Sa., 08.09.2018

Nachfrage nach Pflegeplätzen übersteigt das Angebot Lange Warteliste ist die Regel

Mit zum Teil langen Wartezeiten müssen all jene rechnen, die für sich oder einen Angehörigen einen Pflegeplatz in einer der Grevener Einrichtungen suchen.

Mit zum Teil langen Wartezeiten müssen all jene rechnen, die für sich oder einen Angehörigen einen Pflegeplatz in einer der Grevener Einrichtungen suchen.

Greven/Reckenfeld - 

Heute anrufen, weil man morgen einen Platz in einer Pflegeeinrichtung braucht? Schlechte Idee. Auch in Greven übersteigt die Nachfrage das Angebot.

Von Oliver Hengst

Was Menschen, die auf der Suche nach einem Platz für sich oder einen Angehörigen sind, Geduld oder einiges Improvisationstalent abverlangt.

„In der Regel landen sie auf einer Warteliste“, sagt zum Beispiel John Cyrannek, Leiter des CMS-Wohnstiftes. Zwei oder drei Monate warten müssen, bis ein Platz frei wird – das ist keinesfalls ungewöhnlich, wie er aus Erfahrung weiß. „Es kann natürlich auch mal sein, dass wir nächste Woche etwas frei haben.“ Aber das sei die ganz große Ausnahme. Und wenn dieser seltene Fall eintrete, würden zunächst die ganz dringenden Fälle bedacht.

Auch wer einen Kurzzeitpflegeplatz (also nur für begrenzte Zeit) sucht, muss flexibel sein. Nötig wird dies zum Beispiel dann, wenn Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden und später zu Hause gepflegt werden sollen. Die Angehörigen bräuchten dann meistens eine gewisse Zeit der Vorbereitung auf die neue Situation. Auch werde die Kurzzeitpflege nachgefragt, wenn die pflegenden Angehörigen einen Urlaub planen. „Kurzfristig kann ich ihnen da auch nichts anbieten“, rät Cyrannek, rechtzeitig tätig zu werden. Und auch die Tagespflege sei in Greven zumeist ausgebucht.

Dass der Pflegebedarf weiter zunehmen wird, steht für Cyrannek wie eigentlich für alle Branchen-Experten außer Frage. „Die Nachfrage wird in Folge der Demografie steigen. Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ja erst noch.“

Dass Pflegeheime inzwischen eine 80-Prozent Einzelzimmer-Quote nachweisen müssen, schreckt den Heimleiter nicht. Denn: Das CMS-Haus hat ausschließlich Einzelzimmer, vom ersten Tag an. „Es werden so gut wie nur noch Einzelzimmer nachgefragt“, sagt er. Und wenn mal ein Ehepaar anfrage, finde man auch für dieses eine Lösung.

Ehepaare, so weiß Frank Lünschen, würden ohnehin nicht zwangsläufig ein Doppelzimmer beziehen. Bedingt durch „unterschiedliche Krankheitsbilder“ sei es mitunter ratsam, die Eheleute in jeweils einzelnen Zimmern unterzubringen, sagt der Geschäftsführer des Augustinus-Zentrums Nordwalde, zu dem auch das Gertrudenstift (Greven) und das Haus Marienfried (Reckenfeld) gehören.

In letzterem habe man „schon immer überwiegend Einzelzimmer angeboten“. Und auch im Gertrudenstift „erfüllen wir die Quote“. Unterschiedlich lang könnten jedoch die Wartezeiten in den beiden Häusern ausfallen. Das Haus Marienfried sei sehr modern und gefragt. „Im Gertrudenstift sind wir im Altbaubestand“, räumt Lünschen ein. Sprich: Ein Zimmerwunsch könne dort eher erfüllt werden. Grundsätzlich sei die Nachfrage aber sehr groß, Wartezeiten daher unvermeidlich. „Wir versuchen, das möglich zu machen, es werden aber heute keine Plätze mehr auf Vakanz vorgehalten.“ Reserven gebe es nicht. „Wenn man Glück hat, klappt es nach 14 Tagen“, sagt Lünschen. Es könne aber auch schon mal acht oder mehr Wochen dauern. Nicht viel besser sieht die Versorgungssituation bei der Kurzzeitpflege aus, wie Kerstin Kieseler-Apitz sagt, die das Gertrudenstift leitet. „Und auch die Tagespflegeplätze sind begehrt, weil es für viele Familien eine Entlastung ist.“ Die Frage, ob man für einen Mann oder eine Frau einen vollstationären Pflegeplatz suche, spiele im Übrigen keine Rolle.

Auf der Warteliste des Matthias-Claudius-Hauses stehen regelmäßig etwa zehn Namen, wie Ulrich Watermeyer vom Träger, der Diakonie Münster, berichtet. „Wir wissen gar nicht wohin“, sagt er zu der großen Nachfrage. Kurzfristig einen Platz zur Verfügung stellen? „Schwierig“, sagt er. „Von heute auf morgen, so wie früher, das geht heute nicht mehr.“ Zwischen einer und vier Wochen müsse man sich schon in Geduld üben. Das liege auch daran, dass es selbst auferlegte oder verordnete Aufnahmestopps gebe, falls es nicht gelinge, entsprechendes Personal zu finden, das die Bewohner – so man sie aufnimmt – dann auch pflegt.

Im MCH habe man indes keine Sorgen, Mitarbeiter zu finden. „Wir haben 65 Prozent Fachkräfte, aktuell sind keine Stellen unbesetzt. Wir sind da eigentlich ganz gut aufgestellt“, sagt Watermeyer. „Man muss da sehr kreativ sein“, bei neuen Mitarbeitern zum Beispiel damit punkten, ihnen zusammen mit der neuen Stelle auch gleich die passende Wohnung anzubieten.

Apropos Wohnen: Die 80-Prozent-Quote erfüllt das MCH seit vielen Jahren. Schon beim Umbau vor rund 25 Jahren sei auf einen hohen Einzelzimmeranteil geachtet worden. „Wir haben vielleicht noch vier oder fünf Doppelzimmer.“



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