Die Geschichte einer syrischen Familie (5. Teil, Ende)
Die Hürden der Sprache

Sprachkurse, Praktika, Aushilfsjobs. Für Sohela Mohammad und ihren Mann Majed Ebrahim sind die ersten Jahren in Deutschland mühsam.

Samstag, 07.07.2018, 13:42 Uhr aktualisiert: 09.07.2018, 16:38 Uhr
Ein Bild aus dem Flüchtlingswohnheim: Olyar, Majed Ebrahim, Sohela Mohammad und der jüngste Sohn Yosef.
Ein Bild aus dem Flüchtlingswohnheim: Olyar, Majed Ebrahim, Sohela Mohammad und der jüngste Sohn Yosef.

Was bisher geschah: Die syrische Familie von Sohela Mohammad, ihr Mann Majed Ebrahim und die beiden Söhne Olyar (6) und Yosef fliehen aus Hasaka vor IS und Assad, kommen über die Balkanroute nach Deutschland und leben in verschiedenen Unterkünften in Greven.

Zum Flüchtlingsdasein gehört Warten. Wir sind am 16. Oktober 2015 nach Greven gekommen. Ein Jahr später ist über unseren Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entschieden worden. Wir haben subsidiären Schutz erhalten, das bedeutet erst einmal ein Bleiberecht für drei Jahre.

Ich hatte Glück, denn ich konnte schon im Dezember 2015 einen Sprachkurs beginnen. Normalerweise bekommt man Sprachkurse erst nach einer Anerkennung als Flüchtling.

Ich war ja in Hasaka Lehrerin an einer Schule, hatte studiert und bin das Lernen gewöhnt. Ich habe inzwischen die Prüfung für das Level B2 abgelegt und ein dreimonatiges Praktikum im Kindergarten St. Martinus absolviert. B2 soll ausreichen, heißt es, um eine Ausbildung zu machen.

Mein Mann, der Zuhause in Syrien in den Modegeschäft seiner Familie gearbeitet hatte, musste länger auf den Sprachkurs warten und hat mehr Probleme.

Zurzeit lernt er Deutsch auf A2-Niveau. Und gleichzeitig arbeitet er stundenweise als Zeitungsausträger. Aber er sieht sich natürlich nach einer Arbeit um und hofft, etwas in einer Grevener Logistikfirma zu finden.

Ich werde bald ein Jahr als Bundesfreiwillige in der St. Martinus-Kita beginnen. Ich wünsche mir natürlich, dass sich dadurch eine Jobchance in diesem oder einem anderen ähnlichen sozialen Bereich ergibt. Vielleicht bietet sich dann eine Erzieherinnen-Ausbildung an.

Der Unterschied zu den Kindergärten in Syrien ist hier, dass die Kinder, bis sie in die Schule kommen, optimal gefördert werden. Zum Beispiel durch das Angebot zur Ausprägung kognitiver und motorischer Fähigkeiten und pädagogisch wertvollen Methoden, einer (angemessenen) Umgangsweise mit den Anderen und der Stärkung ihres Gemeinschaftssinnes.

Sogar meine eigenen Kinder ermahnen mich inzwischen, wenn sie meine Erziehungsmethoden nicht gut finden und anderes für „richtiger“ erachten. Sie vermitteln mir ihr Wissen über den Umgang mit Anderen oder neue Wörter, die sie gelernt haben und nun Zuhause wiederholen. Für die Kinder ist alles einfacher. So spielt mein sechsjähriger Sohn Olyar Fußball bei Greven 09.

Bis heute haben wir eigentlich nur Kontakt zu anderen Flüchtlingsfamilien, ganz unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten. Viel mehr als zu deutschen Familien – vielleicht wegen der Andersartigkeit der deutschen Sitten und Gewohnheiten, die sich sehr von unseren unterscheiden.

Ich bin außerdem in einer Gruppe von syrischen Flüchtlingsfrauen aktiv.

Dies ist aber auch der kritische Punkt, den zu überwinden wir persönlich und gleichermaßen auch die deutsche Regierung anstreben.

Zum Schluss möchte ich noch dankend anmerken, dass dieses Land uns unglaublich viel an Freiheit, Würde und Menschlichkeit im gegenseitigen Umgang hat zukommen lassen und uns ganz gemäß seinem Kodex „Menschen sind Menschen“ ein Leben in Sicherheit und eine bessere Zukunft für unsere Kinder ermöglichte, weit weg von den Hinterlassenschaften des Krieges.

| Alle Folgen: www.wn.de/greven/flucht / Übersetzung: Saskia Thurau

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