Mi., 12.09.2018

Seit 50 Jahren Fliesenleger: Goldener Meisterbrief für Karl Jürgens Nicht eine Sekunde bereut

Ein Leben fürs Handwerk: Karl Jürgens erhielt am Samstag seinen Goldenen Meisterbrief. Seine Familie sowie Vertreter der Handwerkskammer gratulierten.

Ein Leben fürs Handwerk: Karl Jürgens erhielt am Samstag seinen Goldenen Meisterbrief. Seine Familie sowie Vertreter der Handwerkskammer gratulierten. Foto: Stefan Bamberg

Reckenfeld - 

Karl Jürgens hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Am Samstagvormittag bekam der Fliesenleger im „Ruhestand“ nicht nur den Goldenen Meisterbrief, sondern auch seine eigene Hymne.

Von Stefan Bamberg

Des Öfteren in der deutschen Musikgeschichte sind sie ja schon besungen worden: Männer, die bauen und bohren. Rödeln und reparieren. Löten und leimen. Denken Sie nur an Bodo mit dem Bagger oder an Reinhard Meys Klempner.

Und so bekommt Karl Jürgens am Samstagvormittag nicht nur den Goldenen Meisterbrief, sondern auch seine eigene Hymne. Willi Jürgens, der Bruder des Jubilars, räuspert sich. Es folgt der Soundtrack über ein Leben fürs und mit dem Handwerk – und der Song über einen, der sein Hobby vor 50 Jahren zum Beruf gemacht hat: „Verlegst Du Fliesen, dann fühlst Du Dich fit“, klampft Willi, der vor seiner Dichter-Laufbahn Raumausstatter war.

Nun der Refrain – und jetzt alle: „Ganz fachmännisch – als Meister Karl!“ Das Wohnzimmer summt mit, beschwingt und ein bisschen gerührt. Die beiden Vertreter von der Handwerkskammer schauen so, als hätten sie sowas noch nie erlebt. Und Inge Jürgens bittet erst mal zum Kaffee, sodass ihr Karl sich beeilen muss, die schmucke Jubiläumsurkunde noch fix neben die vom 6. September 1968 zu stellen. Natürlich hat er ihn noch, seinen hart erarbeiteten Original-Meisterbrief: „Von sieben Prüflingen haben nur drei bestanden.“ Jürgens – gebürtiger Emsdettener – war damals 33, bereits Familienvater und fertiger Maurer. Aber er wollte mehr, sich selbstständig machen – also packte er den Fliesenleger obendrauf. Mit BWL nach Feierabend: „Klar, die Buchführung, das gehörte natürlich auch zur Prüfung“, erinnert sich Jürgens.

Danach war er fit fürs eigene Geschäft in Reckenfeld – und für besondere Aufträge: Er beackerte das Bischöfliche Generalvikariat, verlegte in Emsdetten einige der berühmten Bibelfliesen. Und machte privat – mit Inge und sechs Kindern – Häuslebauer-Karriere, das Eigenheim in Eigenregie.

Mit 75 ging der Tausendsassa in Rente – aber nur ein bisschen: „Er muss einfach immer was machen“, frotzelt die Gattin vielsagend. Das freut Familie und Nachbarn: Rat, Tat und Humor des 83-Jährigen werden hier nach wie vor geschätzt – die Expertise eines Handwerkers der alten Schule.

Der aber auch die Nachwuchs-News verfolgt: samt der betrüblichen von massenhaft freien Lehrstellen jedes Jahr zum Ausbildungsstart. Wer heutzutage geschickte Hände hat, kann richtig was erreichen. Und dabei Berufung statt nur Beruf finden – so wie Karl Jürgens: „Es ist spannend, es ist abwechslungsreich – und abends sieht man immer, was man geschafft hat.“

Er sagt, dass er seine Berufswahl nicht eine Sekunde bereut habe. Doch mehr noch: „Am liebsten würde ich Montag wieder anfangen.“



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