So., 19.08.2018

Interview Schluss mit dem Krawattenzwang

Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender Rainer Langkamp: Einmal ohne Krawatte am Grevener Beach, einmal auf einem offiziellen Bankfoto.

Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender Rainer Langkamp: Einmal ohne Krawatte am Grevener Beach, einmal auf einem offiziellen Bankfoto. Foto: Günter Benning

Greven - 

Manchmal trägt Rainer Langkamp bei offiziellen Terminen Krawatte. Manchmal nicht. Was wie ein Zufall wirkt, ist bei dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Steinfurt Zeichen für einen Epochenwandel. Die Sparkasse baut ihre Filialen um. Und dabei fallen die Krawatten. Unser Redaktionsmitglied Günter Benning sprach mit Langkamp über den Wandel des Dresscodes.

Herr Langkamp, auf dem jüngsten Bild mit den Kreissparkassen-Azubis trugen die jungen Männer keinen Schlips. Ist das die neue Mode bei Ihnen?

Langkamp: Das ist der neue Dress-Code oder Style-Guide, wie auch immer man das bezeichnen will. Wir wollen insgesamt unseren Marktauftritt verändern, jünger und moderner rüberkommen. Und wir wollen vor allen Dingen Distanzen, Barrieren abbauen und dem Kunden auf Augenhöhe begegnen. Unsere Kunden und Kundinnen kommen auch nicht alle mit Anzug und Krawatte zu uns. Deswegen werden wir uns da anpassen.

Bisher war ja die Bank oder Sparkasse das letzte Refugium der Krawattenträger. Gehörte der Binder nicht auch ein bisschen zur Grundausstattung und zum Image dazu?

Langkamp: Das ist die Frage. Zum Job gehört sie sicherlich nicht dazu. Dazu gehört eine vernünftige, qualifizierte Beratung, eine hohe Kundenorientierung. Zum Image hat sie möglicherweise in der Vergangenheit dazu gehört. Aber das Image des Bankkaufmanns und der Bankkauffrau ist auch an der einen oder anderen Ecke angestaubt, sehr konservativ. Da wollen wir einfach offensiver, progressiv und näher an den Menschen sein.

Ich kann mich erinnern, dass ich früher einen Schlips im Handschuhfach hatte. Für den Fall, dass man einen Termin bei der Bank hatte. Gab es bei Ihnen Ausnahmeregelungen?

Langkamp: Nein, allgemein nicht. Es lag im Ermessen der Führungskräfte, bei großer Hitze zu sagen, jetzt lassen wir mal die Krawatte weg. Aber wir haben nicht so etwas wie den „Casual friday“, den es in manchen Betrieben gibt. Tatsächlich ist die Krawatte heute eher ein Bekleidungsstück, das man zu besonderen Anlässen trägt, zu festlichen Events, aber nicht mehr für den ganz normalen Job. Wir passen uns dem allgemeinen Trend an.

Sie wandeln sich nicht holterdiepolter, sondern schrittweise?

Langkamp: Ja, es geht uns nicht nur um den Dresscode, also die Krawatte. Wir erneuern den gesamten Marktauftritt. Unsere Filialen, die regionalen Beratungs-Center versehen wir mit einem neuen Gesicht. Zum Ende der nächsten Woche haben wir sechs neue Beratungs-Center umgebaut, die mit einem ganz anderen Bild unsere Kunden empfangen. Sie wirken wohnlich, haben warme Farben, es ist gemütlich – und technisch auf allerneuestem Stand. Das gilt auch für die Hauptstellen in Ibbenbüren und Greven, die gerade im Umbau sind. Mit der Fertigstellung passen wir auch den Dresscode an.

Aber, Dresscode bedeutet ja erstmal, es gibt eine Vorschrift. Im Schlabberpullover wird bei Ihnen nicht gearbeitet?

Langkamp: Wir wollen nach wie vor gepflegt und seriös rüberkommen. Das werden wir auch tun. Unser Dresscode heißt: Business casual. Dazu gehört einfach nicht mehr die Krawatte. Es wird leichter, lockerer, moderner.

Sie tragen gerade eine Krawatte, letzte Woche bei einem anderen Termin trugen sie keine. Wechseln Sie?

Langkamp: Ich mache es situativ. Da, wo wir den neuen Auftritt umgesetzt haben, weil wir auch räumlich umgestellt haben, passe ich mich an. Die Hauptstelle in Ibbenbüren ist da im Moment noch nicht soweit.

Kann man eigentlich von einem modischen Epochenwandeln sprechen?

Langkamp: In gewisser Weise schon. Wenn sie das gemeinsam mit der Änderung unserer Filialen sehen, dann ist das ein epochaler Wandel. Aber wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist. Wir sind damit in der Wirtschaft nicht gerade Vorreiter, aber wir vollziehen etwas nach, was sich anderswo schon etabliert hat.

Was sagen denn Ihre Azubis dazu?

Langkamp: Die freuen sich und finden es gut. Aber auch die ältere Mitarbeiter sind zufrieden, dass sie den alten Zwängen nicht mehr unterliegen und etwas befreiter auftreten können.

In der Kommunikation mit anderen spielt das Auftreten eine große Rolle. Sicher ein Grund, warum sie ihren Dresscode ändern?

Langkamp: Die Kleidung, auch die Krawatte, bewirkt etwas beim Gegenüber. Und sie suggeriert, dass die Stellung, die man da symbolisch einnimmt, wichtiger als die des Gesprächspartners ist. Genau das wollen wir ausdrücklich nicht. Wir wollen den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Wenn es Kunden gibt, die mit Krawatte kommen und es gut finden, dann wird der Berater auch eine Krawatte haben. Aber wir wollen vor allem Barrieren abbauen. Wir nehmen uns nicht wichtig, sondern die Kunden sind wichtig.



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