Sa., 25.08.2018

Bezirksbeamter Uwe Wagner ist für den Innenstadtbereich zuständig Auf Grevens Irrwegen unterwegs

Hallenbadkreisel: Hier haben die kreuzenden Radler und Fußgänger keinen Vorrang. Aber Pkw-Fahrer halten für gewöhnlich zur Sicherheit an und lassen sie vorbeiziehen. Der Grevener Manfred Troppenz (M.) fragt den Bezirksbeamten Uwe Wagner, wie es beim herausfahren aus dem Kreisverkehr aussieht.

Hallenbadkreisel: Hier haben die kreuzenden Radler und Fußgänger keinen Vorrang. Aber Pkw-Fahrer halten für gewöhnlich zur Sicherheit an und lassen sie vorbeiziehen. Der Grevener Manfred Troppenz (M.) fragt den Bezirksbeamten Uwe Wagner, wie es beim herausfahren aus dem Kreisverkehr aussieht. Foto: Günter Benning

Greven - 

Uwe Wagner will nicht berühmt werden. „Das habe ich meinem Chef gesagt, als ich in Greven angefangen bin“, sagt der Bezirksbeamte der Polizei. Berühmt werden die scharfen Hunde, die jeden Verkehrsverstoß ahnden, die auf der Lauer liegen, um Sünder auf frischer Tat zu ertappen, „die alles abkassieren“.

Von Günter Benning

Wagner ist zwischen Ems und FMO der Mann für die Bürgernöte, die Verkehrssicherheit, die Information von Schulkindern, die Beratung nach Einbrüchen. Aber er ist auch der Sisyphos, der seinen Stein den Berg hochschiebt – und dann rollt er sofort wieder runter.

Seit zwei Jahren ist der Bezirksbeamte in Greven. Zuvor lebte er lange in Ochtrup, war für die SPD im Rat, kennt sich aus mit der Politik: „Da wird dann gerne mal ein neues Verbotsschild beschlossen.“ Aber für die Kontrolle sorgt keiner.

Für den Polizisten gibt es in Grevens Verkehr viel zu viele Fragen. Start einer kleinen Beweis-Radtour: Von der Marktstraße zum Rathaus. Vor dem Eingang biegen wir ab auf die rot gepflasterte Fläche zum Rewe mit den Fahrradständern.

„Wissen Sie, dass wir das nicht dürfen?“, fragt der Reporter. Wagner guckt ungläubig. Die Verbotsschilder an den beiden Pkw-Einfahrten sind ihm noch nie aufgefallen. Und das kann er schon mal sagen: Ein Schild, das man nicht sehen kann, kann man auch nicht befolgen.

Gegenüber an der Alten Münsterstraße könnte man das gleiche Spiel nachvollziehen. Wer die Rathausstraße hochfährt und am Galen-Haus scharf rechts abbiegt, kann unmöglich das Schild „Fußgängerzone“ gesehen haben.

Was macht der Polizist in solchen Fällen? „Ich kann die Leute nur auffordern, abzusteigen.“ Aber 15 Euro für Fehlverhalten, die würden keinem abgezwackt, der „unschuldig“ ist.

Natürlich gibt es auch die anderen. Kleiner Stopp an der Kreuzung Rathausstraße /Lindenstraße (Richtung Augustinianum). Ein Radler fährt seelenruhig auf der falschen Straßenseite an Wagner vorbei. „Absteigen“, ruft der hinterher. Aber der Mann scheint nicht recht zu kapieren. Direkt dahinter ein 15-Jähriger, der über die Fußgängerampel fährt.

„Du hast schon gesehen“, fragt Wagner, „dass hier ein Polizist steht?“

Der Jüngling mit Musik im Ohr guckt irritiert: „Ich muss doch da zur Brücke.“ Keine Spur von Unrechtsbewusstsein. „Wenn die Leute Fahrrad fahren“, sagt Wagner, „vergessen sie alles, was sie für ihren Führerschein gelernt haben.“

Aber die Dinge sind auch kompliziert. Vom Hallenbadkreisel geht es zu einer Inspektionstour zu allen Kreisverkehren an Rathaus- und Königstraße. Kraut und Rüben, überall gelten andere Regeln.

Vor dem Hallenbad stoppt der Grevener Manfred Troppenz den uniformierten Beamte: „Wie ist das, wer hat Vorfahrt, wenn er aus dem Kreisel fährt?“ Klare Antwort: Der Abbieger muss die Vorfahrt achten.

Aber beim Umkreisen des Rondells müssen hier die Radfahrer und Fußgänger aufpassen. Für sie gilt: Vorfahrt achten. Trotzdem halten fast alle Pkw an. „Zur Sicherheit“, sagt Wagner.

Wieder zurück am Völkerballkreisel ist alles anders. Hier haben Radfahrer Vorfahrt, die den Kreis umfahren. „Das funktioniert gut“, sagt der Polizist.

Und noch ein paar Meter weiter vor dem Kreisel Königstraße / Grabenstraße fährt der Radfahrer sowieso schon auf der Fahrbahn – e r rutscht mit den Pkw hindurch.

Nur, um dann am Kreisel an der Leinweberstraße (Neuapostolische Kirche) völlig verwirrt zu werden.

Stadtauswärts schwimmt man im Verkehr, stadteinwärts müssen Radler ab Hansaring den kombinierten Fuß-Radweg benutzen, aber eine sichere Möglichkeit, um in den fließenden Verkehr abzubiegen, gibt es nicht.

Uwe Wagner schüttelt mit dem Kopf und bestaunt die geriffelten Steine, die aus irgendeinem Grund den Gehweg markieren: „Ich weiß nicht, was die da sollen.“

Manchmal kann die Polizei nur die Achseln zucken. Zum Beispiel bei den vielen Verbotsschildern für Lkw in Greven. Darunter steht oft: „Durchgangsverkehr erlaubt“.

„Wie soll man das prüfen?“, sagt der Bezirksbeamten und sieht einem Laster nach, der in Richtung Wöste abbiegt, „sehen Sie – auch ein Baustellenfahrzeug.“

Hunderte von Rätseln des Verkehrs würde er kennen, hatte Wagner vor dem kleinen Ausflug erklärt: „Nicht nur in Greven.“

Manche zeigen, dass der Verkehr organisch gewachsen – und der Verstand nicht immer nachgekommen ist. Zum Schluss fährt Wagner zur Kreuzung Grüner Weg/Hansaring (Bäckerei Werning). Stadteinwärts dürfen Radler auf der linken Seite beidseitig fahren. Aber an der Kreuzung bricht der Weg ab. Kein Hinweis darauf, wie es weitergehen soll.

Stattdessen befinden sich gegenüber an der Einfahrt zum Gewerbegebiet zwei Verbotsschilder für Lkw links und rechts der Straße. Unter einem steht: „50 Meter frei“. Unter dem anderen steht nichts.



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