Renaturierung des Walgenbaches stockt
Das Gericht hat das letzte Wort

Reckenfeld -

Seit vielen Jahren soll der Walgenbach umgestaltet werden, um den Hochwasserschutz für die Anlieger zu verbessern. Passiert ist bislang: nichts. Zumindest nichts, was man sehen könnte. Die Bagger sind noch nicht angerückt, obwohl die Ausbaupläne fertig in der Schublade liegen.

Donnerstag, 18.10.2018, 06:26 Uhr aktualisiert: 18.10.2018, 06:30 Uhr
In diesem Abschnitt (nahe der neue Kita an der Beethovenstraße) wird der Walgenbach renaturiert. Doch auf voller Länge ist dies (noch) nicht möglich, weil der Stadt die nötigen Flächen nicht gehören. Vor Gericht streitet sich die Stadt mit den Eigentümern – das dauert.
In diesem Abschnitt (nahe der neue Kita an der Beethovenstraße) wird der Walgenbach renaturiert. Doch auf voller Länge ist dies (noch) nicht möglich, weil der Stadt die nötigen Flächen nicht gehören. Vor Gericht streitet sich die Stadt mit den Eigentümern – das dauert. Foto: Oliver Hengst

Dafür passiert sehr viel hinter den Kulissen. Unter anderm vor Gericht. Für den Ausbau des Baches braucht die Stadt nämlich Land, das sie (noch) nicht besitzt. Der Versuch, es den Grundstückeigentümern abzukaufen, scheiterte. Und die Enteignung landete schließlich vor Gericht.

„Das Planfeststellungsverfahren Walgenbach wurde seinerzeit von drei Parteien beklagt. Eine einvernehmliche Lösung mit den Klägern konnte trotz mehrfacher Ansätze nicht erreicht werden“, informiert die Stadtverwaltung. So zogen die Jahre ins Land.

Anlass für die Fraktion Reckenfeld direkt, sich kürzlich im Bezirksausschuss nach möglichen Alternativen zu erkundigen. Ergebnis: technisch gesehen gibt es eine (die früher schon mal durchkalkuliert worden ist), sie ist aber kaum zu bezahlen und kommt daher nicht in Frage. „Sie ist sehr, sehr teuer. Also sehr, sehr teuer“, verdeutlichte Andre Kintrup aus der Stadtverwaltung. Zudem sei die Druckrohrleitung nicht als Alternative zur Renaturierung des gesamten Walgenbachs geeignet, sondern lediglich als Regenentwässerung des Grünen Grundes. „Aus unserer Sicht macht das daher nicht unbedingt Sinn im Vergleich zu einer Renaturierung, die sowieso kommt“, sagte Kintrup. „Die Kosten waren immens, das war ein Millionenbetrag“, bestätigte Bürgermeister Peter Vennemeyer. Deshalb sei die Alternative seinerzeit auch abgelehnt worden.

Laut Ernst Reiling sei nach dem Starkregen 2014 zwei weitere Male ein ähnliches Unwetter haarscharf an Reckenfeld vorbeigezogen – jedes mal wieder mit Sorgen behaftet. „Die Leute, die im Grünen Grund wohnen, haben ganz andere Ängste als die, die woanders wohnen – und ich glaube: zu Recht.“

Ja, die Druckrohr-Alternative wäre „deutlich teuer“, sei aber gleichwohl „die zweitgünstigste“, so Reiling. Ob diese – nach rund einem Jahrzehnt Rechtsstreit – nicht doch in Frage komme? Zumal, wie Reiling befürchtet, noch kein Ende des Rechtsstreites absehbar sei. „Wir müssen uns ernsthaft Gedanken darüber machen, wie wir den Grünen Grund sicherer machen“, forderte Reiling ein.

Wie Vennemeyer deutlich machte, habe das Verwaltungsgericht im Verfahren der drei Kläger gegen die Stadt einen Abwägungsfehler festgestellt. Dieser sei „heilbar“, könne also behoben werden. Im eigentlichen Verfahren werde die Stadt wohl Recht bekommen.

Eine Einigung mit den Grundstücksbesitzern sei nach wie vor möglich, ja sogar in greifbarer Nähe. „Ganz euphorisch würde ich mal sagen: Wir sind kurz vor dem entscheidenden Termin. Wenn das Gericht jetzt mitzieht, haben wir ganz tolle Aussichten, dass das jetzt glatt läuft“, so Vennemeyer.

Eine Druckrohrleitung sei jedenfalls nicht die Lösung. „Wir könnten das mal durchrechnen – da würden Sie vom Stuhl fallen.“ Und dann stelle sich natürlich die Frage: Wer trägt die Kosten? „Ich glaube nicht, dass wir das in irgendeiner Weise über die Bühne kriegen“, blieb Vennemeyer skeptisch.

Andreas Hajek (CDU) machte ganz andere Bedenken geltend: „Der Walgenbach ist ein ortsbildprägendes Gewässer.“ Da im Zuge der Renaturierung auch ein Gehweg entlang des Baches vorgesehen sei, müsse dies schon aus gestalterischen Gründen die erste Alternative bleiben.

Mit den Ausführungen der Verwaltung war letztlich auch Reiling „zufrieden“. Die Zusage, die alte Kostenrechnung der Druckrohrleitung noch mal zur Ansicht bereitzustellen, nahm er gleichwohl dankend zur Kenntnis.

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