Zirkus-AG in der Nelson-Mandela-Gesamtschule
Ungeahnte Stärken entdecken

Greven -

Die meisten Gesamtschüler machen dienstags nach der vierten Stunde Schluss – kurzer Dienstag. Nicht so die rund 25 Kinder und Jugendlichen (zehn bis 14 Jahre) der Zirkus-AG. Sie warten vor der Rönnehalle geduldig darauf, dass jemand aufschließt. Sobald das passiert ist, stürmen sie durch die Umkleiden in die Halle. Zwei Extra-Stunden – außerhalb des regulären Unterrichtes – hängen die Jungen und Mädchen dran. Einfach weil es Spaß macht.

Freitag, 30.11.2018, 12:42 Uhr aktualisiert: 30.11.2018, 13:00 Uhr
Die Schüler lernen erst verschiedene Zirkusdisziplinen kennen, vertiefen ihre Kenntnisse dann in ein bis zwei Wunsch-Disziplinen und bereiten gemeinsame Auftritte vor.
Die Schüler lernen erst verschiedene Zirkusdisziplinen kennen, vertiefen ihre Kenntnisse dann in ein bis zwei Wunsch-Disziplinen und bereiten gemeinsame Auftritte vor. Foto: Privat

Stillsitzen, KommaRegeln pauken, Mathe büffeln – nicht jedermanns Sache. Andere wiederum sind nicht die sportlichsten. Aber jeder kann irgendetwas richtig gut. Manchmal, ohne zu ahnen, was genau . . .

„Es ist eine tolle Bestätigung für sie, wenn sie dann zusammen auftreten und zeigen, was sie können“, sagt Sarah Stiefel. Die professionelle Artistin und ausgebildete Zirkuspädagogin leitet die AG zusammen mit Aljoscha Kuprat, der ebenfalls Zirkuspädagoge ist. Er sagt: „Wir vermitteln den Kindern über den Zirkus Kompetenzen.“ Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein – um nur einige zu nennen. „Sie können sich hier auch selbst entdecken.“ Was er damit meint: Feststellen, dass es auch eine Welt jenseits des klassischen Lernens gibt, dass eben jeder in irgendetwas gut ist. „Wir haben hier auch einige dabei, die nicht lange stillsitzen können, die in den Klassen auffällig sind. Hier aber können sie sich konzentrierten und werden ganz ruhig.“ Sie lernen sich zu Fokussieren. Schließlich soll das Diabolo nicht herunterfallen, die Akrobatik-Nummer elegant aussehen, die Jonglage fehlerfrei funktionieren – speziell, wenn es vor Publikum aufgeführt wird.

Neben einigen Inklusionskindern nehmen auch Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund teil, berichtet Sportlehrer Jörg Klose, der die AG mitleitet. Und natürlich gibt es auch viele, die aus keinem besonderen Grund kommen außer diesem: weil sie einfach Bock drauf haben.

Just flatterte Klose wieder ein Förderbescheid auf den Schreibtisch, der rund 10 000 Euro wert ist. Das Bundesministerium für Bildung stellt Mittel für besonders Projekte zur Verfügung und kooperiert unter anderem mit dem Berliner Verein „Zirkus macht stark“. Dort beantragte Klose die Mittel – wieder mal erfolgreich. Ohne die Förderung gäbe es die Zirkus-AG nicht. „Anders geht es nicht. Das muss man klar sagen.“ Das Material und vor allem das professionelle Personal wären sonst nicht zu finanzieren. Vor allem letzteres aber ist ein echtes Pfund. „Die beiden sind einfach super“, sagt Klose.

Weil er das weiß und nicht auf die Hilfe der Profis verzichten mag, mutet er sich Jahr für Jahr das Prozedere zu, den sehr aufwendigen Antrag einzureichen.

Von der Arbeit mit den Zirkuspädagogen profitieren die Kinder gleich mehrfach, ist Klose sicher: Sie schulen ihre Motorik und ihre Kooperationsfähigkeit, lernen ihren Mitschülern zu vertrauen (etwa, wenn sie sich zu Pyramiden auftürmen), sie erfahren, dass es ich lohnt, zielgerichtet zu arbeiten. Das Ziel heißt stets: Auftreten. Neulich beim Tag der offenen Tür etwa, oder beim Stadtfest. Wenn das Publikum jubelt, ist das der verdiente Lohn für die zwei Extra-Stunden pro Woche.

Zirkus-AG der Gesamtschule Greven

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