Angst in der Stallgemeinschaft am Vosskotten
Was wollen die Männer im Stall?

Greven -

Dreimal unerwünschter Herrenbesuch. Und das mitten in der Nacht in einem einsamen Stall. Am Vosskotten regiert Sorge und Verwunderung.

Dienstag, 13.11.2018, 06:56 Uhr aktualisiert: 13.11.2018, 15:13 Uhr
Quinney ist das mit seinen 29 Jahren das älteste Pferd im Stall von Anna-Lena Schulze, Dorothe Sadecki und Alexandra Aufderhaar (v.l.). Von den nächtlichen Besucher gibt es etliche – leider unscharfe Videos.
Quinney ist das mit seinen 29 Jahren das älteste Pferd im Stall von Anna-Lena Schulze, Dorothe Sadecki und Alexandra Aufderhaar (v.l.). Von den nächtlichen Besucher gibt es etliche – leider unscharfe Videos. Foto: Günter Benning

Viel erkennen konnte man auf den Videos nicht. Aber für Anna-Lena Schulze war das, was sie sah, ein Schock: „Mitten in der Nacht kommt ein fremder Mann in unseren Stall und untersucht unsere Pferde.“ In aller Ruhe, 20 Minuten für jedes der alten Rösser, die zwischen 20 und 29 Jahre auf dem Buckel haben.

Das war in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober, von 1.40 Uhr bis fast um drei Uhr morgens. Seither haben die fünf Frauen, die seit den 1980-er Jahren neben dem Vosskotten eine Stallgemeinschaft betreiben, zwei weitere nächtliche Herrenbesuche bekommen.

Dorothea Sadecki hat sie bei der Kontrolle der Videos entdeckt, die von mehreren nnachtaktiven Wildkameras aufgenommen wurden.

► Der nächste Besuch war in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober. Diesmal offenbar ein anderer Mann, der mit einer Taschenlampe um den kleinen Stall herumlief und versuchte, die mit Zahlenschlössern gesicherten Türen zu öffnen. Was ihm nicht gelang.

► „Dann hatten wir ein paar Tage Ruhe“, sagt Hobbyreiterin Alexandra Aufderhaar, „bis ein junger Mann kam, Ende 20, sehr mager.“ Es war die Nacht vom 7. auf den 8. November, von 2.20 bis etwa 4 Uhr. Auch diesem Besucher gelang es nicht, in den Stall einzudringen. Er deaktivierte aber offenbar einige der installierten Wildkameras.

„Ich finde das sehr beängstigend“, sagt Anna-Lena Schulze. Sie hatte als erste eine Kamera vor ihrer Pferdebox installiert, weil ihre 20 Jahre alte Stute Mary – durch eine Krankheit halbblind – einen neuen Stehplatz bekommen hat: „Ich wollte sehen, wie sie damit klar kommt.“

Stattdessen sah sie den ersten nächtlichen Besucher, dem es offenbar gelungen war, die Zahlenschlösser auszutricksen. Er schien sich mit Pferden auszukennen, trug eine Stirnlampe und stellte noch ein zweites Licht auf, ehe er jedes Tier untersuchte.

„Einen Schaden konnten wir nicht feststellen“, sagt Reiterin Alexandra Aufderhaar. Die Motive der nächtlichen Pferdefreunde liegen im Dunkeln.

Es gebe Gerüchte, heißt es in Reiterkreisen, dass Pferde gestohlen würden, um sie in Polen in Schlachthäusern zu verkaufen. „Für 600 Euro“, sagt Anna-Lena Schulze, „aber das macht gar keinen Sinn.“ Jedes der Tiere im Vosskotten-Stall ist über 20, die meisten haben eine Krankheit. Und eine Bescheinigung, dass sie wegen der Medizin, die ihnen verabreicht wird, für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind.

Eine andere These war, dass möglicherweise Tierschützer in den Stall eingedrungen seien. „Die Pferde“, sagte Schulze, die schon seit den 1980-er Jahren hier aktiv ist, „sind nicht gesund. Mary hat zum Beispiel keine Zähne mehr.“ Aber falls jemand Fragen dazu gehabt hätte, könnte sie das wohl erklären.

Die Frauen vom Vosskotten erstatteten zwar Anzeige, aber die Polizei konnte keine Täter ermitteln. Für Polizeipressesprecher Rainer Schöttler ist der Fall ein Rätsel. Gelegentlich würden Sättel gestohlen, sehr selten auch Pferde: "Im Kreis Steinfurt ist bisher nichts vorgefallen."

Irgendwelche Missbrauchsspuren hatten die Halterinnen nicht feststellen können. Am Vosskotten geht die Beobachtung weiter. Anna-Lena Schulze: „Gestern kam ein Email der Tierrechtsorganisation PETA. Die überlegen, ob sie eine Belohnung für Hinweise zu den Männern aussetzen sollen.“

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