Mo., 20.08.2018

Beatclubfestival am Grevener Emsstrand Grandiose Show

Weit über 3000, wenn nicht sogar 4000 Zuschauer waren von den Bands beim Beatclub-Festival total begeistert.

Weit über 3000, wenn nicht sogar 4000 Zuschauer waren von den Bands beim Beatclub-Festival total begeistert. Foto: Peter Beckmann

Greven - 

Ein grandioses Festival mit den Beatclub-Allstars, Jethro Tull und Physical Graffiti lockte am Samstagabend knapp 4000 Menschen an den Emsstrand. Sie erlebten drei Bands, die Rockmusik vom Feinsten darboten. Ein Feuerwerk auf dem Emsdeich verkürzte die Wartezeit zwischen den Auftritten.

Von Peter Beckmann

Too old to rock‘n‘roll? Nee, das ist Ian Anderson bestimmt nicht. Der Mann steckt voller Energie, flitzt wie ein Derwisch über die Bühne, entlockt seiner Querflöte himmlische Töne. Aber: Er kämpft, kämpft mit seiner Stimme, die er sich mit 50 Jahren Jethro Tull ruiniert hat. Trotz allem: Es war ein Konzert vom Allerfeinsten – das dann aber von der Band Physical Graffiti noch in den Schatten gestellt wurde.

Samstagabend, 19 Uhr. Genau um diese Zeit soll es losgehen. Da spielen wie immer die Beatclub-Allstars. Und die sind es bei den Festivals in den vergangenen Jahren eigentlich gewohnt, vor nur wenigen Zuschauern zu rocken. Diesmal aber ist alles ganz anders. Der Emsstrand ist schon gut gefüllt, am Ende werden es weit über 3000, wenn nicht sogar 4000 Menschen sein, die sich vor der Bühne tummeln. Angereist aus allen Richtungen, von weit über das Münsterland hinaus.

Die meisten von ihnen: Tull-Fans. Sie wollen den „alten Mann“ noch mal live sehen, sich noch einmal in alte Zeiten zurückrocken lassen. Die Allstars machen die Fans schon mal warm, mit einem Querschnitt der Rockmusik. Sängerin Jenifer Sünderkamp steht mit Babybauch auf der Bühne, da werden die Rockmusiker der Zukunft gebrieft.

Fotostrecke: Beatclubfestival am Grevener Beach mit Jethro Tull

Umbaupause und Ansage von den Veranstaltern. Kameras verboten, heißt es. Die Security werde das auch kontrollieren (und macht es auch). Eine Lachnummer und einer von einigen weiteren Spleens des Front-Mannes der Band Jethro Tull, dem, wie vielen anderen auch, der Ruhm wohl zu Kopf gestiegen ist.

Überhaupt: Gerade bei den Beatclub-Festivals melden sich immer wieder die Puristen, die nur das Original gut finden und bei Coverbands die Nase rümpfen. Nun: Viel Original ist bei Tull auch nicht gerade dabei. 36 Musiker hat Anderson durch die Band geschleust, geblieben ist nur er. Er, der Mann, der die Querflöte mit der Rockmusik verheiratete, er, der mit seiner markanten sonoren Stimme für Jethro Tull steht.

Fotostrecke: Nach Jethro Tull

Um so mehr tut es weh. Grandiose Musik, verschachtelte Rhythmen, Melodiebögen weit jenseits von 08/15, fantastische Musiker und ein Frontmann, der leidet. Es tut weh zu sehen, wie er nach seiner Stimme ringt, es tut weh zu hören, wie er scheitert. Songs mit gesangsbetonten Melodien sind kaum wiederzuerkennen. Erleichterung, wenn er zur Querflöte greift. Und trotzdem: Die Leute sind begeistert, feiern mit der Band 50 Jahre Jethro Tull, hören die sonore Stimme Andersons bei den Ansagen der Stücke, die er fast in der Art eines Conférenciers darbietet. Von „Aqualung“ über „Too old to rock‘n‘roll“ und dem „Klassiker“ „Bouree“ schließt das grandiose Konzert schließlich mit dem Song, der Jethro Tull berühmt machte, der ganz viel Geld in die Kassen spülte, und der eigentlich nur ganz wenig mit der Musik von Jethro Tull zu tun hat. Aber: Bei „Locomotive Breath“ konnten selbst die nicht ganz so heftigen Tull-Fans mitsingen.

Das Feuerwerk in der Umbaupause war dann ein adäquates Vorspiel für die „heimlichen“ Stars des Abends, die sicherlich noch nie nach einer so bekannten Vorband auf der Bühne standen. Das, was auf dem Schlafbedürfnis Ian Andersons basierte, wurde an diesem Abend aber auch musikalisch belegt. Physical Graffiti lieferten eine Show ab, die in der Hitliste der diversen Beatclub-Festivals ganz weit oben steht.

Grandiose Rockmusik nach einem unübertroffenen Vorbild. Led Zeppelin stand da auf der Bühne. Die gewaltige Stimme von Sänger Andrew Elt kam Robert Plant ganz nahe, kein Mensch vermisste Jimmy Page. Die Finger des Gitarristen Daniel Verberk sausten über die Saiten, dass einem schwindelig wurde. Und das Publikum? Da wurde bei vielen das Haar geschüttelt, das es schon lange nicht mehr gibt. Da wurde gerockt und getanzt, da war es egal, dass da nicht das Original auf der Bühne stand. Wer braucht Led Zeppelin, wenn es Physical Graffiti gibt?

Nur das Ende, die gigantische Zugabe, das hat der Mann am Lautstärkeregler versaut, der daran mächtig gedreht hat. „Kashmir“ und „Whole Lotta Love“ muss laut, und zwar ganz laut.

Teert und federt ihn . . .



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