Die BSE-Krise forderte ihren Tribut.

„Keiner wollte mehr Rindfleisch kaufen“, erinnert sich der Landwirt. „Daher haben wir den Strukturwandel in der Landwirtschaft früher eingeläutet“, sagt seine Frau Ingrid. Sie hatte auch die zündende Idee: Hühner, Eier und Hähnchenfleisch als Direktvermarktung.

Aber sie wollte ihr Unternehmen auf eine gute und langlebige Basis stellen und machte sich schlau: „In Deutschland gab es für die Hühner damals hauptsächlich Käfighaltung. Also haben wir uns in der Schweiz informiert, wo schon damals die Käfighaltung verpönt war.“

Fotostrecke: Direktvermarktung auf dem Hof Bönstrup

So hielt das Konzept mit Eiern und Fleisch von freilaufenden Hühnern auf dem Hof Bönstrup Einzug. Die Flächen wurden verpachtet, der noch 1982 aufwendig sanierte Bullenstall wurde zu Wohnwagenstellplätzen umgebaut und Wiesen und Ställe für das Federvieh geschaffen.

Doch mit einem Hofladen und einem Schild an der Straße alleine war es nicht getan. Erst als Ingrid Bönstrup 1989 einen Platz auf dem Grevener Markt bekam, „waren wir immer ausverkauft!“

Und sie fuhr nicht alleine zum Markt. „Wir Kinder waren oft dabei“, erinnert sich Tochter Katharina und bemerkt augenzwinkernd: „sogar meinen Mann Sven habe ich auf dem Markt kennengelernt.“

Und heute begleitet wiederum ihre sechsjährige Tochter Elisa Oma und Opa oft auf den Markt. Aus dem Klapptisch der ersten Markttage wurde schnell ein Post-Bulli. „Der hatte den Spitznamen: ‚Das Gelbe vom Ei‘“, schmunzelt Ingrid Bönstrup.

Und aus den anfänglichen 20 Hühnern wurden schnell 50. Heute dürfen bis zu 2000 Hühner gehalten werden und Franz und Ingrid Bönstrup fahren mit einem professionell ausgestatteten Marktwagen zu fünf Wochenmärkten in Greven, Reckenfeld, Altenberge und Münster-Nienberge.

Zahlreiche Stammkunden haben sich so entwickelt. „Einige Kunden nehmen unsere Eier sogar mit in den Urlaub“, freut sich Ingrid Bönstrup.

Und auch die nächste Bönstrup-Generation hat ihr Geschäftsfeld auf dem Hof der Eltern gefunden: Als 2009 die Entscheidung für ein neues Wohngebäude fiel, kam die Idee auf, das bisherige historische Gebäude als Hof-Café zu nutzen. Tochter Katharina hatte sich beruflich bereits umorientiert und von 2003 bis 2005 ihre Schulung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleitung mit Ausbildereignungsprüfung absolviert.

„Ursprünglich hatten wir geplant, das Café nur am Wochenende zu öffnen, doch immer öfter standen auch in der Woche Radtouristen vor der Tür, so dass wir heute von mittwochs bis sonntags geöffnet haben“, freut sich Katharina Bönstrup über die gute Resonanz ihres Hof-Cafés mit der großen Festdiele, die man auch für Feiern mieten kann.

Neben Kaffee und Kuchen und dem sonntäglichen Frühstücks-Buffet bietet sie im Sommer an verschiedenen Terminen auch ein Reibeplätzchen-Buffet an. Dann steht Mama Ingrid am Herd und kocht „wie bei Muttern“. Ansonsten kann sich Katharina auf ein 20-köpfiges Mitarbeiter-Team verlassen, das für den reibungslosen Service wie auch für den selbst gebackenen Kuchen sorgt.

Zurzeit sind Direktvermarktung und Hof-Café zwei getrennte Betriebe. Doch auch wenn sich Ingrid und Franz mit ihren 64 und 68 Jahren mal irgendwann für den Ruhestand entscheiden sollten, laufen beide Standbeine des Hofes weiter. „Es ist wichtig, dass es auf dem Hof auch nach so vielen Generationen immer noch weiter geht“, betont Franz Bönstrup.



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