Briefdienst GmbH Dupi
Von Null auf Hundert

Greven -

Der Anfang war schwer, sehr schwer. Denn Burkhard und Christel Pielage fingen bei Null an. Nur 30, 40 Briefe waren es, die sie in den ersten Wochen und Monaten zustellten. Und: Die Deutsche Post fand es gar nicht so lustig, dass da plötzlich Konkurrenz am Markt war und klagte erst einmal. Doch diese Zeiten sind überwunden. Inzwischen ist die „Dupi Briefdienst GmbH“ ein gut gehendes Familienunternehmen und wird demnächst von der zweiten Generation übernommen.

Mittwoch, 14.11.2018, 11:27 Uhr aktualisiert: 14.11.2018, 16:16 Uhr
Dupi ist ein Familienunternehmen. Christel (zweite von links) und Burkhard Pielage (dritter von links) übergeben ihr Unternehmen zum Anfang des kommenden Jahres an Sohn Pascal Pielage (rechts) und Schwiegersohn Kai Reißig und Tochter Nicole Reißing.
Dupi ist ein Familienunternehmen. Christel (zweite von links) und Burkhard Pielage (dritter von links) übergeben ihr Unternehmen zum Anfang des kommenden Jahres an Sohn Pascal Pielage (rechts) und Schwiegersohn Kai Reißig und Tochter Nicole Reißing. Foto: Peter Beckmann

Burkhard Pielage hatte vor 20 Jahren ein großes Problem. Er, der gelernte Buchdrucker, war arbeitslos. Und zu der Zeit sah es in dem Metier schlecht aus. Durch Zufall las er in einer Zeitschrift, die sich mit Ideen für die Selbstständigkeit beschäftigte, einen Artikel über die Möglichkeit, ein Briefdienst-Unternehmen zu gründen. „Ich fand die Idee gut und habe mich direkt bei der Regulierungsbehörde beworben.“ Deren O.K. war damals Voraussetzung, um so eine Dienstleistung anbieten zu können.

Pielage bekam die Zusage und machte sich sofort daran Kunden zu werben. Er musste Klinken putzen. Natürlich nicht bei Privatpersonen, sondern in Unternehmen, bei Behörden, Handwerksbetrieben, Arztpraxen, Versicherungen und, und, und. „Das war gar nicht so einfach, die meisten kannten ja nur die Deutsche Post als Briefzusteller“, erinnert sich Burkhard Pieper. Und so reichten zunächst er, seine Frau Christel und Tochter Nicole, um die Briefe der Kunden zuzustellen.

„Das musste damals noch am selben Tag passieren, das Voraussetzung, um eine Lizenz zu bekommen.“ Morgens wurden die zuzustellenden Briefe abgeholt, nachmittags zugestellt. Bei den noch relativ geringen Mengen war das damals kein Problem.

Doch langsam aber sicher sprach sich der neue Anbieter herum, der für die Kunden preiswerter war, als der gelbe Riese. „Sonst hätten wir auch keine Chancen gehabt“, ist sich Pielage sicher.

Die insgesamt drei Klagen der Post gegen sein Unternehmen sah er gelassen. „Unser Verband hat uns vor Gericht vertreten, wir haben uns nicht einschüchtern lassen.“ Bei vielen anderen Mitbewerbern war das anders. Die gaben, aus Angst vor der mächtigen Post, auf. Mittlerweile gibt es keine Probleme mehr mit der Post. Man arbeitet neben- und auch miteinander.

Für Pielage lohnte sich das Klinkenputzen mehr und mehr. Auch der angebotene Service überzeugte. „Wir holen die Post ab, wiegen und frankieren, wenn sie in den Postkreislauf gelangt, da muss sich keiner mehr drum kümmern.“ 300 Kunden hat Dupi inzwischen in Greven.

Und seit 2005 gibt es die Kooperation unter dem Dach von „Brief & mehr“ mit Sitz in Münster. Hier kooperieren deutschlandweit Briefzusteller. „Das hat natürlich dazu geführt, dass die Mengen enorm hoch gegangen sind“, erzählt Pascal Pielage, Sohn der beiden Betriebsgründer, der zusammen mit seinem Schwager Kai Reißig Anfang des kommenden Jahres das Unternehmen übernimmt. Inzwischen tragen die vier Vollzeit-, drei Teilzeit und 15 450-Euro-Kräfte täglich weit über 10 000 Briefsendungen aus. „Bei uns sind viele Rentner beschäftigt, die mit dem Rad die Post austragen. Ohne geht es auch nicht.“

Einen richtigen Schub habe auch der Streik bei der Post im Jahr 2015 gebracht. „Das hat uns zwar einen mächtigen Schub gebracht, noch mal erleben möchte ich das allerdings nicht“, erzählt Kai Reißig. Denn die Wochen damals seien extrem hektisch und stressig gewesen. „Wir waren auf diesen Ansturm ja nicht eingestellt.“

Und so mussten nach und nach die Bezirke kleiner geschnitten werden, damit sie die Zusteller noch bewältigen konnten. Inzwischen werden auch Kataloge und Zeitschriften zugestellt. Aber wie sich das Geschäft weiter entwickle, sei schwer abzuschätzen. „Vielleicht werden ja auch Päckchen und Pakete immer mehr ein Thema“, sagt Pascal Pielage.

Kummer bereiten dem Familienunternehmen die Außenbereiche der Stadt. Und die hat Greven ja nun mal reichlich. „Mit der Zustellung dort kann man vor allem auch wegen der steigenden Spritpreise kein Geld verdienen“, erklärt Burkhard Pielage und hofft, dass es da vielleicht irgendwann mal zu einer Zusammenarbeit mit der Post kommt. „Dass da zwei Autos auf identischen Strecken durch die Bauerschaften fahren macht einfach keinen Sinn.“

Auch wenn Christel und Burkhard Pielage das Unternehmen zum Jahresende an Sohn und Schwiegersohn übergeben: Ganz ohne Arbeit werden die Beiden wohl nicht auskommen. „Es macht uns beiden Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein. Man hat frische Luft und Bewegung und trifft auch den ein oder anderen“, erzählt Burkhard Pielage, und man merkt dem Mann an, dass er den Job mit ganz viel Begeisterung macht.

Bleibt nur noch eines zu klären: Was bedeutet den eigentlich DUPI? Das Pi ist mit Pielage zu erklären. Und das DU? „Das bedeutet Dienstleistungsunternehmen“, sagt der Junior und fügt fast entschuldigend und zwinkernd hinzu: „Das hat der Vater sich damals ausgedacht.“

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