Di., 04.09.2018

Liedermacher und Arzt: Christian Lötters Ein Song gegen rechte Gefahr

Christian Lötters tritt auch als Liedermacher auf. Die Single „Es kann wieder passieren“ ist eine Auskopplung aus seiner nächsten CD, die im Winter erscheint.

Christian Lötters tritt auch als Liedermacher auf. Die Single „Es kann wieder passieren“ ist eine Auskopplung aus seiner nächsten CD, die im Winter erscheint. Foto: Günter Benning

Greven - 

Er singt gefühlvolle Lieder, ein Song gegen die rechte Gefahr ist jetzt als Single und Video herausgekommen. Ansonsten verdient Christian Lötters sein Geld als Urologe in Greven.

Von Günter Benning

Der Song klingt düster. Am Ende hört man Hitlers schnarrende Stimme. „Es kann wieder passieren“, ist der warnende Refrain, den Christian Lötters dazu singt.

Der Grevener hat gerade seine zweite CD in Arbeit, der Song gegen die rechte Szene wird als Single ausgekoppelt. Seit Freitag kann man auf Youtube und anderen Portalen das Lied hören, und den Sänger sehen.

Dass Liedermacher auch noch andere Berufe haben, ist nicht ungewöhnlich. Franz-Josef Degenhardt war Anwalt. Christian Lötters ist Urologe. Quasi erblich bedingt, seine heutige Praxis hatten zuvor sein Vater und sein Bruder geführt.

Und fast wäre der 40-jährige Arzt aus Greven sowieso etwas anderes geworden. Nach dem Abi studierte er in Köln E-Gitarre am Münchner Gitarren Institut. Ein Freund hatte ihn darauf gebracht.

Das Institut ist renommiert und hat mit seinen Ablegern manchen Star produziert.

Aber der Grevener, der erst mit 18 Gitarre spielen lernte, geriet dann doch auf andere Bahnen: „Nach einem Jahr am Institut, habe ich noch meinen medizinischen Studienplatz bekommen.“

Also: Klassisches Medizinstudium in Gießen und Göttingen. In Detmold, Köln und Münster hatte er Klinikstellen. Dann verschlug es ihn doch wieder nach Greven, wo sein Bruder, auch Urologe, einen tragischen Fahrradunfall hatte. Christian Lötters übernahm die Praxis und lebt mit seiner Familie in der Nähe des Ferienhofes Wiggers, seine Frau ist Reittherapeutin, die beiden Kinder wachsen ländlich auf.

Ein Leben, gibt er zu, mit deutlich weniger Stress als in der Uni-Klinik.

Und jetzt bleibt ihm auch Zeit für sein liebstes Hobby. Lieder schreiben, Gitarre spielen. Mittags in der Pause und abends zupft er, denkt über neue Texte nach. In seinem Arbeitszimmer stapelt sich Papier: „Da sind schon jede Menge Ideen für die nächsten Stücke.“

Auf die Liedermacherei hat ihn der frühe Philipp Poisel gebracht, als der noch alleine mit Gitarre auf der Bühne stand: „Das fand ich geil.“ Emo-Pop könnte man die Fachrichtung nennen, der sich auch Lötters verschrieb. Gradlinige Lieder, ernst, keine Ironie. Texte, die gleich ans Gefühl gehen. Heute ist sein Vorbild und Freund der Brandenburger Liedermacher Tobias Burger („Worte werden wie Regen sein“).

Im vergangenen Jahr hat Lötters seine erste CD in Greven auf den Markt gebracht. Der Erlös war für einen karitativen Zweck, rund 2000 Euro. Auch die zweite CD, die zum Advent fertig sein wird, soll wieder Geld für gute Zwecke einspielen: „Wir entscheiden noch, wofür es sein soll.“

Der medizinische Musiker hat früher schon in Bands wie „The Frantz“ gespielt (zu Ehren des Musiklehrers Franz Walter Lanwer vom Augustinianum) oder in der münsterischen Rockband Denner. Heute zieht es ihn mit seiner folkigen Stoll-Gitarre, eine federleichte Handarbeit, auf die freien Bühne, die es landauf, landab überall gibt. In Münster gibt es mehrere Auftrittsorte, in Krefeld hat er beim großen Folklore-Fest mitgemacht. Im münsterischen Charivari-Theater hat er im vergangenen Jahr mit einem Pianisten und einem Puppenspieler einen Bob-Dylan-Abend veranstaltet. Wegen des großen Erfolgs gibt es in diesem Jahr eine Eric-Burdon-Show.



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