Mo., 20.08.2018

Klein, aber fein: Erster Mittelaltermarkt bei Rickermann Das fast echte Spectaculum

Der nächste Schuss sitzt: Beim Bogenschießen-Schnupperkurs holten sich Besucher ein paar Experten-Tipps ab.

Der nächste Schuss sitzt: Beim Bogenschießen-Schnupperkurs holten sich Besucher ein paar Experten-Tipps ab. Foto: Stefan Bamberg

Reckenfeld - 

Das Wochenende rund ums Landhaus Rickermann glich einem großen Rollenspiel: In der Hauptrolle: Mittelalter-Fans, die die Besucher mit auf eine Zeitreise nahmen.

Von Stefan Bamberg

„Dominica, Sigrdrifa, Kräuterhexe oder Lagermama – ganz, wie Du willst.“ Die junge Frau mit dem flotten Mundwerk schlüpft hier in viele Rollen. Wie überhaupt dieses Wochenende rund ums Landhaus Rickermann ein einziges Rollenspiel ist. Denn Fabian Bockel – Olaf Rickermanns Sohn – der sich mit Verve der Mittelaltermarkt-Szene verschrieben hat, sogar mal für zwei Wochen in einem dänischen Mittelalterdorf gelebt hat, sonst aber noch zur Schule geht, hat ein kleines, aber feines Geschichtsevent erstmals in Vaters Gaststätte gebracht.

Was dem jungen Initiator besonders wichtig ist: dass es im Lager familiär zugeht. Ein Konzept, das ankommt: „Große Märkte sind nicht unbedingt immer die schönsten“, findet auch die Lagermama. Das Gefühl, für das viele von ihnen hier sind, entstehe gerade in so beschaulicher Runde: dem Alltag entfliehen, zur Ruhe kommen, mit lieben Menschen zu sprechen statt sie nur anzuklicken.

Schweren Herzens hat Fabian Bockel natürlich trotzdem ein Handy dabei: „Ich muss ja erreichbar sein, falls es Probleme gibt.“ Auch ein bisschen geschummelt: Der Axtwerfer pafft mal kurz an seiner hippen E-Zigarette. Und, ach ja: Ein schickes Restaurant für ein nicht ganz mittelalterliches Abendessen gleich ums Eck, das finden die meisten doch auch ganz nett. Wobei Rickermann-Kumpel Klaus Hoffmann in der Draußen-Kantine allerlei Nostalgisch-Rustikales zaubert: „Das Spanferkel ist der Renner.“

Der Chef selbst hat sich derweil um die Mucke gekümmert: „Tam Lin“ am Samstagabend sorgt mal für authentisches Spectaculum, mal für eher zeitgenössischen Schwof. Und zieht dank des Sommerwetters spontan in den Biergarten um. Genau dort dreht sich schon Sonntagmorgen wieder alles ums mehr oder weniger historisch korrekte Markttreiben.

Dominica zum Beispiel öffnet ihre Hexenküche. Aber, keine Panik: Die Besucher schnüffeln hier doch eher an Dingen, die man aus der Teetasse oder Ommas Schrebergarten kennt. Salbei, Lavendel, Thymian. Dazu gibt‘s Tipps, welche Wehwehchen damit gelindert werden können. Was wohl gegen Schusswunden hilft? Nebenan läuft nämlich ein Pfeil-und-Bogen-Schnupperkurs. Und da zeigt sich der Coach gelegentlich großzügig: „Versuch’s einfach noch mal – beim nächsten Mal triffst Du.“ Im echten Mittelalter wäre es vermutlich längst zu spät gewesen.



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