Grevener sind einem Betrüger auf den Leim gegangen
Heiße Luft statt satter Gewinne

Greven -

Mehrere Grevener sind auf einen Trickbetrüger hereingefallen und haben viel Geld verloren. Der Mann gaukelte Freunden und Bekannten vor, in lukrative Sanierungsobjekte zu investieren, die er dann mit Gewinn weiterverkaufen könne.

Freitag, 19.10.2018, 09:45 Uhr aktualisiert: 19.10.2018, 09:50 Uhr
Häuser kaufen, sanieren und mit Gewinn wieder verkaufen – der Plan klingt einleuchtend. Einige Grevener erlebten indes eine bittere Enttäuschung, sie haben viel Geld verloren.
Häuser kaufen, sanieren und mit Gewinn wieder verkaufen – der Plan klingt einleuchtend. Einige Grevener erlebten indes eine bittere Enttäuschung, sie haben viel Geld verloren. Foto: Foto: djd/Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e. V.

„Aus heutiger Sicht war das natürlich Doofheit. Da müssen wir nicht drüber reden.“ Der Grevener – wir nennen ihn Rüdiger* – ist inzwischen um einiges klüger – aber eben auch um etliche tausend Euro ärmer. Er ist einem Betrüger auf den Leim gegangen. Dessen Masche war immer gleich: Er gaukelte Freunden und Bekannten vor, in lukrative Sanierungsobjekte zu investieren, die er dann mit Gewinn weiterverkaufen könne. Ein „Reservierungsvertrag“ mit festgelegtem Kaufpreis für das fertig sanierte Haus sollte das Geschäft absichern. Beispiel: Für 58 000 Euro wollte er ein Haus in Potsdam kaufen, um es für 220 000 Euro an einen schon bereit stehenden Käufer wieder zu veräußern.

Seinen Freunden (vorzugsweise aus der Reiterszene) bot der vermeintliche Investor an, finanziell einzusteigen. Was einige auch taten. Verteilt auf mehrere Objekte sammelte der Grevener bei vier Personen so rund 170 000 Euro ein. Er versprach zum Teil nicht weniger als 400 Prozehnt Gewinn. Spätestens da, das wissen Rüdiger und die anderen Betrogenen heute, hätten bei ihnen die Alarmglocken schrillen müssen. Frank* erklärt, warum das nicht passierte: „Weil man befreundet war. Er hat unsere Freundschaft ausgenutzt, um uns das Fell über die Ohren zu ziehen. Er hat es sehr raffiniert verpackt und hatte für alles glaubhafte Erklärungen.“ Svenja* kann es bis heute nicht fassen: „Wir haben zusammen Geburtstage gefeiert.“

Als die ersten (angeblichen) Gewinne ausgezahlt werden sollten, warb der Betrüger dafür, das Geld lieber direkt wieder zu investieren – dieses Mal in den Bau eines Containerdorfes für Flüchtlinge in München. Per WhattsApp schickte er seinen Mit-Investoren Bilder der Container. Tatsächlich investiert hat der Unternehmer das Geld aber offenbar nie. „Dazu kam es nicht. Das war alles nur heiße Luft“, sagt Rüdiger.

„Er ist einschlägig vorbestraft. Das wussten wir da aber noch nicht“, sagt Svenja. Die ganze Sache flog erst auf, als man durch Zufall davon erfuhr, dass er anderen Investierenden die identischen Reservierungsverträge als vermeintliche Sicherheit vorlegte. Da war klar: Hier stimmte etwas nicht. Der angebliche Freund, der nette Kumpel, der charmante Gastgeber – er stieß mit ihnen an und tischte offenbar zugleich haarsträubende Lügen auf. Die Betrogenen stellten Nachforschungen an, und stellten bald fest: „Es war alles noch viel schlimmer als wir gedacht haben.“

Natürlich erstatteten sie (mehrfach und wegen mehrere Delikte) Anzeige, stellten den Ermittlern Infos, Quittungen, Namen zur Verfügung. Doch viel ermittelt wurde darüber hinaus nicht, beklagen sie. „Die machen nichts“, sagt Rüdiger. Die Mühlen mahlen langsam. Für die Betrogenen viel zu langsam. Im Dezember 2017 flog die Sache auf, erste Anzeigen erfolgten im Frühjahr diesen Jahres. Anklage ist bis heute nicht erhoben worden. Immerhin: In diesen Tagen erfuhr ein Betrogener, dass die Sache nun an die Staatsanwaltschaft übergeben wurde. „Langsam, sehr langsam kommt Bewegung in die Sache“, sagt Frank. Konkrete Auskünfte erhalte man von den Ermittlern aber nicht, aus „ermittlungstaktischen Gründen“.

Ihrem ehemaligen Freund (Frank: „Der geht eiskalt vor“) wollen sie keine Ruhe lassen, ehe er nicht den letzten Cent zurückgezahlt hat. Nur wegen des massiven Drucks, den sie ausüben, haben einige Betroffene inzwischen 45 000 Euro zurückerhalten. Der Rest: verschwunden. Vermutlich, so mutmaßt das Trio beim Gespräch in den Redaktionsräumen, hat der Betrüger das Geld verwendet, um anderswo Löcher zu stopfen. Von ihm gebe es viele Ausreden, Hinhaltemanöver und Beteuerungen, alles in Ordnung zu bringen – aber eben kein Geld. „Einer von uns ist finanziell am Ende“, sagt Rüdiger. „Wir gehen davon aus, dass es noch weitere Betroffene gibt.“ Diese sind aufgerufen, sich in der Redaktion (redaktion.gre@zeitungsgruppe.ms) zu melden, die dann einen Kontakt zu Rüdiger herstellen kann.

* Von der Redaktion geändert. Die echten Namen sind der Redaktion bekannt.

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