Altenpflege-Azubis aus Nigeria im CMS-Haus
„Mein Gott, was bist du braun“

Dienstag, 30.10.2018, 10:18 Uhr aktualisiert: 30.10.2018, 10:20 Uhr
Jennifer Ehi Ameh und Gift Adobi Dominic (v.l.) sind im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin im CMS-Haus.
Jennifer Ehi Ameh und Gift Adobi Dominic (v.l.) sind im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin im CMS-Haus. Foto: Günter Benning

Denn die 19-jährige Auszubildende stammt aus Nigeria und gehört zum Volk der Ibo. Während ihre 20-jährige Kollegin Jennifer Ameh genauso braun ist, aber Idoma spricht. Zwei Sprachen, zwei verschiedene Völker – untereinander sprechen die beiden Englisch, weil das in Nigeria jeder versteht. Und neuerdings natürlich Deutsch, denn beide mussten ihr B1-Zertifikat vorlegen, ehe sie mit ihrer Ausbildung beginnen konnten.

Die afrikanischen Auszubildenden in Greven verdanken ihren Job den Missionsschwestern von Gottes Ebenbild in Münster. 2015 haben die Schwestern erstmals eine Gruppe von 17 Nigerianern nach Deutschland geschickt, damit sie hier eine Ausbildung in Pflegeberufen machen können.

„Eine von ihnen ist Yoy“, sagt John Cyrannek, der Leiter des CMS-Pflegewohnstiftes, „sie macht jetzt ihre Abschlussprüfung.“ Yoy spreche mittlerweile fast perfekt Deutsch und werde wohl weiter studieren wollen.

Jennifer Ameh und Adobi Dominic sind jetzt fast acht Monate in Deutschland. Sie besuchen regelmäßig weiter den Sprachkurs und die Berufsschule beim Bildungsinstitut Münster. Insgesamt 40 Nigerianer sind dort mittlerweile zusammengefasst.

Und danach? „Ich würde gerne hier weiter arbeiten“, meint Jennifer Ameh. Während ihre Kollegin sich vorstellen kann, zurück nach Nigeria zu gehen, um dort ein Altenheim zu gründen: „Bei uns leben Senioren in ihren Familien“, sagt sie, „aber oft ist die Versorgung schlecht.“ Die jungen Menschen müssten arbeiten, für die Pflege der Alten sei wenig Zeit. Schon vor ihrer Ausbildung haben die beiden Frauen in der Altenpflege gearbeitet: „Wir habe die Menschen Zuhause besucht.“

Ungewohnt für sie war das deutsche Wetter: „Das war ein Schock. Als wir ankamen“, erinnert sich Jennifer Ameh, „war es kalt. Der Sommer war fast wie in Nigeria.“ Und jetzt wird es wieder kalt – darauf muss man sich einstellen.

Mit Fremdenfeindlichkeit haben die freundlichen Altenpflegerinnen kaum zu tun. Einmal, sagt Adobi Dominic, habe ihr eine Frau im Bus gesagt, wenn sie sich neben sie setze, stehe sie auf. „Aber ich habe das Ticket genauso bezahlt wie sie“, grinst sie, „also hat sie gestanden.“ Sie kann damit umgehen: „Auch in Nigeria gibt es Rassisten.“

Mit den Bewohnern des Pflegestiftes gehen die beiden freundlich um, sie werden im Aufenthaltsraum herzlich begrüßt. Und nur, weil man einen Migrationshintergrund hat, gibt es hier keine Probleme. Den haben viele andere auch.

Die Sprache ist immer entscheidend, sagt John Cyrannek: „Wir hatten schon mal zwei Frauen aus Eritrea.“ Aber weil sie kaum Deutsch sprachen, musste man sich wieder trennen. Bei Jennifer Ameh und Adobi Dominic ist das anders. Die beiden haben gute Schulabschlüsse in Nigeria abgelegt und beim Goethe-Institut B1-Deutschkurse absolviert.

Was sie am meisten vermissen? „Das Essen“, sagt Jennifer Ameh, „Yam, Reis, Hühnchen.“ Immerhin gibt es in Greven neuerdings einen afrikanischen Laden, wo sie spezielle Lebensmittel aus ihrer Heimat kaufen können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6154651?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker