Di., 28.08.2018

Christian Dziersk hat seinen Weg etwas später gefunden General-Manager in Saudi-Arabien

Regale sehen in Saudi-Arabien auch nicht anders aus als in Greven: Christian Dziersk (r.) an seinem Arbeitsplatz.

Regale sehen in Saudi-Arabien auch nicht anders aus als in Greven: Christian Dziersk (r.) an seinem Arbeitsplatz. Foto: HH

Greven - 

Christian Dziersk hat es beruflich nach Saudi-Arabien verschlagen. Wie das? Wie kommt ein bekennender „mittelmäßiger Realschüler“ aus Greven nach Saudi Arabien? „Schule“, sagt er, „war nichts für mich. Ich brauche nicht nur Theorie, sondern immer auch Praxis.“

Von Günter Benning

Christian Dziersk hat sein Skateboard zum Mandala mitgebracht. „Das ist hier mein Fahrrad“, sagt der 36-Jährige, „in Saudi-Arabien kann man damit leider nicht fahren.“

Dziersk relaxed im Heimaturlaub. Seit zweieinhalb Jahren lebt er in der Hafenstadt Dammam am Persischen Golf, in der Nähe des Inselstaates Bahrain. Dort arbeitet er als General-Manager für ein saudisches Logistik-Unternehmen, die „Majra Solutions Support Services LLC“. Bei seiner Selbstbeschreibung im Netzwerk Xing hebt er eins hervor: „Kühler Kopf im chaotischen Umfeld.“

Aber erst muss man mal erklären, wie ein bekennender „mittelmäßiger Realschüler“ aus Greven eigentlich nach Saudi Arabien kommt. „Schule“, sagt er, „war nichts für mich. Ich brauche nicht nur Theorie, sondern immer auch Praxis.“

Die Justin-Kleinwächter-Realschule mit Mühe hinter sich gebracht. „Aber aufgeben kam nicht in Frage“, sagt er. Nachher hat er die Höhere Handelsschule in Ibbenbüren besucht und sein Fachabi in Wirtschaft bestanden.

Worauf eine ganz normale Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann folgte, bei Alois Gausepohl in Ibbenbüren. Nach der Lehre arbeitete er in der Bergmannstadt in zwei Betrieben als kaufmännischer Angestellter. Und so hätte sein Leben in ruhigen Bahnen weitergehen können.

„Mit 25 hatte ich eigentlich alles erreicht. Was tun?“, fragte er sich.

Christian Dziersk, der mittelmäßige Schüler, schmiss den Job und schrieb sich an der Fachhochschule Münster für das Fach Wirtschaft ein. Und dort erlebte er so etwas wie einen persönlichen Lern-Kick: „Ich musste mir die Dinge selber beibringen.“ Toll für jemanden, der unter Zwang nicht arbeiten kann, der ein „freies Umfeld“ braucht.

Dann der erste Schritt ins Ausland. Seine Bachelor-These schrieb er schon an der Hull University in England, wo er ein Jahr lebte. Seine Master-Arbeit machte er im Auftrag der RKW SE in Gronau, ein großes Verpackungsunternehmen. „Die hatten gerade in Kentucky, in den USA, ein neues Werk gekauft“, sagt er, „ich habe ein Logistik-Konzept für das neue Unternehmen geschrieben.“

Wobei er eine Sache feststellte, die seine FH-Lehrer im Nachhinein stolz machen dürfte: „Wenn man studiert, erscheinen einem viele Dinge theoretisch. Aber wir wurden zu 90 Prozent damit gefüttert, was man in der Praxis wirklich braucht.“

Nach Saudi-Arabien kam Dziersk dann über das beliebte Vitamin B. Was ja nur heißt, wenn man in der Welt rumkommt, hat man auch Beziehungen.

„Mein Mitbewohner aus England war Saudi“, berichtet der Grevener, „und sein Cousin hatte eine Logistik-Firma gegründet.“ Die lief nicht so ganz nach seinen Vorstellungen und er brauchte einen Manager. Dziersk kam, sein Ziel waren schwarze Zahlen in der Bilanz.

Seitdem wohnt er in Dammam. 50 Grad und Schwüle im Sommer, bei 30 Grad nennt man das „Winter“. Möbliertes Apartment, Dienstwagen mit Fahrer (zu Anfang). Es gibt keine Kinos, keine Ausgehkneipen, Kontakt zu Frauen ist tabu. Und die Nachrichten aus der Welt dröpeln dürftig. Was Dziersk in der ersten Zeit sehr erholsam fand. „Man wird oft eingeladen“, sagt er. Die Saudis treffen sich gern privat. Und lieben es, mit Gästen auf Englisch zu parlieren.

Vorerst will Christian Dziersk Arabien treu bleiben. Im November steigt er in einer neuen Firma ein – auch ein Logistik-Job.



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