Ein Grevener in der großen Musikwelt: Michael Voss im Beatkeller
Von alten Songs und goldenen Hits

Greven -

Küsschen für die Liebste. Und eine Goldene Platte für einen schrägen Song. Michael Voss spielte im Beat-Club.

Montag, 29.10.2018, 06:06 Uhr aktualisiert: 29.10.2018, 06:10 Uhr
Eine Goldene Schallplatte für „Geh mal Bier holen, Du wirst schon wieder hässlich!“ – gefeiert ausgerechnet mit einem Schmatzer für die Liebste.
Eine Goldene Schallplatte für „Geh mal Bier holen, Du wirst schon wieder hässlich!“ – gefeiert ausgerechnet mit einem Schmatzer für die Liebste. Foto: Stefan Bamberg

Würde Michael Voss alle Stories zum Besten geben, er hätte seine Gitarre gleich im Schrank lassen können. „Tja – wo soll ich anfangen?“, fragt er am Freitagabend im Beatkeller.

Ja, wo nur in der großen weiten Musikwelt, die der Mann von Greven – genauer: von der Gymi-Glaspausenhalle – aus erobert hat. Mit dem Backstage-Talk bei der Hitparade? Beim Fotoshooting für die Bravo? Oder beim Porträt, das Panik-Papst Udo Lindenberg von ihm gepinselt hat?

Er entscheidet sich für „Mad Max“, sein Dauerbrenner-Projekt, das bald wieder auf Europa-Tour geht und ein bisschen klingt wie die Scorpions – Voss‘ Kumpels. Die ihm einen ihrer geilsten Hits ausgeliehen haben: „Here I am – rock you like a hurricane!“ Windstärke zwölf im Gewölbe!

Was aber macht ein so begnadeter Musiker, ein Könner komplizierter Gitarrensoli für die Abwechslung und – so ehrlich muss man wohl sein – fürs etwas schnellere Geld?

Kommen Sie nie drauf: Schlager. „Geh‘ doch zu Hause“ oder auch „Geh‘ mal Bier hol’n, Du wirst schon wieder hässlich“ – Voss hat’s für Mickie Krause produziert. Sage und schreibe 150 000 Mal hat sich Letzteres verkauft – als Überraschung gibt’s dafür live bei Öppe die Goldene Schallplatte.

Das spricht vermutlich nicht für den emanzipatorischen Fortschritt in der Gesellschaft: Doch auch Krause ist ja im richtigen Leben treusorgender Familienvater und vermietet in Wettringen Doppelhaushälften.

Es ist also wahrscheinlich ein Jekyll-und-Hyde-Phänomen: Voss feiert die Auszeichnung für diesen Herrenwitz im Viervierteltakt ausgerechnet mit einem dicken Schmatzer für seine Frau. Und bringt die Malle-Knaller in einer fast melancholischen Akustik-Version.

Proll goes unplugged – oder: Der König von Moll-orca. Apropos: Für Jürgen Drews hat Voss zusammen mit Gunter Gabriel auch mal eine Nummer geschrieben: „Lisa, Lisa – Du warst mein Supergirl, ich Dein Schlagerstar!“ Texte, mit denen man vielleicht keinen Literaturpreis gewinnt, dafür Publikumsherzen.

Obwohl – wenn es mal bei den Herzen bleibt: Rod Stewarts „Do you think I’m sexy?“ – im funkigen Voss-Remix. Längst steht der Grevener mit Axel Urban und Albrecht Doerries auf der Bühne, seinen ewigen Weggefährten: drei Jungs, die nur spielen wollen – immer noch, nach all den Jahren.

Das Trio wechselt endgültig zu den Mitmach-Melodien: „Der Flötenschlumpf fängt an!“, grinst Voss vielsagend. Und dann packt er sie aus, die ganz großen Dinger der Rock-Pop-Geschichte, die noch jeden Zappelschuppen zum Zappeln gebracht haben.

Ben E. Kings „Stand by me“ – oder auch: drei Akkorde für ein Halleluja. Elton Johns „Crocodile rock“ – oder auch: „La-la-la-la-la-la…“, natürlich inklusive famoser Kopfstimme.

Generell kommen „Woohoo“, „Dap-dap-da-da-dap“ und so Sachen eigentlich immer am besten an – das weiß man wohl spätestens nach einer Kooperation mit Mickie Krause.

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