Fr., 24.08.2018

Der Kuhtrog Der direkte Weg in die Kirche

Der Kuhtrog existiert heute nur als kurze Verbindung vom Wilhelmplatz zur Martinistraße über Treppen.

Der Kuhtrog existiert heute nur als kurze Verbindung vom Wilhelmplatz zur Martinistraße über Treppen. Foto: Günter Benning

Greven - 

Joseph Prinz schreibt zum Kuhtrog: „Von der Ecke der Bergstraße führte ein schmaler Weg, zu den Wiesen und Äckern der Grevener Bauern im Nierodde [Niederort]. Es ist offenbar der Rest eines mittelalterlichen Feldweges in der Verlängerung der alten Emsstraße (Martini-Kirchstraße) aus der Zeit, bevor diese zum Schem über die Ems abbog.“

Von Hans-Dieter Bez

Als Weg zum Treiben von Kühen vom Stall zur Weide und umgekehrt war dieser Weg zwischen der Bergstraße und dem späteren Wilhelmplatz stellenweise viel zu schmal und auch zu gefährlich wegen des Kantenabbruches.

Daher wird der Name dieses Weges also wohl nicht vom Kühetreiben kommen. Auch der Volkskundler Friedrich Herkarn setzte in einer Veröffentlichung, in der er auf den „Kuhtrog“ eingeht, hinter die Namenserklärung „Weg von Kühen auf eine emsnahe Wiese“ mit Recht ein Fragezeichen.

Seinen Namen erhielt dieser unbefestigte Weg wohl eher dadurch, dass im Laufe der Jahre durch das Begehen in der Mitte des Weges eine Vertiefung, eine Rinne entstanden war, so dass die Wegoberfläche wie ein Kuhtrog aussah.

Der „Kuhtrog“ erhielt seine größte Bedeutung erst, als die Hochstraße und die Friedrich-Ebert-Straße im 19. Jahrhundert bebaut wurden und das Nordviertel entstand. Der „Kuhtrog“ war der direkte Weg von dort in die Dorfmitte, ein öffentlicher Verbindungsweg von der Hochstraße über die Westseite des Wilhelmplatzes, an der Westseite von Biederlacks Garten vorbei, also direkt an der Abbruchkante im Gelände entlang, bis zur Bergstraße.

Der ursprüngliche Feldweg diente jetzt den Kirchgängern, den Einkäufern, aber auch den Besuchern der vielen Kneipen im Bereich des Marktplatzes.

Um 1960/1970 hatte der „Kuhtrog“ seine alte Funktion als Abkürzungsweg längst verloren, weil er vielleicht auch durch Zutun der Anlieger für Fußgänger unattraktiv und teilweise auch unpassierbar geworden war.

Allerdings beschloss der Sanierungs-Ausschuss, der für die Neuordnung des alten Dorfkerns zuständig war, in seiner Sitzung im September 1978, dass der „Kuhtrog“ als Fußgängerverbindung wieder ausgewiesen werden sollte. Der Widerspruch eines Anliegers erfolgte prompt, Er widersprach der erneuten Ausweisung des „Kuhtrogs“ als Fußweg mit dem Hinweis, daraus würden sich negative Auswirkungen auf die angrenzenden Grundstücke ergeben.

Heute ist ein kleiner Teil des „Kuhtroges“ wieder begehbar. Denn er erschließt den Zugang zu den Wohnungen der Gebäude, die unmittelbar westlich des Schulhofes der Evangelischen Grundschule liegen.



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