Auch in der städtischen Bibliothek sinken die Ausleihzahlen
Die Bücherwürmer sterben aus

Greven -

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat es ermittelt: In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte die Zahl der Buchkäufer um 6,5 Millionen. „Auch bei uns sind die Ausleihzahlen in den vergangenen Jahren stark rückläufig“, sagt Sigrid Högemann, Leiterin der Grevener Stadtbibliothek, „zwischen vier, fünf, sechs Prozent pro Jahr.“

Donnerstag, 25.10.2018, 15:32 Uhr
Sigrid Högemann mit einem alten Harry Potter-Buch. Gerade ist die Zauberer-Geschichte wieder angesagt.
Sigrid Högemann mit einem alten Harry Potter-Buch. Gerade ist die Zauberer-Geschichte wieder angesagt. Foto: Günter Benning

Dabei schrumpfe die Zahl der Besucher in der Stadtbücherei gar nicht so sehr. Denn fast alle Schüler in der Stadt haben Ausweise und kommen oft klassenweise in die Bücherei.

Gleichwohl stellt die Bücherei-Leiterin eine deutliche Entwicklung weg vom Buch fest: „Das ist eine Schichtenfrage, bestimmte Gruppen haben das Gefühl, das Lesen ist nicht mehr so wichtig.“

Besonders hart trifft der Verleih-Rückgang den Bereich der Sachmedien, ob Buch oder DVDs. Früher etwa seien Fitness-Ratgeber stark nachgefragt worden. Heute gebe für viele Sachgebiete informative Videos online. Das betrifft Sport ebenso wie Gartenratgeber oder Reparaturhelfer. Was früher zwischen zwei Buchdeckel gedruckt wurde, finden die digitalen Nutzer der Gegenwart bei Wikipedia, Youtube oder anderen Infoangeboten im Netz. „Es gibt immer noch Kunden, die es schätzen, wenn sich ein Autor verlässlich mit einem Thema beschäftigt“, sagt Högemann, „aber es gibt auch im Netz gute Angebote.“

Wird das Buch verschwinden? „Nein, das ist was Haptisches, Sinnliches, das weckt Erinnerungen. Wenn ich einen Krimi lese oder einen Liebesroman, ist es doch etwas anderes, ob ich mit einem Buch dasitze oder mit einem E-Book.“ Elektronische Bücher übrigens kann man sich in der Stadtbibliothek auch ausleihen. Sie erfordern aber – genau wie normale Bücher – eine Eigenschaft, die in der digitalen Generation rar wird: Konzentration.

Problematisch für Högemann ist, dass das Buch in manchen Schichten nicht mehr zur Einrichtung gehört: „In Einrichtungskatalogen gehörte früher zum gemütlichen Sessel immer ein Bücherregal an der Wand.“ Das sei verschwunden.

Was sich heute entwickele, sei eine Gesellschaft der unterschiedlichen Bildungs- und Leseschichten. Die einen schenken ihren Kindern Bücher, lesen vor, kultivieren Bildung durchs Buch. „Die anderen Schichten, die bildungsfern sind, das sind die ersten, die wir als Kunden verlieren. Das merken wir sehr deutlich“, sagt Högemann, „wer nicht mit Büchern aufwächst, den kann man kaum überzeugen.“

Und: Auch bei Migranten gebe es viele Leser, „wenn ein Bildungshintergrund vorhanden ist“.

Die Buchkette Thalia wirbt mit Plakaten, auf denen steht „Trump mag keine Bücher“. Was tut die Stadtbücherei für mehr Leser? „Wir werben weiter stark für das Vorlesen“, sagt Sigrid Högemann, „Schulklassen kommen in die Bibliothek, so dass wir alle Schüler erreichen. Man muss den Kindern zeigen, welche Möglichkeiten es gibt.“

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