Friedhof an der Saerbecker Straße
Mehr freie Flächen und Wildwuchs

Greven -

Heute ist Allerheiligen. Aber das Gedenken an die Verstorbenen tritt immer mehr in den Hintergrund. Ein Besuch auf dem Friedhof.

Donnerstag, 01.11.2018, 11:11 Uhr aktualisiert: 01.11.2018, 11:20 Uhr
Immer mehr Gräber werden aufgegeben und von den Friedhofsgärtnern eingeebnet. Aber auch immer mehr Gräber sind völlig verwahrlost (kleines Foto).
Immer mehr Gräber werden aufgegeben und von den Friedhofsgärtnern eingeebnet. Aber auch immer mehr Gräber sind völlig verwahrlost (kleines Foto). Foto: Peter Beckmann

Eigentlich ist es der Tag, an dem die Katholiken – wie es der Name schon sagt – den Heiligen gedenken. Aber schon seit vielen Jahren werden an Allerheiligen auch die Gräber der Verstorbenen geschmückt und derer gedacht, obwohl dafür eigentlich der Tag Allerseelen einen Tag später vorgesehen ist. Und überhaupt: Dieses Gedenken an die Verstorbenen findet eigentlich immer weniger statt. Immer mehr Gräber verwildern, weil sich niemand darum kümmert.

„Ja“, bestätigt Henrik Schlott. „Dieses Gedenken lässt leider immer mehr nach.“ In diesem Jahr seien zum Beispiel schon 100 Reihengräber aufgegeben worden. Die Tradition, dass diese Gräber über Generationen genutzt werden, gebe es fast nicht mehr. „Auf der anderen Seite wurden nur noch zehn Doppelgräber neu angelegt.“

Das Resultat: Auf dem Friedhof gebe es immer mehr Freiflächen, die nicht mehr als Gräber genutzt werden. „Diese Gräber ebnen wir ein und sähen dort Rasen aus, damit es vernünftig aussieht“, erklärt Schlott.“ Da reden wir inzwischen von über 400 freie Doppelgräber.“ Dadurch entstünden immer mehr nicht zusammen hängende Freiflächen. Und um diese Bereiche müssen sich natürlich die Friedhofsgärtner auch noch kümmern, neben den normalen Arbeiten.

Eine Ursache für dieses Phänomen ist der ungebrochene Trend hin zur Urnenbestattung. „Im vergangenen Jahr hatten wir 255 Beisetzungen auf dem Friedhof hier an der Saerbecker Straße. 157 davon waren Urnen- und nur noch 98 Sargbeisetzungen.“ Das einzig Positive: Trotz der Sperrung des neuen Teils des Friedhofes für Sargbeisetzungen (unsere Zeitung berichtete) gibt es auf dem Friedhof keine Platzprobleme.

Aber: Es tun sich auch finanzielle Probleme auf. „Ein Friedhof muss gebührendeckend arbeiten, wir dürfen hier keine Gewinne machen“, verdeutlicht Schlott. Aber: Man könne nicht sämtliche Pflegekosten, wie eben die für freigewordene Grabflächen, auf die Gebühren umlegen. „Wenn diese Tendenz so weiter geht, müssen diese Gelder aus anderen Töpfen kommen.“

Grundsätzlich komme immer mehr Arbeit auf die Friedhofsgärtner zu. „Dieser Sommer war eine Katastrophe für uns“, erzählt Schlott. „Wir haben uns nur noch um das Bewässern gekümmert.“ Urlaubszeit und Krankheit habe sein Übriges getan. „Von sechs Leuten waren im September nur drei da, wir hängen etwa vier Wochen mit den Arbeiten hinterher.“

Das hänge auch damit zusammen, dass man inzwischen bei der Pflege der Wege komplett auf Herbizide verzichte. „Wir setzen da einen Infrarot-Brenner ein, das hilft für vier Wochen, ein Durchgang auf dem Friedhof in Greven dauert etwa eine Woche“, erklärt Schlott. Aber: Er sei absolut nicht böse, dass kein RoundUp und ähnliches mehr eingesetzt werde. „Keiner weiß so richtig, was das Zeug macht.“

Aber: Es wird auch an einer Arbeitserleichterung gearbeitet. „Der Friedhof wird digitalisiert“, erzählt Schlott und erntet ein fragendes Gesicht. „Die Grabstätten sind bislang nur auf Karten manuell eingezeichnet, sollen jetzt aber digital erfasst werden“, erzählt er. So könne man künftig schnell eine Übersicht bekommen oder ein Grab finden, „Wir untergliedern die Bereiche nach Grabfeldern, Grabreihen und Grabstätten.“ Das sei eine sehr große Arbeitserleichterung.

Das, was Schlott so weiter erzählt, ist einfach unglaublich. Wegen heftiger Randale und Zerstörung auf den Toiletten werden diese nur noch während der Arbeitszeiten der Friedhofsgärtner geöffnet. Zwei mal sei in die Garagen, in den das Werkzeug der Friedhofsgärtner untergebracht ist, eingebrochen worden, einmal sogar in die Friedhofskapelle. „Was die Einbrecher da finden wollten, ist mir ein Rätsel.“

Und zuletzt noch mal ein Resümee. „Die Nachfrage nach Gräbern, die von uns gepflegt werden, steigt rapide an. Und auf der anderen Seite werden die Gräber, die völlig ungepflegt sind, auch immer mehr“, erklärt Schlott.

Und es klingt schon ein wenig resignierend. „Das ist wohl der Wandel der Zeit . .“

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