Der Käfer wütet wie ein Orkan
Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer machen den Bäumen zu schaffen

Greven -

Für Waldbauern ist dieses Jahr ein ganz schweres. Nach dem Orkan Friederike, der den Jahreseinschlag an Bäumen umlegte, haben die Nadelbäume jetzt mit einer Invasion der Borkenkäfer zu kämpfen. Hinzu kommt die enorme Trockenheit, deren Auswirkung noch nicht abzusehen ist.

Mittwoch, 24.10.2018, 11:10 Uhr
Die mit einem roten Strich markierten Bäume sind von dem Borkenkäfer befallen. Theodor Lintel-Höping, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Greven, zeigt, wo die verfressenen Biester sitzen.
Die mit einem roten Strich markierten Bäume sind von dem Borkenkäfer befallen. Theodor Lintel-Höping, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Greven, zeigt, wo die verfressenen Biester sitzen. Foto: Peter Beckmann

Der Mann hat verdammt gute Augen. Im Vorbeigehen sieht er Sachen, die einem Laien wohl für immer verborgen bleiben. „Hier, die kleinen Löcher“, weist er bei der Fichte auf die Borke – und der Laie sieht nichts. Dann schnappt er sich das Messer, zieht etwas von der Borke ab – und das ganze Elend wird sichtbar.

Theodor Lintel-Höping, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Greven, kennt den Feind der Bäume. Für den Borkenkäfer  hat er ein wachsames Auge. Nützt aber nicht viel. Denn der Schädling macht auch in Greven den Bäumen heftig zu schaffen.

Kleiner Käfer - Große Wirkung

Dieses kleine, kaum sichtbare Biest, hat in diesem Sommer das geschafft, was der gewaltige Orkan Friderike im Frühjahr angerichtet hat . „Der Schaden im Wald, den der Borkenkäfer anrichtet, ist genau so groß wie der Schaden, den Friederike verursacht hat“, verdeutlicht der Förster.

Wie kann das sein, dass so ein kleiner Käfer so eine große Wirkung hat? Lintl-Höping hat dazu eine beeindruckende Zahl parat. „Das Weibchen eines Borkenkäfers bringt es pro Saison auf 200 000 Nachkommen.“ Unglaublich. Die Borkenkäfer, genauer gesagt die Arten Kupferstecher und Buchdrucker, legen ihre Eier unter den Rinden der Bäume ab, die daraus entstehenden Larven fressen unter der Borke genau wie der Käfer selbst, dann verpuppen sie und das Spiel geht wieder von vorne los.

„In diesem extrem langen und warmen Sommer haben die Käfer drei Durchläufe geschafft.“ Letztendlich unterbrechen die Käfer dadurch die Saftzufuhr der Bäume, diese sterben ab.

Betroffene Bäume fällen

Und um irgendwie diesem Schädling Herr zu werden, werden die befallenen Bäume so schnell wie möglich gefällt. „Wir hoffen, dass dadurch der Schädling deutlich eingedämmt wird.“ Ein frommer Wunsch, denn viele der Käfer können auch im Boden überwintern. Um es zu verdeutlichen. „Wir reden hier vom größten Befall von Borkenkäfern seit 1947.“

Letztendlich sind die Waldbauern in diesem Jahr gleich drei Mal die Verlierer. Im Frühjahr zunächst Friederike. „Da wurde im Prinzip die normale Jahresernte umgelegt.“ Jetzt der Borkenkäfer. „Die Sägewerke kommen nicht mehr hinterher, es fehlt an Waldarbeitern, an Vollerntern und an Lkw, um die gefällten Bäume zu transportieren“, erklärt Lintl-Höping. Das Resultat ist klar: Ein Überangebot bedeutet natürlich auch deutlich fallende Preise.

Auswirkungen des Wassermangels

Wobei: Besitzer von Kaminen sollten sich nicht zu früh freuen. „Probleme gibt es hauptsächlich beim Nadelholz, Eichen und Buchen sind weiterhin gefragt. Da sind die Preise stabil.“ Was auch damit zusammen hängt, dass eben das Nadelholz alles in Beschlag nimmt, die Waldbauern für die Ernte der Laubhölzer keine Kapazitäten haben.

Ja, dann ist da noch das dritte Problem. „Der Sommer war lang und extrem trocken . Es ist eine Wundertüte, wie sich das auch auf die tiefwurzelnden Laubbäume auswirken kann.“ Letztendlich müsse es eigentlich wochenlang regnen, damit der Grundwasserspiegel wieder auf Normalmaß ansteige. Passiere das nicht, sei nicht abzusehen, welche Auswirkung das habe. „Bäume, die durch Wassermangel  geschwächt sind, sind auch anfälliger für Schädlinge wie zum Beispiel den Eichenwickler“, erklärt der Förster.

Hoffen auf Niederschlag

Auch die Neuanpflanzungen seien natürlich auf Wasser angewiesen. „Von den neu angepflanzten Bäumen haben in diesem Jahr 50 Prozent wegen der Trockenheit den Sommer nicht überstanden.“

Und auch die 15 000 Bäume, die bis zum Frühjahr noch angepflanzt werden, seien natürlich auf ausreichend Wasser angewiesen. Der Förster: „Wir hoffen auf einen Winter mit viel Niederschlägen und einem normalen Sommer, der nicht so lang und heiß wird wie in diesem Jahr.“

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