Prozess um Vergewaltigung
Vater reist als Zeuge aus der Türkei ein

Greven/Rheine -

Ein verzwickter Prozess um zwei mutmaßliche Vergewaltigungen, der jetzt im Rheinenser Schöffengericht fortgesetzt wurde. Angeklagt: ein 41-jähriger Mann aus Greven.

Montag, 17.09.2018, 10:36 Uhr aktualisiert: 17.09.2018, 12:55 Uhr
 
  Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Ehefrau während eines Türkeiurlaubs 2013 in einem Hotelzimmer und 2015 in der damals gemeinsamen Wohnung in Emsdetten vergewaltigt zu haben.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen, kaut Kaugummi und amüsiert sich über die Zeugenaussagen bei deren Anhörungen.

Er lebt seit 18 Jahren in Deutschland, lässt sich aber vor Gericht jedes Wort übersetzen und flüstert immer wieder seinem Anwalt etwas zu während der Zeugenvernehmungen – ohne Übersetzung.

Am Ende wurde auf Grund weiterer Beweisanträge des Verteidigers das Urteil erneut auf den 26. Oktober vertagt.

Der Anwalt beantragte, den Hotelmanager aus der Türkei, den Hotelarzt und gemeinsame Bekannte zu laden, mit denen sie die Abende verbracht hätten.

Die Richterin sah jedoch keine Notwendigkeit für eine Ladung der Hotelangestellten.

Dem Verteidiger ging es außerdem um die Trennwand in dem Familienzimmer. „Ich glaube nicht, dass mein Mandant seine Frau vergewaltigt, wenn die Kinder hinter einem sogenannten Wandschirm – so stand es in der Beschreibung – schlafen.“

Dann hatte der 73-jährige Vater der Ex-Ehefrau das Wort. Er reiste dafür aus der Türkei an und bestätigte als Zeuge, dass seine Tochter ihn in der Nacht des 8. Juni 2013 angerufen und gesagt habe: „Papa, rette mich“.

Daraufhin hätte er sofort seinen Schwiegersohn angerufen und ihm gesagt, dass er seine Tochter nicht traurig machen solle. Einzelheiten über die Vergewaltigung wusste er nicht - mit der Begründung: „Es ist ihre Familie“.

Die 34-jährige Schwester der Ex-Ehefrau des Angeklagten bestätigte, dass auch sie erst im Zuge der Trennung von dem Martyrium ihrer Schwester in der Ehe erfahren habe.

„Wir hatten längere Zeit keinen Kontakt, weil er eifersüchtig war“, sagte sie. Aber sie hätte heimlich mit ihrer Schwester telefoniert und sie gelegentlich auch getroffen.

„Sie hat mir schon mal erzählt, dass ihr Rücken voller blauer Flecke sei.“ Das hätte sie mit einem Sturz in der Badewanne begründet. „Ich mache mir Vorwürfe, dass ich nicht näher darauf eingegangen bin“, sagte sie und fügte hinzu: „Er hat ihr jahrelang eingetrichtert, dass sie ihre Kinder verlieren werde, wenn sie sich von ihm trennen oder ihn anzeigen würde. Damit hat er sie extrem eingeschüchtert.“

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