Reckenfelder Niklas Ahlert in Berlin
Debattiert wie echte Abgeordnete

Reckenfeld -

Niklas Ahlert war vier Tage in Berlin. Aber nicht etwa zum Sightseeing. Er hat an einem Planspiel teilgenommen, sich vier Tage lang in die Rolle eines Bundestagsabgeordneten versetzt.

Donnerstag, 05.07.2018, 15:39 Uhr
Niklas Ahlert (links) und weitere Teilnehmer des Planspiels „Jugend und Parlament“, das vom Deutschen Bundestags ausgerichtet wird, im Plenarsaal des Bundestages.
Niklas Ahlert (links) und weitere Teilnehmer des Planspiels „Jugend und Parlament“, das vom Deutschen Bundestags ausgerichtet wird, im Plenarsaal des Bundestages. Foto: Privat

Viel gesehen, viel erlebt, viel erfahren hat er. „Dafür habe ich in Berlin nicht viel geschlafen“, sagt Niklas Ahlert schmunzelnd. Anlass seines Besuches in der Hauptstadt: seine Teilnahme am Projekt „Jugend und Parlament“.

Vier Tage war er in Berlin. Aber nicht etwa zum Sightseeing. Er hat an einem Planspiel teilgenommen, sich vier Tage lang in die Rolle eines Bundestagsabgeordneten versetzt, an Ausschüssen und Parlamentsdebatten teilgenommen. Alles inszeniert, gleichwohl authentisch und in jenen heiligen Hallen, in denen auch die „echten“ Abgeordneten tagen. „Das war schon cool“, sagt er über die Einblicke, die er dabei gewonnen hat.

Apropos echte Abgeordnete: Eine solche, nämlich Kathrin Vogler (Linke) aus Emsdetten, hat den jungen Reckenfelder eingeladen. Natürlich nicht von ungefähr: Niklas Ahlert engagiert sich bei den Linken, man kennt sich also.

Sollte es ein Pfandsystem für Kaffeebecher geben? Gibt es ein Mandat für einen Auslandseinsatz der Bundeswehr in einer afrikanischen Krisenregion? Fragen wie diese wurden debattiert und entschieden. Die rund 330 Teilnehmer schlüpften in die Rollen von Politikern fiktiver Parteien. Und wie sollte es anders sein: Der Linke Niklas Ahlert musste einen Konservativen geben (die „Bewahrungspartei“, die am ehesten der CSU entspricht), musste sich in dessen Argumente eindenken und die Position möglichst glaubhaft vertreten. „Anfangs war das echt schwierig, das muss ich schon sagen“, räumt der 20-Jährige ein. Aber letztlich führte die Rolle zu einem tieferen Verständnis der Abläufe in einer parlamentarischen Demokratie.

Wenn er nicht gerade Politik macht (und das macht er in letzter Zeit mit wachsender Begeisterung), dann geht er zum Karatetraining in Reckenfeld, streift durch die Natur (er wohnt direkt am Wald), oder schaut sich Spiele der Gladbacher an. Niklas Ahlert absolvierte einen Bundesfreiwilligendienst in der Jugendarbeit, leitet AGs an der Gesamtschule, engagiert sich im Kesselhaus. Demnächst soll ein Studium der Sozialen Arbeit folgen.

In der Jugendarbeit, die ihn viel Zeit im Hansaviertel verbringen ließ, sah er auch Armut und Perspektivlosigkeit. Was er als ungerecht empfand in einer Stadt, in der es den meisten Menschen ganz gut geht. „Ich habe mich schon immer gerne über die Nachrichten aufgeregt“, sagt er schmunzelnd. „Und irgendwann habe ich gedacht: Du kannst dich nicht immer nur aufregen und labern, du musst versuchen, etwas zu ändern.“ Im kleinen versucht er das im Lokalen, gründete in Greven die erste Linksjugend im Münsterland, demnächst wird er wohl sachkundiger Bürger im Bezirksausschuss Reckenfeld. Lokalpolitik sagt ihm zu. Auch, weil sie sich oft um sehr lebenspraktische Dinge dreht. Und: „Da geht es nicht so sehr um dieses Parteien-Dings.“

Wie Veränderungen in der großen Politik zustande kommen (oder eben nicht), das kann er nach der eigenen Berlin-Erfahrung nun zumindest besser verstehen. „Das hat auf jeden Fall mein Demokratieverständnis gestärkt.“ Auch, oder gerade weil er bei „Jugend und Parlament“ auch auf junge Menschen traf, die die AfD geschickt hatte. Nicht leicht, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, aber sehr lehrreich. Jenseits davon gab es im demokratischen Spektrum ansonsten gute Gespräche. „Mit Jungliberalen über Wirtschaftspolitik zu sprechen, war echt super interessant.“ Auch „echte“ Ausschusssitzungen, die Niklas Ahlert besuchte (etwa zum Thema Pflege), und eine Podiumsdiskussion mit Nahles, Bartsch, Hofreiter und anderen Poltit-Größen empfand er als „richtig cool“.

Politik als Berufsziel? Aktuell kein Thema. „Ich habe noch so viele andere Pläne“, sagt der junge Mann. Und den Verlockungen der Macht will er nicht erliegen. Einen Vorgeschmack gab es in Berlin. „Wichtige“ Ausweise, offene Türen, die für „Normalos“ geschlossen bleiben, Kameras überall – all das war eine interessante Erfahrung. Aber er will sich auf die Arbeit vor Ort konzentrieren. „Ohne die Ortsvereine wäre das alles nichts.“

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