So., 02.09.2018

Pile Herkarn Ein intimer Kenner des alten Greven

Pile Herkarn war nicht nur Pädagoge, sondern auch ein begeisterter Heimatforscher.

Pile Herkarn war nicht nur Pädagoge, sondern auch ein begeisterter Heimatforscher. Foto: Heimatverein

Greven - 

Wer den „Grevener Jungen“, wie er sich gerne selbst nannte, „Pile“, wie er von seinen Freunden und Bekannten genannt wurde, jemandem in Greven hätte vorstellen wollen, der hätte im wahrsten Sinne des Wortes versucht, die viel zitierten Eulen nach Athen zu tragen.

Von Hans-Dieter Bez

Fast alle Grevener kannten Friedrich Herkarn, geboren am 8. März 1915, persönlich. „Pile“ wurde er genannt, weil er sehr kommunikationsfreudig war.

Die einen waren mit ihm zusammen groß geworden, hatten mitbekommen, dass sein Vater im ersten Weltkrieg gefallen war. Manche waren seine Mitschüler in Greven oder auf dem Paulinum in Münster, wo er sein Abitur machte.

Andere erlebten ihn als Lehrer oder als Kollegen an der Josef-Hauptschule, deren Stellvertretender Leiter er später war. Wieder andere lernten ihn irgendwann als geselligen, liebenswürdigen, hilfreichen und sich für vieles interessieren Menschen kennen.

Unvergessen ist vor allem, dass er wegen seiner Hilfsbereitschaft und seiner Fähigkeit, Streitigkeiten zu schlichten und auszugleichen, viele Jahre lang das schwierige Amt eines Schiedsmannes der Stadt Greven wahrnahm.

Was an ihm faszinierte, waren seine Freundlichkeit, seine geistige Wendigkeit und Lebendigkeit, seine Begierde, Neues zu erzählen, aber auch Neues zu erfahren. Sich mit ihm zu unterhalten war interessant, kurzweilig. Man hatte immer den Eindruck, er bekam alles mit, was „im Dorf“ passierte. Üble Nachrede war ihm fremd. Und man freute sich hinterher, ihn getroffen zu haben.

Er verkörperte den bodenständigen, kernigen, geraden und hellwachen Münsterländer mit dem Interesse und dem Gespür für all das, was um ihn herum vorging. Seine Verwurzelung im christlichen Glauben war dabei unverkennbar.

Seit seiner Schulzeit gehörte seine Leidenschaft der Geschichte Grevens und des Münsterlandes, dazu fanden alle volkskundlichen Themen sein größtes Interesse. Um in diesem Fachbereich vom Interessierten zum Fachmann zu werden, studierte er nach seiner Rückkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft neben seinem Lehramts-Studium auch acht Semester lang „Deutsche Volkskunde“ an der Universität Münster.

Die Themen seiner Seminar- und Examensarbeiten spiegeln seine volkskundlichen Interessen deutlich wider. Als Beispiele seien hier genannt „Der Grevener Mensch bei der Gestaltung seiner Esche in der Auseinandersetzung mit den naturgeographischen Gegebenheiten“, „Sitte und Brauchtum in Greven“ und „Das Heimatkunde-Prinzip in der Schule“.

Da verwundert es nicht, dass er hernach immer wieder von Gruppen und Vereinen, auch vom Heimatverein Greven, gebeten wurde, Vorträge über die Grevener Geschichte zu halten und über hiesiges Brauchtum zu berichten. Man hörte ihm gerne zu, denn er war ein Fachmann in diesen Themen, konnte die Fragen beantworten. Und er verstand es, Historisches, Brauchtum und das Leben der hiesigen Menschen lebendig und allen verständlich darzustellen. Sein Lieblings-Grevener war ohne Zweifel der „Ingenieur im Bratenrock“, Pluggen Hiärm, über dessen „Taten“ er viele Aufsätze schrieb.

Seit 1949 gibt es von ihm zu historischen und volkskundlichen Themen mit Grevener Bezug viele Veröffentlichungen in den Grevener Tageszeitungen, aber auch in Festschriften. Zu nennen ist zuerst das Buch „Aolt Greiwen“, das vielen Grevenern in der Schule als Schulbuch begegnete, 1954 erschien und für die Schülerinnen und Schüler des 3. und 4. Jahrgangs geschrieben war, um ihnen Geschichte und Brauchtum Grevens anhand von wichtigen Einzelaspekten im Fach Heimatkunde vorstellen zu können.

Im Jahre 1968 erschien dann eine weitere größere Veröffentlichung als Festschrift zum 300. Jubiläumsfest der Grevener Bürgerschützen mit dem Titel „300 Jahre Bürgerschützen – Träger heimatlichen Brauchtums“. In dieser Festschrift sind alle Aspekte westfälischen und Grevener Schützenwesens und seines Brauchtums dargestellt, einschließlich des Grevener Schnadgangs und der Grevener Männertaufe.

Der Heimatverein Greven ehrte ihn im März 1986 mit einer Urkunde und einem Orden des Vereins, „um ihm Anerkennung und Dank auszusprechen für seine jahrzehntelangen Bemühungen um Brauchtum, Sprache und wissenschaftliche Forschung zugunsten unserer Heimatstadt“.

Im Jahre 2000 hat der Heimatverein Greven dann eine ausgewählte Sammlung seiner in mehr als 50 Jahre erschienenen Aufsätze zur Grevener Geschichte, über das hiesige Brauchtum, über Grevener Sagen und Märchen in dem Buch „Aolt Greiwen liärwet nao“ herausgegeben.

Friedrich Herkarns Motto in den vielen Jahren seines Schaffens und Forschens war, wie er es in seinem Vorwort zu „Aolt Greiwen“ vor mehr als 60 Jahren schrieb: „Daß es viel Wissenswertes, Neues und Schönes von unsrem geliebten Greven gibt, was ihr noch gar nicht wißt, das will ich euch beweisen.“

Pile Herkarn starb vor fünfzehn Jahren, am 16. Februar 2003.

Hinweis: Kürzen bitte nur bei Bedarf den folgenden Absatz:

Die Themen seiner Seminar- und Examensarbeiten spiegeln seine volkskundlichen Interessen deutlich wider. Als Beispiele seien hier genannt „Der Grevener Mensch bei der Gestaltung seiner Esche in der Auseinandersetzung mit den naturgeographischen Gegebenheiten“, „Sitte und Brauchtum in Greven“ und „Das Heimatkunde-Prinzip in der Schule“.

Das Foto bringe ich morgen zum Einscannen.



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