Mi., 12.09.2018

Kitty Hoff in der Kulturschmiede Jenseits von Kitsch und Schlager

Kitty Hoff und ihre beiden musikalischen Begleiter wussten am Freitagabend in der Kulturschmiede zu begeistern.

Kitty Hoff und ihre beiden musikalischen Begleiter wussten am Freitagabend in der Kulturschmiede zu begeistern. Foto: axe

Greven - 

Die Berliner Sängerin und Songschreiberin Kitty Hoff gilt als Erneuerin des deutschen Jazz-Chansons. Ihre stilübergreifenden Lieder sind für das Publikum immer ein inspirierendes Erlebnis. Bereits zum dritten Mal war sie am Freitag Gast der Kulturinitiative.

Von Axel Engels

Allerdings hätte man der sympathischen Künstlerin eine größere Resonanz bei den Liebhabern feinster von Hand gemachter Chansons gewünscht.

Aber ob sie auf einer ganz großen Bühne wie dem Hermann-Solff-Saal der Berliner Philharmonie agiert oder, wie in der Kulturschmiede, im eher intimeren Kreis – immer macht sie dies mit ungebremster Energie und Leidenschaft. Begleitet wurde sie an diesem Abend von dem Pianisten Mark Wenzel, der ihren Liedern ein klangfarbenreiches Gewand verlieh und auch seinem filigranen und sehr differenzierten Spiel zu glänzen wusste. Ebenso stand ihr Moe Jaksch am Kontrabass zur Seite, der als Berlins „bester R&R-Kontrabassist“ gilt und auch an der Gitarre seine ideenreichen Improvisationen einfließen ließ.

Wie gewohnt eröffnete Kitty Hoff den Abend solistisch am Steinway-Flügel, an dem sie sich bei „Konjunktiv“ kunstvoll begleitete. Da stimmte einfach alles perfekt, sie zog das Publikum sofort in ihren Bann. Als dann die beiden Herren beim „Hamsterrad Deluxe“ dazukamen, wurde man bei solch kritischer Betrachtungsweise des Lebens unweigerlich zum Nachdenken animiert.

Kitty Hoff schafft es, in facettenreichen Liedern ihre Erfahrungen, Gefühle und Ansichten in ein jederzeit fesselndes Gewand zu kleiden. Ihre gesellschaftlichen Betrachtungen stellt sie in einen größeren Zusammenhang, allerdings ohne den oftmals erhobenen Zeigefinger anderer Künstler. Dadurch verleiht sie ihren Lieder eine ganz persönliche Farbe, die sie vom Mainstream abgrenzt.

Bei solch kompetenten Begleitern wie Moe Jaksch und Mark Wenzel vermisste man nicht den verhinderten Schlagzeuger, zumal dann vielleicht die Stimme bei der diffizilen Akustik der Kulturschmiede nicht so gut verständlich gewesen wäre. So genoss man ihr leidenschaftlich gesungenes „Was ich will“. Ließ sich treiben bei der „Walzerflucht No 1“, genoss die Melancholie bei „Wo nichts ist“ und „Richtig und Falsch“.

Charmant führte Kitty Hoff mit kleinen Anekdoten in ihre Lieder ein, schuf so einen natürlichen Kontakt zum Publikum. Von den Liedern wollte man wohl keines missen. Jenseits von Kitsch und Schlager gibt es eben eine Welt, in der eine so vielseitige Künstlerin wie Kitty Hoff ihre ganzen Qualitäten, auch an der singenden Säge, einbringen kann. Sei es bei „Bonnie und Clyde“ oder dem prophylaktischen „Take Care“, Kitty Hoff verband künstlerisches Niveau mit großem Unterhaltungswert.

Auch wenn die Lieder von Kitty Hoff wohl nie bei der „Masse“ erfolgreich sein werden, bei den Liebhabern intelligenter Poesie in facettenreichem musikalischem Arrangement hat sie sicherlich viele Freunde dazu gewonnen.



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