Mo., 03.09.2018

Einen Monat auf der M/S Charlotta B Vom Planken-Putzer zum Steuermann

Fynn Rathjen (l.) hat ein Praktikum auf der Charlotta B (oben) absolviert.

Fynn Rathjen (l.) hat ein Praktikum auf der Charlotta B (oben) absolviert. Foto: Paula-Lina Taube

Greven - 

Fynn Rathjen hat sich einen Traum erfüllt und seine Sommerferien auf See verbracht. Der Grevener, der die 12. Klasse des Berufskollegs in Rheine besucht, hat einen Monat als Praktikant auf dem Containerschiff M/S Charlotta B gelebt.

Von Paula-Lina Taube

Auf dem 168 Meter langen Schiff der Reederei Bartels fuhr er zweimal von Hamburg nach Finnland, über Bremerhaven, den Nord-Ostsee-Kanal entlang nach Gdynia (Polen), dann St. Petersburg bis zum Zielhafen Helsinki und wieder zurück.

Die ersten zwei Wochen hieß es vor allem eines: Putzen, putzen, putzen. „Das Schiff war wirklich sehr sauber. Da hätte man selbst im Maschinenraum vom Boden essen können“, sagt Fynn Rathjen. Wohl auch dank der zwei Praktikanten, die die zwölfköpfige Crew an Bord vervollständigten.

Auf der zweiten Fahrt durfte Rathjen in den Maschinenraum, wo er unter anderem beim Ölwechsel und der Wartung der riesigen Motoren half. Nachdem das Deck geschruppt und das Öl gewechselt war, hat er sich am liebsten auf die Brücke gesetzt und mit der Besatzung geredet. Oder mit der Crew Playstation gespielt.

So läuft das wohl heutzutage auf See: keine knurrigen, alten Seebären, die Seemannsgarn stricken, sondern nette Ingenieure mit Spielekonsolen.

Seit gut sieben Jahren interessiert sich Fynn Rathjen für die Schifffahrt. Auf der M/S Charlotta B hat der Schüler erfahren, wie es ist, auf See zu leben und zu arbeiten. Über und unter Deck.

Einmal hat der Kapitän das Schiff auf manuelle Steuerung geschaltet und dem 17-Jährigen das Steuer überlassen. Gut eine Stunde durfte er das Schiff mit einer Tragfähigkeit von 17 822 Tonnen übers Meer schippern. Dennoch sieht er sich später eher unter Deck: „Vor dem Praktikum wollte ich eigentlich als Offizier aufs Schiff, aber nach dem Praktikum würde ich doch lieber als Ingenieur in den Maschinenraum.“

Dass ihm die Seefahrt nicht plötzlich auf den Magen schlägt, hat eine Seetauglichkeitsprüfung sichergestellt, die er mit seiner Bewerbung bei dem Ferien-Fahrer-Programm des Verbands Deutscher Reeder einreichte. In seinem Seemannsbuch mit der Liberischen Flagge, unter der das Schiff fährt, wurden alle Ein- und Ausstiegsdaten dokumentiert. In allen Häfen, in die die M/S Charlotta B einlief, konnte der Schüler von Bord gehen und die Stadt erkunden.

„Manchmal ist das Schiff aber nachts eingelaufen und früh morgens wieder aus, da habe ich dann nicht viel gesehen“, sagt er. Am besten hat ihm die russische Hafenstadt St. Petersburg gefallen. Allzu weit weg vom Schiff hat er sich aber nicht gewagt, denn wenn der Anruf kommt: „Wir legen früher ab“, heißt es, Beine in die Hand nehmen. Denn Rathjen weiß: „Das Schiff fährt auch ohne einen ab.“



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