So., 02.09.2018

Feuerwehrübung am FMO Ein Absturz und die Folgen

Rund 20 Insassen des Flugzeugs mussten erstversorgt und betreut werden.

Rund 20 Insassen des Flugzeugs mussten erstversorgt und betreut werden. Foto: Jens Keblat

Greven - 

Blaulicht und Martinshorn, Flammen und Rauch – Pflichtprogramm, wenn am Flughafen Münster/Osnabrück die so genannte ICAO-Übung durchgeführt wird. Alle zwei Jahre muss der Ernstfall am hiesigen internationalen Verkehrsflughafen geübt werden, am vergangenen Samstag war es wieder soweit. Diesmal wurde der Absturz eines Flugzeuges simuliert.

Von Jens Keblat

Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) ist immer eine Reise wert. Für die einen beginnt die große Reise erst an diesem Verkehrsknotenpunkt des Münsterlandes, für die anderen ist der Flughafen selbst das Reiseziel. An diesem Samstagmorgen lohnt aber nicht nur der Blick von der Besucherterrasse, sondern vielmehr der Blick hinter die Kulissen einer minutiös geplanten Katastrophe.

Die Verantwortlichen vom FMO haben die „Katastrophe“ gemeinsam mit Fachleuten der Grevener Feuerwehr und des Kreises ausgearbeitet. Die angenommene Lage: der Absturz einer Bombardier CRJ900, einem Regional-Jet mit 98 Sitzplätzen und Platz für fünf Besatzungsmitglieder. Ein Maschinentyp, der beinahe zum Inventar des Flughafens gehört.

Fotostrecke: Große Feuerwehrübung am Flughafen Münster-Osnabrück

Die Katastrophe im Detail: „Im Landeanflug gerät die CRJ900 durch Probleme mit der Steuerung außer Kontrolle, streift das Parkdeck 4 des Parkhauses und stürzt schließlich auf dem Hotel-Grundstück des FMO ab“, erläutert unter anderem Reinhard Holt von der freiwilligen Feuerwehr die Ausgangslage der Herbstübung der kommunalen Feuerwehr. Denn so martialisch das Szenario klingt, für die Einsatzkräfte aus der Region ist es eine der kompaktesten und kleinsten Übungen, die in den vergangenen Jahren am FMO stattgefunden hat. Abgesehen von einiger rettungs- und sanitätsdienstlicher Unterstützung aus dem Kreisgebiet wird das Gros der Übung von Grevener Wehrleuten gestemmt – eine Premiere.

Doch für Andrés Heinemann, Pressesprecher am FMO, kommt es bei der Umsetzung dieser ICAO-Auflage zur Aufrechterhaltung der Betriebserlaubnis für den Flughafen, genau auf ebensolche Abweichungen vom bewährten Schema an. Nur so könne man die Zusammenarbeit zwischen der Werkfeuerwehr des FMO und der externen Kräfte immer wieder anders üben und optimieren. Um den Flugverkehr aufrecht zu erhalten, rückt die Flughafenfeuerwehr deshalb am Samstag nur mit einem Fahrzeug aus.

Nach dem simulierten Absturz bekämpft das Flugfeldlöschfahrzeug einen Turbinenbrand an einer eigens organisierten Brandsimulationsanlage, während die Grevener Kräfte auf der Freifläche die rund 20 Insassen des Flugzeugs erstversorgen und betreuen, bis weitere Kräfte des Rettungsdienstes eintreffen. Zudem müssen die Grevener Kräfte auch noch ins Parkhaus vordringen und beim Transport ihres schweren Rettungsgeräts Improvisationstalent beweisen.

„Wir sind sehr gefordert gewesen. Die Notfalldarsteller haben gut reagiert und die Kräfte gut gefordert“, sagt Dieter Krawietz als Leiter der Kreisleitstelle und Leiter des Übungsstabes am FMO, der für den Einsatz aller eingesetzten Kräfte nur lobende Worte findet. Krawietz: „Im Parkhaus mussten Schere, Spreizer und Stromerzeuger über vier Ebenen auf Rollwagen nach oben geschoben werden – das ist schon ein kräftiger Personaleinsatz. Wir können ja mit den Fahrzeugen nicht ins Parkhaus fahren, da braucht es Handkraft.“

Auch Heinemann ist nach rund zwei Stunden gleichermaßen zufrieden und erleichtert: „Die Planungen für diese Übungen gehen ein Dreivierteljahr vorher los. Das ist eine sehr große Aufgabe. Heute waren rund 100 Kräfte hier im Einsatz und es hat alles super geklappt.“



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