25 Jahre Haus Tobias
„Ein großes Stück Leben“

Greven -

Das Haus Tobias wird 25 Jahre alt – und die Bewohner haben eine klare Vorstellung von ihrer Party: „Alle sollen mitfeiern können!“ Und das taten sie dann auch. Zur Jubiläumsfeier mit erfreulich kurzen Reden kam jede Menge besuch aus der Stadt, um das Jubiläum mitzufeiern. Und zum Abschluss des bunten Festes trat der Caritas-Gebärdenchor auf.

Montag, 22.10.2018, 06:32 Uhr aktualisiert: 23.10.2018, 16:39 Uhr
25 Jahre wird man nicht alle Tage: Viele Besucher und Bewohner des Hauses Tobias ließen sich die Jubiläums-Feierlichkeiten in der Kulturschmiede nicht entgehen.
25 Jahre wird man nicht alle Tage: Viele Besucher und Bewohner des Hauses Tobias ließen sich die Jubiläums-Feierlichkeiten in der Kulturschmiede nicht entgehen. Foto: Stefan Bamberg

Ein Jubiläum mit kurzen Reden? Nun ja, vorgenommen haben sich das fürwahr schon viele. Meistens kommt dann ja aber doch mindestens ein Redner von Hölzchen auf Stöckchen. Oder es taucht unvermittelt einer auf, der anno tuck mal für ein ganz besonderes Anekdötchen gesorgt hat. Oder es wird eines dieser gefürchteten Spontan-Geburtstagsständchen aufgeführt. Oder, oder, oder. Auch am Freitag in der Kulturschmiede wollen sie es kurz und knackig machen. Der Unterschied jedoch: Hier halten sie sich auch dran.

Das Haus Tobias wird 25 Jahre alt – und die Bewohner haben eine klare Vorstellung von ihrer Party: „Alle sollen mitfeiern können!“ Aufgrund ihrer Behinderung schaffen manche mehrere Stunden Reizüberflutung einfach nicht – allerdings braucht Nicole Bühner vom Bewohnerbeirat eigentlich auch nur ein paar Sekunden, um das Allerwichtigste mitzuteilen: „Es gefällt mir richtig gut hier!“

Das Haus Tobias in Greven feiert 25. Geburtstag

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Okay, ein bisschen mehr gibt‘s vielleicht doch noch zu erzählen – aber auch dafür haben alle zusammen vorgesorgt. Und Foto-Stellwände bestückt, die mehr als tausend Worte sagen: Menschen, die im Deutschland-Trikot Fußball gucken. Die auf der Reckenfelder Freilichtbühne ein Theaterstück anschauen. Die sich an der See den Wind um die Ohren sausen lassen. Die zu Hause gemeinsam lachen. Und weinen, weil im Laufe dieses Vierteljahrhunderts einige von ihnen gestorben sind.

Das Haus Tobias, von 1993 bis 2018 – es war und ist: „Ein großes Stück Leben!“, meint Michelle Volkmer, die seit neun Jahren dort arbeitet und in diesem Sommer die Hausleitung übernommen hat. Der Haus-Dino ist sie damit natürlich längst nicht – 14 Bewohner der ersten Stunde stoßen heute noch mit aufs Jubiläum an. Damals, beim Erstbezug im Januar 1993, waren die meisten von ihnen junge Erwachsene – die raus wollten aus dem Hotel Mama, trotz körperlichen oder geistigen Handicaps: „Das war damals nicht selbstverständlich“, weiß Volkmer. Ihre eigenen Chefs wollen und sollen sie sein – soweit es eben geht: Einige der Bewohner leben in Außenwohngruppen unweit der Einrichtung an der Blücherstraße, arbeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, gehen sonntags zur Kirche, morgens zum Bäcker und nachmittags zur Eisdiele – mittendrin statt nur dabei in Greven! Sogar beim Cityfest oder bei Beach-Events. „Ein selbstbestimmtes Leben führen – oft geht da viel mehr, als man sich zunächst vorstellen kann“, meint Michelle Volkmer.

Zum Abschluss des bunten Festes tritt der Caritas-Gebärdenchor auf: „Wir sind geboren, um zu leben“. Irgendwie sowas wie ein Soundtrack.

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