Sa., 01.09.2018

Mehr bezahlbarer Wohnraum Die Suche nach dem richtigen Weg

Gebaut wird in Greven reichlich. Nur Wohnraum, der auch für einkommensschwache Haushalte bezahlbar ist, ist in Greven Mangelware.

Gebaut wird in Greven reichlich. Nur Wohnraum, der auch für einkommensschwache Haushalte bezahlbar ist, ist in Greven Mangelware. Foto: Peter Beckmann

Greven - 

Wohnen: in Greven ist das eine teuere Angelegenheit. Wer wenig Geld hat, hat es in der regel schwer, etwas Passendes zu finden. Der Ausweg: Sozialer Wohnungsbau. Wieviel davon soll es in Greven geben? Darüber wurde nun im Ausschuss gestritten.

Von Peter Beckmann

Viele ältere Menschen werden sich noch mit Freude an die alten Zeiten erinnern, in denen sich Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß mal so richtig während der Sitzungen im Bundestag fetzten. Ein bisschen davon hatte auch die gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt und des Sozialausschusses am Donnerstagabend. Da bekamen sich der Linke Thomas Hudalla und der CDU-Fraktions-Vorsitzende Jürgen Diesfeld mächtig in die Haare. Worum es ging? Um das so genannte Handlungskonzept Wohnen.

Ein durchaus schwieriges Thema. Denn: Das kontinuierliche Bevölkerungswachstum stellt die Stadt Greven insbesondere im Bereich Wohnen vor sehr große Herausforderungen. „21 Prozent aller Haushalte in Greven sind einkommensschwach und können sich keinen teuren Wohnraum leisten“, erklärte Fachdienstleiter Stadtentwicklung, Matthias Herding, der das Handlungskonzept Wohnen, erstellt von der „InWIS Forschung & Beratung GmbH“, kurz vorstellte.

Im Grunde ging es um die Frage, wie die Stadt den Wohnungsmarkt steuern kann, damit ausreichend bezahlbarer Wohnraum entsteht. Ein Mittel ist da eine Quote, die Bauherren vorschreibt, wie hoch der Anteil an öffentlich gefördertem Wohnraum bei deren Projekten sein muss.

„In Greven werden immer Niedriglohn-Jobs geschaffen, da brauchen wir auch entsprechenden Wohnraum“, verdeutlichte Peter Borggreve (Grüne). Die im Konzept anvisierte Quote von 20 Prozent sei zu gering. Der Meinung waren auch Linke und die SPD. „Wir müssen eine Quote finden, die auch für Greven realisierbar ist, der freie Markt wird das sicher nicht regeln“; sagte Dr. Christian Krieges­kotte (SPD).

Thomas Hudalla (Linke) sieht den Bedarf sogar noch weit höher. „Die Zahl von 21 Prozent einkommensschwacher Haushalte ist viel zu gering, da gibt es eine hohe Dunkelziffer“, sagte er und bezeichnete das vorliegende Konzept als den kleinsten gemeinsamen Nenner. „Aber damit bleiben wir weit hinter unseren Möglichkeiten zurück. Da müssen wir noch drauf legen“, sagte er und verwies auf andere Städte mit weit höheren Quoten.

Und als er dann erklärte, dass das Thema bezahlbarer Wohnraum seit Jahren von der Politik angesprochen werde, aber in der Verwaltung wohl keine Priorität genieße, fuhr Jürgen Diesfeld dazwischen. „Wir brauchen hier keine Abrechnung.“ Was wiederum Hudalla dazu animierte, von Diesfeld lautstark mehr Respekt vor den Äußerungen der Ausschussmitglieder einzufordern.

Auch die Möglichkeit, dass die Stadt selbst eine Wohnbaugesellschaft gründet, wurde diskutiert. „Das ist sicherlich eine Möglichkeit, über die man sprechen muss“, sagte Diesfeld. Letztendlich müsse man eine Reglung finden, mit der das Ziel mehr bezahlbarer Wohnraum erreicht werde, aber auf der anderen Seite die Investoren nicht abwandern. „Es wird sicherlich über alles, was notwendig ist, gesprochen.“

Beschlossen wurde am Donnerstag nichts. „Wir müssen uns zunächst mit dem spät eingereichten Antrag der SPD auseinandersetzen“, sagte Lore Hauschild (Grüne). In dem Antrag hatte die SPD eine Quote von 25 Prozent, die Schaffung oder eine Kooperation mit einer Wohnbaugesellschaft und die Schaffung von Personalressourcen für die Umsetzung und Koordination von Maßnahmen gefordert.



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