Sa., 08.12.2018

Fiege-Grundstück: Am Grünen Weg soll nach einem Kompromiss gesucht werden Sechsstöcker liegt wieder auf Eis

Die Familie Fiege möchte auf dem Grundstück, auf dem einst der Stammsitz des Unternehmens stand, ein sechsstöckiges Haus bauen, Nachbarn wollen maximal Dreigeschossigkeit akzeptieren.

Die Familie Fiege möchte auf dem Grundstück, auf dem einst der Stammsitz des Unternehmens stand, ein sechsstöckiges Haus bauen, Nachbarn wollen maximal Dreigeschossigkeit akzeptieren. Foto: Schlüter Architekten

Greven - 

Applaus im Ratssaal für die versammelten Lokalpolitiker – das gibt es auch nicht alle Tage. In diesen seltenen Genuss kamen am Donnerstagabend die Mitglieder des Planungsausschuss, weil sie – man lese und staune – nichts beschlossen haben.

Von Oliver Hengst

Zumindest nicht das, was sich die Familie Fiege als Investor gewünscht hatte: nämlich, dass der Bebauungsplan für den geplanten Sechsstöcker auf dem Eckgrundstück Grüner Weg / Hansaring auf den Weg gebracht wird.

Stattdessen beschlossen die kommunalen Volksvertreter, nochmals eine professionell moderierte Gesprächsrunde einzuberufen, die nach einem Kompromiss suchen soll. Daran sollen neben dem Investor natürlich auch Anwohnervertreter sowie die Stadtverwaltung und die Fraktionen teilnehmen.

Anwohnervertreterin Angelika Kriens sah ihr „Vertrauen in die Politiker absolut gestärkt“. Auch ihre Mitstreiter verließen den Ratsaal froh gestimmt angesichts der unerwarteten Wende, die sie als Erfolg für sich verbuchten. Dabei ist (noch) nichts gewonnen – zunächst mal wurde die Pause-Taste gedrückt. Nicht mehr, nicht weniger. Was am Ende tatsächlich dabei herauskommt – völlig offen.

Bevor sich im Ausschuss der vorweihnachtliche Friede einstellte, ging es allerdings munter zur Sache – und Politikern und Verwaltung ordentlich an den Kragen. Die Anwohner nutzen die Fragestunde, um zum Teil ordentlich abzuledern und deutliche Kritik vorzutragen – zu dem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass sich die Tür doch nochmal öffnen würde. „Sie sind dafür verantwortlich, ob wir künftig damit leben müssen – mit allen Konsequenzen“, schrieb ein Anwohner den Politikern ins Stammbuch. Es habe 230 Einwendungen und noch viel mehr Unterschriften gegen den Sechsstöcker gegeben, ergänzte ein Nachbar, der „den Hals voll von der Verdichtung auf Teufel komm raus“ hat. Auch um die Bürgerbeteiligung sei es schlecht bestellt, klagten einige Anwohner.

Ob es an dieser massiven Kritik lag oder die Politiker auch ohne diese auf die Idee gekommen wären, den Bau erstmal auf Eis zu legen – unklar. Am Ergebnis änderte es nichts. Monika Erben beantragte für die SPD, nicht abzustimmen und stattdessen zu besagter Gesprächsrunde einzuladen. „Der soll nach Kompromissen suchen. Ich habe den Eindruck, dass das durchaus möglich ist.“ Die anderen Fraktionen – selbst jene, die dem Bau grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber stehen, schlossen sich an. Es dürfe „nicht der Eindruck entstehen, wir nähmen das nicht ernst“, sagte Peter Borggreve. Und die CDU steht den Plänen bekanntermaßen ohnehin kritisch gegenüber und folgte der SPD-Anregung daher bereitwillig.

Die Stadt will nun recht kurzfristig einen Gesprächstermin anberaumen.



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