Seniorenbeirat hilft älteren Menschen mit Rat und Tat
Nur für Scheidung nicht zuständig

Greven -

Neulich hatte Fred Laufenburg (72) Besuch von einer 87-jährigen Seniorin: „Die wollte sich von ihrem Mann scheiden lassen.“ Und der Vorsitzende des Grevener Seniorenbeirates musste ihr sagen, dass er für vieles zuständig sei. Für Scheidungen aber nicht.

Mittwoch, 07.11.2018, 18:07 Uhr aktualisiert: 07.11.2018, 18:30 Uhr
Karin Müller (69) und Fred Laufenburg (72) sind am Montagmorgen im Büro des Seniorenbeirats, um Fragen und Anregungen älterer Menschen zu beantworten.
Karin Müller (69) und Fred Laufenburg (72) sind am Montagmorgen im Büro des Seniorenbeirats, um Fragen und Anregungen älterer Menschen zu beantworten. Foto: Günter Benning

Montagsmorgens von 10 bis 12 Uhr ist Beratung in dem kleinen Büro, das sich der Seniorenbeirat mit dem Kreissozialamt teilt. Dem Kreis gehört auch der PC, hinter dem Laufenburg sitzt: „Da können wir gar nicht dran.“

Für ihn und seine Mitstreiterin Karin Müller (68) geht es an diesem Morgen aber eher ums Gespräch. Senioren, die Vermittler in der Verwaltung suchen, wenden sich an die gewählten Vertreter. Ein wichtiges Thema ist die Patientenverfügung, die hier seit zehn Jahren mindestens 9000 Mal ausgegeben wurde. „Juristisch sicher“, sagt Laufenburg. Die Grevener haben sie an Landes- und Bundesministerien geschickt und bescheinigt bekommen, dass ihr Formular den rechtlichen Bedingungen genügt.

Neun gewählte Vertreter gibt es im Seniorenbeirat. Dazu ebenso viele berufene. Wie das im Alter geschehen kann: Seit der letzten Wahl sind zwei Mitglieder gestorben. Ausgerechnet in Reckenfeld, weshalb dort derzeit keine Beratungen stattfinden können. Karin Müller: „Die Reckenfelder können aber jederzeit zu uns kommen. Wir helfen weiter.“

Die Beiratsmitglieder sind auch in anderen Ausschüssen der Stadt vertreten. Sie haben Rede- aber kein Stimmrecht und können die Interessen ihrer Altersgruppe mit ins Spiel bringen. Ein Beispiel dafür ist die Versorgung der Stadt mit öffentlichen Toilettenanlagen. Da gebe es Nachholbedarf, sagt Fred Laufenburg, der früher bei der Bahn gearbeitet hat, „da müssen wir noch nachbohren.“

Zu den Rennern in der Seniorenarbeit gehören allerdings die Freizeitangebote. Regelmäßig werden Fahrten angeboten. Da man über einen Zuschusstopf verfügt, sind die Busfahrten relativ günstig. In diesem Jahr, ist Laufburg stolz, kann man schon zum vierten Mal einladen. Die letzte Fahrt ging zur Käserei im münsterischen Hafen. Die nächste Fahrt soll zum Weihnachtsmarkt nach Soest führen. Wonach am häufigsten gefragt werde im Seniorenbüro? Karin Müller lacht: „Wann gibt es wieder Kaffee und Kuchen?“

Vier bis fünf Besucher kommen zu den Sprechstunden ins Rathausfoyer, manchmal, so Müller, „auch nur, um ein Schwätzchen zu halten.“ Viele alte Menschen seien halt einsam.

Während des Pressegesprächs klopft es und ein junges Ehepaar will herein. „Die Schwangerschaftsberatung vom Kreis ist heute nicht“, wimmelt Laufenburg sie ab. So ist das eben, wenn man sein Büro mit anderen teilt – alles kann keiner erledigen.

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