Verdichtetes Bauen in Greven
„Wohnklötze zerstören das Stadtbild“

Greven -

„Das kann so nicht weitergehen in Greven“, sagt Jürgen Hübschen und blickt auf das Grundstück nebenan, auf dem wohl bald eine Baugrube ausgehoben wird. Wo früher die ehemalige Neuapostolische Kirche stand, will ein Investor ein Mehrfamilienhaus errichten.

Donnerstag, 18.10.2018, 15:48 Uhr aktualisiert: 19.10.2018, 08:47 Uhr
Jürgen Hübschen am Eckgrundstück Paulusstraße / Montargisstraße. Am linken Bildrand sieht man sein Haus, das wie die anderen im direkten Umfeld eineinhalbgeschossig gebaut ist. Der geplante Neubau soll zwei- bis dreigeschossig werden.
Jürgen Hübschen am Eckgrundstück Paulusstraße / Montargisstraße. Am linken Bildrand sieht man sein Haus, das wie die anderen im direkten Umfeld eineinhalbgeschossig gebaut ist. Der geplante Neubau soll zwei- bis dreigeschossig werden. Foto: Oliver Hengst

Mit zehn Wohneinheiten, in zwei- bis dreistöckiger Bauweise, inklusive Dachterrasse und Tiefgarage und mit Flachdach. „Das passt einfach nicht ins Gesamtbild“, argumentiert der Anwohner. Rundherum stünden eineinhalbgeschossige Häuser.

Nun hat Hübschen nichts gegen Mehrfamilienhäuser. Dass es an Wohnraum mangelt, ist ihm sehr bewusst.

Aber: „Die unterschiedlichen Interessen müssen in Einklang gebracht werden.“ Das fordert er für sein Viertel ein, aber auch für andere Stellen in Greven, wo sich ähnliches vollzieht: In gewachsenen Wohngebieten weichen Häuser, an ihre Stelle treten „Brummer“, wie Hübschen sie nennt. Bauten, deren Dimensionen nach seinem Empfinden einfach nicht dorthin passen.

Kaups Esch, Grüner Weg, Scharnhorststraße – Bespiele gab es zuletzt genug. Das Instrument war jeweils eine „vorhabenbezogene Änderung des Bebauungsplans“, die laut Hübschen aushebelt, was bislang an dieser Stelle erlaubt war.

„Mir würde die Formulierung ,Investor bezogene Änderung des Bebauungsplanes‘ besser gefallen, weil sie den Kern des Problems trifft“, sagt er. Bei Investitionsobjekten gehe scheinbar alles, wolle aber jemand einen Wintergarten bauen, müsse er dafür regelrecht kämpfen.

Mit Bebauungsplänen habe die Stadt eine Norm geschaffen, von der nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden dürfe. Hübschen, der sich von einer solchen Norm-Abweichung betroffen fühlt, hat (unter anderem) eine Normenkontrollklage beim OVG Münster eingereicht.

Die Entscheidung darüber steht noch aus. „Ich bezweifle, dass der Gesetzgeber mit einem solchen Einzelfall das Vorhaben eines Investors gemeint hat, der maximale Rendite erzielen will. Aus meiner Sicht hat man bei dieser Option wohl eher an Privatleute gedacht, die ihr Haus ausbauen/umbauen wollen oder an Gemeinschaftsprojekte wie Kindergärten, Seniorenwohnungen oder ähnliches.“

Von der Stadt fühlt sich Hübschen im Stich gelassen. Und er sagt: Vielen gehe es ähnlich. Doch etliche, die sich auch ärgern, sagten nichts, winkten ab, resignierten, weil „die da oben“ ja eh machten, was sie wollen. Nicht so Hübschen. Er wehrt sich, und das auch juristisch.

Auch von der Politik ist Hübschen enttäuscht. „Sie behaupten immer, sie würden die Interessen der Bürger vertreten. Und wenn es zum Schwur kommt, nicken sie die Objekte dann doch ab.“ In seiner Nachbarschaft genauso wie in anderen.

Dass auch der Gestaltungsbeirat den Neubau absegnete ist für Hübschen nicht nachvollziehbar. „Ich finde dafür keine Erklärung.“ Der geplante Neubau sei ein „Fremdkörper“. Noch dazu löse er – da eher auf betuchte Kunden ausgerichtet – das Wohnproblem nicht, das Greven dringend angehen müsse. „Wenn wir uns fragen: Was für Wohnungen brauchen wir? Dann kann die Antwort nur lauten: bezahlbaren Wohnraum. Die Zukunft der Stadt hängt von Familien mit Kindern ab“, sagt der Ruheständler, selbst mehrfacher Vater und Opa.

Hier finden Sie einen Link zu dem seit den 80er-Jahren gültigen Bebauungsplan für das Wohngebiet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6130566?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker