Do., 13.09.2018

Fußballfan schlägt zu – und geht in den Knast Prügel wegen der Preußen

Justitia 

Justitia  Foto: dpa

Rheine/Greven - 

Zwei Jahre Haft, ohne Bewährung. Das ist viel für einen Jugendlichen. Ein Prügler, der wegen einer Preußen-Münster-Debatte zuschlag, erhielt ein hartes Urteil.

Von Monika Koch

Zwei Jahre ohne Bewährung wegen vorsätzlicher Körperverletzung, so lautete der Richterspruch am Amtsgericht Rheine gegen einen 20-Jährigen aus Greven.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, im Januar 2018 in einem Streitgespräch um „Preußen Münster“ vor einer Gaststätte in Greven mit der Faust ins Gesicht seines Opfers geschlagen und dem Flüchtenden anschließend in die Wade getreten zu haben.

„Alles gelogen“, sagte der Angeklagte und behauptete, der Geschädigte hätte ihm zuerst eine Backpfeife verpasst.

Opfer und Täter trafen sich nach einer Motto-Party zum Tag X des Gymnasiums in Greven und seien in einen Konflikt geraten. Er soll sein Opfer nach dessen Anzeige beeinflusst haben, eine andere Aussage vor Gericht zu machen mit der Begründung: „Weil ich sonst in den Knast muss“.

Der 17-jährige Abiturient folgte der Warnung aber nicht und sagte: „Der Angeklagte sprach mich an, wir haben uns über Preußen Münster unterhalten. Plötzlich hat er mich ohne Grund geschlagen. Als ich gehen wollte, trat er mir nach.“

Er erlitt Nasenbluten, Prellungen im Gesicht und am Bein und wurde ärztlich behandelt. Zudem habe er sein Handy verloren, das ihm die Freundin des Angeklagten am nächsten Tag wiedergegeben habe. Eine 18-jährige Auszubildende bestätigte diese Aussage. Sie hatte das Gespräch über Preußen Münster gehört.

Im Strafmaß ging eine Verurteilung vom Jugendschöffengericht von einem Jahr und vier Monaten ein. Wegen fünf Körperverletzungen und zweimaligen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz hatte er bereits vor Gericht gestanden. Der Grevener gehört einem Preußen-Fan-Club an, der im März 2015 durch Gewalttaten auffiel und seitdem Stadionverbot hat.

Das Gericht folgte jetzt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte Freispruch beantragt, weil er die Angaben eines Entlastungszeugen für glaubhafter hielt. Das konnten Staatsanwalt und Gericht nicht nachvollziehen.

Der Richter sagte in der Urteilsbegründung: „Ich habe den Eindruck, dass Sie auf einem guten Weg waren und diese Sache dazwischen kam. Jetzt kommt die Konsequenz, die es geben muss. Das Glas ist übergelaufen, eine weitere Bewährung kann es nicht geben.“



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