Di., 18.09.2018

Kritik am FMO Für 9,90 Euro nach Mallorca, für 5,50 Euro nach Münster

Die FMO-Geschäftsführung verweist im aktuellen Jahresbericht auf eine „Entscheidung der FMO-Organe, das Projekt Startbahnverlängerung aktuell nicht aktiv weiter zu verfolgen“. Die Grevener Grünen werten das als endgültiges Aus für das Projekt.

Die FMO-Geschäftsführung verweist im aktuellen Jahresbericht auf eine „Entscheidung der FMO-Organe, das Projekt Startbahnverlängerung aktuell nicht aktiv weiter zu verfolgen“. Die Grevener Grünen werten das als endgültiges Aus für das Projekt.

Greven - 

Jahrelang wurde gerungen, politisch argumentiert, juristisch gestritten. Ungeachtet der erbitterten Debatten hat der FMO schon viele Millionen Euro in die Hand genommen, um Land zu kaufen für die geplante Verlängerung der Start- und Landebahn. Nun, so scheint es, ist das Projekt endgültig zu den Akten gelegt worden – oder zumindest für sehr lange Zeit auf Eis.

Von Oliver Hengst

Was den grünen Fraktionsvorsitzenden Dr. Michael Kösters-Kraft in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch fast jubilieren ließ war ein Nebensatz im Jahresabschluss 2017 des FMO, über den die Kommunalpolitiker (Greven ist Anteilseigner) informiert wurden.

Das Jahresergebnis, heißt es in einem angefügten Lagebericht, sei wesentlich beeinflusst worden „durch die Entscheidung der FMO-Organe, das Projekt Startbahnverlängerung aktuell nicht aktiv weiter zu verfolgen und der damit einhergehenden bilanziellen Wertberichtigung“. Sprich: Die Grundstückswerte werden abgeschrieben, weil die Grundstücke eben nicht für das Projekt Startbahnverlängerung gebraucht werden. Jedoch betonte die FMO-Führung auch: „Es besteht weiterhin Einigkeit, das Projekt Startbahnverlängerung bei passenden juristischen und kaufmännischen Rahmenbedingungen entsprechend umzusetzen.“

Für Kösters-Kraft ist die Botschaft klar: „Wir begrüßen, dass endgültig – noch nicht ganz endgültig, aber mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit – die Start- und Landebahnverlängerung ad acta gelegt worden ist. Man hat sich natürlich noch ein kleines Hintertürchen offen gelassen. Aber man kann sagen: Praktisch ist es so, dass die Startbahnverlängerung aufgegeben wird.“ Das ändert aber nichts daran, dass die Grünen weiter große Bauchschmerzen mit dem „Geschäftsgebaren“ (Kösters-Kraft) haben.

Defizit trotz steigender Fluggastzahlen

Trotz steigender Fluggastzahlen gebe es weiterhin ein großes finanzielles Defizit (bereinigt 7,9 Millionen Euro) – und das werde wohl auch künftig so sein. Aktuell bewerbe Germania Flüge nach Mallorca für 9,90 Euro. Der Flughafen erkaufe sich mit diesen Angeboten Fluggastzahlen.

Man müsse die Frage beantworten, ob man diese Politik mittragen wolle. „Das sind natürlich Dumpingpreise. Für den Zug nach Münster bezahle ich 5,50 Euro. Das ist ein Missverhältnis“, sagte Kösters-Kraft (Ein Bus-Einzelticket vom FMO zum Hauptbahnhof in Münster kostet sogar 7,60 Euro; Anm. d. Red.).

Die Einschätzung des FMO-Chefs Prof. Dr. Schwarz, der Flughafen diene der Daseinsvorsorge, sei völlig falsch. „Die Bahn dient der Daseinsvorsorge. Der öffentliche Nahverkehr. Aber dieser Flughafen sicher nicht.“ Es gebe im Umfeld „so viele Alternativen, dass der Betrieb des Flughafens nicht unbedingt notwendig ist“, argumentierte der Grünen-Vorsitzende.

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Wir sind hier Klimakommune, gewinnen einen Preis nach dem anderen. Durch solche Dinge beschädigen wir unseren Ruf.

Michael Zweihaus

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Das fraktionslose Ratsmitglied Michael Zweihaus (ehemals SPD) gab an, dass ihm auch „ein bisschen die Kinnlade runtergefallen ist, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass Herr Prof. Schwarz jetzt mit Billigflügen anfängt. Das geht gar nicht. Wir sind hier Klimakommune, gewinnen einen Preis nach dem anderen. Durch solche Dinge beschädigen wir unseren Ruf.“ Es gebe ein Gutachten von Fraport, dass nicht alle drei Regionalflughäfen Dortmund, Paderborn und Greven überleben würden. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auf diesem Gebiet Veränderungen gibt.“

Konter vom Bürgermeister

Bürgermeister Peter Vennemeyer konterte nur kurz: „Ich habe Schwierigkeiten, ihre Kinnlade mit dem Jahresabschluss in Verbindung zu bringen. Aber vielleicht gelingt mir das noch.“

Bei vier Gegenstimmen (Grüne, Linke, Zweihaus) ermächtigte der Ausschuss den Bürgermeister letztlich, in der Gesellschafterversammlung des FMO den Jahresabschluss zu beschließen.



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