Ein Besuch auf dem Hof an der Maestruper Straße
Island-Virus auf dem Löwenhof

Greven -

Auf dem „Löwenhof“ ist das Island-Virus ausgebrochen – und das schon vor vielen Jahren. Familie Löw hält Island-Pferde, robuste Tier mit freundlichem Gemüt.

Samstag, 20.10.2018, 13:57 Uhr aktualisiert: 23.10.2018, 16:38 Uhr
Jeden Tag mit einem Lächeln auf den Pferden: Mieke Löw auf Skuggi (links) und Elke Löw auf Tandri im Tölt.
Jeden Tag mit einem Lächeln auf den Pferden: Mieke Löw auf Skuggi (links) und Elke Löw auf Tandri im Tölt. Foto: Paula-Lina Taube

Die dicke Mähne weht im Wind, die kräftigen kurzen Beine heben sich energisch und kraftvoll, fast schon im 90-Grad-Winkel zur Brust, der Boden scheint zu beben.

Die Isländer vom Löwenhof an der Maestruper Straße geben eine gute Antwort auf die Frage, was die deutschen Pferdenarren an der Rasse so begeistert. Deutschland ist nach der Heimatinsel der robusten Tiere das wichtigste Zuchtland.

Das freundliche Gemüt, gepaart mit einer unermüdlichen Lauffreudigkeit unter dem Sattel, das begeistert auch Elke Löw jeden Tag aufs Neue.

Neben Schweinen, Ziegen, Enten, Gänsen, Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen und Hunden stehen 14 „Isis“ auf ihrem Hof, sieben gehören zu ihrer Familie – und die ist fast so groß und bunt wie ihre vierbeinige. Mieke (21), Anna (16), Nele (15), Joscha (11) und Franziska (9) wohnen auf dem Hof, nur Tochter Thea (20) studiert in Bremerhaven.

Angefangen hat alles mit Jarpur. Den dreijährigen Island-Wallach hat Elke Löw sich von ihrem ersten Azubigehalt gekauft. „Dieses Pferd hat mein Leben verändert“, sagt sie mit funkelnden Augen.

Der Braune, wie man Jarpur wörtlich übersetzen kann, hat all ihren Kindern das Reiten beigebracht. 2013 musste sie ihn gehen lassen.

Aber wie das bei Pferdenarren so ist: Es geht nicht lange ohne, und so präsentiert die 48-Jährige stolz Tandri. Der isländische Name steht für Feuer, und das passt zu dem hellen Fuchs.

Zusammen mit Tochter Mieke, die gemeinsam mit ihrer Mutter Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene gibt, führen sie auf der Ovalbahn die Besonderheit dieser Rasse vor.

Isländer sind Gangpferde. Das heißt: Sie können neben den üblichen Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auch Tölt und Pass gehen. Beim Tölt hat das Pferd abwechselnd nur ein oder zwei Hufe auf dem Boden und federt die Schritte so ab, dass keine Erschütterung im Sattel zu spüren ist. „Da kann man währenddessen auch ganz entspannt ein Bierglas in der Hand halten, gibt es übrigens auch als Prüfung auf Turnieren“, lacht Löw, während sie ganz lässig, mit nur einer Hand am Zügel, Tandri tölten lässt.

Gemütlich ein Bier in der Hand halten, da ist bei Mieke Löw nicht dran zu denken. Die Studentin zeigt auf dem Rappen Skuggi, isländisch für Schatten, die schwerste Gangart: Rennpass. Nur gut ausgebildete Pferde und Reiter können einen sauberen Pass reiten. Dabei setzen immer jeweils die gleichseitigen Beinpaare parallel auf, wodurch die Tiere unfassbar schnell werden können. Die Schnellsten schaffen über 50 Stundenkilometer.

Als Elke Löw absteigt strahlt sie: „Wenn man so grinsen muss und nicht mehr aufhören kann, dann ist man Tölt geritten, dann hat man den Island-Virus.“

So weit sind die selbstgezogenen Isländer vom Löwenhof zwar nicht, aber Erfolg haben die Löws auf Turnieren trotzdem.

Und wo sie gerade über erfolgreiche Kinder spricht: „Anna ist in München bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Voltigierer und hat dort mit ihrer Mannschaft den sechsten Platz belegt.“ Allerdings nicht auf einem Isländer.

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