Kämmerer Matthias Bücker gedämpft optimistisch zum Haushaltsentwurf
Risiken und Nebenwirkungen des Wachstums

Greven -

100 000 000. Wer Probleme mit Zahlen hat, dem sei das übersetzt: Hundert Millionen, oder wie Bürgermeister Peter Vennemeyer in seiner Etat-Rede am Mittwoch im Rat vereinfachte: „Eine Menge Holz.“

Donnerstag, 01.11.2018, 06:12 Uhr aktualisiert: 04.11.2018, 15:12 Uhr
Ausbildungsstunde Ratssitzung: Während der Haushalt vorgestellt wurde, sahen die Rathaus-Azubis in der hinteren Reihe zu.
Ausbildungsstunde Ratssitzung: Während der Haushalt vorgestellt wurde, sahen die Rathaus-Azubis in der hinteren Reihe zu. Foto: bn

Dieses Holz in harten Euros will die Stadt Greven mittelfristig in, zum Beispiel, Schulen, Straßen, Sportplätze, Rathaus und Energiegewinnung investieren.

Gegenüber den Planungen der vergangenen Jahre sind das rund 15 Millionen Euro mehr. Womit das Problem des städtischen Haushaltsentwurfs deutlich wurde, den sich die Ratsmitglieder auf ihre Tablets luden: Greven wächst, die Bombenkonjunktur hat dem Kämmerer Matthias Bücker zum Berufseinstieg einen ausgeglichenen Haushalt im vergangenen Jahr beschert. Aber die Aussicht auf 2019 ist eingetrübt.

Denn es gebe Faktoren, sagt Bücker, die ihm einen Strich durch die Rechnung machen. So dürften sich zum Beispiel bei den Einnahmen der Stadt die Gewerbesteuern rückläufig entwickeln. 2018 waren 23 Millionen eingeplant. Bis jetzt sind aber nur 18,7 Millionen geflossen. Für das kommende Jahr rechnet Bücker mit nur noch 19 Millionen. Wie kommt das? „Das kann man schlecht vorhersagen“, sagt der Kämmerer. Unternehmen kalkulieren mit ihren Steuern, mal zahlen sie zu viel, hoffen auf Rückzahlungen (mit Zinsen), mal fallen in einem Jahr Nachzahlungen an.

Insgesamt, muss man aber sagen, wird Greven zum zweiten Mal nach vielen Jahren einen Jahresüberschuss ausweisen. Im Haushalt stehen 102,6 Millionen Euro Einnahmen 102 Millionen Ausgaben entgegen. Ein Plus von 600 000. „Originär ausgeglichen“, heißt das im Verwaltungsdeutsch. Strukturell, also wenn man unter die Decke guckt und Sondereffekte wegrechnet, gibt es ein Minus von 4,5 Millionen.

Daneben stehen Neuinvestitionen von 32,3 Millionen, zu einem großen Teil (40 Prozent) für Schulen, zu einem anderen großen Teil für Rathaussanierung und Grundstücksmanagement (26 Prozent). Diesen Investitionen stehen Einnahmen in Höhe von 17,6 Millionen entgegen. Bleibt ein Kreditbedarf von 14,7 Millionen.

Insgesamt werden sich die Schulden Grevens Ende 2019 auf 112,7 Millionen Euro belaufen.

Investitionen haben in der Regel den Vorteil, dass sie Werte schaffen. Mehr Sorgen machen dem Kämmerer andere Steigerungen. Zum Beispiel die 0,9 Millionen Mehraufwand für Pensionen und Beihilfen, die 200 000 Euro zusätzliche Personalkosten oder die 400 000 Euro Miete für die Verwaltung während des Rathausumbaus.

„Wir hatten alles positiver prognostiziert“, sagt Bücker, der im zweiten Jahr Kämmerer ist, „aber es ist keine katastrophale Situation.“

Sein Chef, Bürgermeister Vennemeyer, holte in seiner Etat-Rede ins Politische aus und beklagte unkalkulierbare Landes- und Bundespolitik, vor allem die Benachteiligung kleiner Städte gegenüber Metropolen etwa bei den Schlüsselzuweisungen. Nach den aktuellen Beratungen zum Gemeindefinanzierungsgesetz würden auf Einwohner kleiner Gemeinden 386 Euro, auf Bewohner kreisfreier Städte 691 Euro abfallen. Das nenne sich „Einwohnerveredelung“.

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