Mo., 20.08.2018

Volles Haus beim ökumenischen Freilichtbühnen-Gottesdienst Gott kennt seine Pappenheimer

So viele Besucher wie selten zuvor waren am Sonntag gekommen, die Liedblätter reichten nicht.

So viele Besucher wie selten zuvor waren am Sonntag gekommen, die Liedblätter reichten nicht. Foto: Stefan Bamberg

Reckenfeld - 

Beim ökumenischen Gottesdienst auf der Freilichtbühne ging es – passend zum Theater-Umfeld – um Masken und den wahren Menschen dahinter. Das interessierte viele: die Reihen waren gut besetzt.

Von Stefan Bamberg

So eine Maske kann ziemlich praktisch sein – eine mit Gurken soll in solchen Fällen ja helfen: für die Jungs an der Technik, die eine kurze Nacht hinter sich haben. Weil sie noch vor ein paar Stunden die Musicalnacht-Stars ins rechte Licht gerückt haben, die auch Masken auf hatten.

Wir alle tragen regelmäßig Masken, bestenfalls freiwillig, wie im Musical. Oft aber auch gezwungenermaßen – in der Schule, auf der Arbeit, zu Hause. Darüber sollte man mal reden, finden Freilichtbühnen-Team, Pastoralreferentin Andrea Antkowiak und Pfarrer Uwe Völkel – und wo passte das besser als hier im Theater?

Beim Gottesdienst mit der vielleicht größten Fangemeinde: „Ob Katholik, Protestant oder einfach nur so“, formuliert Lektor Daniel Maurer es eher burschikos. Sie alle sind am Sonntagvormittag eingeladen zum Fest des Glaubens – und zur ökumenischen Grillwurst danach. So viele wie selten zuvor sind gekommen, die Liedblätter reichen nicht. Mit Unterstützung von den Liedertafel-Männern formiert sich ein stimmgewaltiger Open-Air-Kirchenchor.

Bekannte Musik, bekannte Gesichter – und bekannte Probleme: „Man sieht oft nur die Masken, nicht aber den wahren Menschen“, leitet Völkel die Dialog-Predigt ein. Oft sei es notwendig, sich zu verstellen – für die Karriere, für den guten Ruf. Das Herz auf der Zunge tragen? Längst nicht immer eine gute Idee: „Manchmal ist es sicher auch besser, sich so zu verhalten, wie andere es von uns erwarten.“ Aber: Gott kennt seine Pappenheimer. „Er lässt sich nicht von einer Maske beeindrucken“, entgegnet Antkowiak.

Doch wer sich jetzt ertappt vorkommt, sollte auch die Chancen sehen, meint die Theologin: „Bei Gott brauche ich nichts außer mein Herz.“ Vor Gott habe man die Freiheit, sich so zu zeigen, wie man ist. Was das alles mit der aktuellen biblischen Lesung – der Befreiung der Israeliten aus dem babylonischen Exil – gemein hat? „Das leitende Motiv ist auch da die Freiheit“, resümiert Völkel. Gott weiß um die Situation seines Volkes – und lässt es nicht im Stich.

Und wer mit seinen Sorgen und Ängsten nicht gleich ganz oben vorstellig werden möchte? Für den gibt es eine hervorragende irdische Alternative: echte Freunde. Jene, die mit ehrlichem Interesse zuhören, die auch mal Klartext sprechen – und dichthalten können. Denn: „Wer sich traut, seine Maske abzulegen – der braucht auch jemanden, der achtsam mit dem ihm Anvertrauten umgeht“, betont Antkowiak.

Damit wir unsere Masken nur noch dann aufsetzen müssen, wenn es wirklich was mit Kunst zu tun hat – auf der Freilichtbühne zum Beispiel.



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