Henning Verlage im Interview
Von Unheilig zu Faelder

Münster -

Henning Verlage, Musiker mit Grevener Wurzeln, hat eine neue Band. Faelder heißt das Quintett, mit dem er jetzt in die Lücke stößt, die seine ehemalige Band Unheilig zurückgelassen hat. Über diese neue Supergroup hat unser Redakteur Carsten Vogel mit ihm gesprochen.

Donnerstag, 27.12.2018, 07:00 Uhr
Henning Verlage (2.v.r.) hat mit seiner neuen Band Faelder das Debütalbum vorgelegt. Im Studio (kleines Bild) produziert er Alben und tüftelt an neuen Sounds.
Henning Verlage (2.v.r.) hat mit seiner neuen Band Faelder das Debütalbum vorgelegt. Im Studio (kleines Bild) produziert er Alben und tüftelt an neuen Sounds. Foto: Robert Eikelpoth

Henning Verlage hat eine neue Band. Faelder heißt das Quintett, mit dem er jetzt in die Lücke stößt, die seine ehemalige Band Unheilig zurückgelassen hat. Über diese neue Supergroup hat unser Redakteur Carsten Vogel mit ihm gesprochen.

Wie ist Faelder entstanden? Habt ihr euch auf Festivals getroffen und dann entschieden, wir müssen mal was zusammen machen?

Henning Verlage: Lustig, das ist wirklich genauso gewesen. Man läuft sich ja immer wieder über den Weg. „Specki“ (Florian Speckardt, Drummer bei In Extremo, Anm. d. Red.) hat früher in einer Band namens „Die letzte Instanz“ gespielt, mit denen ich zwei Alben produziert habe. Außerdem produzieren In Extremo auch hier im selben Studio. So bin ich in deren Dunstkreis gerutscht. Unseren Frontmann Kai Niemann habe ich in Berlin kennengelernt, der mir Demos vorgespielt, die mir direkt gefallen haben, wegen seiner sonoren Stimme und des düsteren Anstrichs.

Theorie und Praxis sind aber so eine Sache...

Verlage: Ja (lacht), meistens hat man Lust und spricht darüber, und es ergibt sich dann doch nicht. Aber diese Idee stand schon lange im Raum. Dann haben Kai und ich uns über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren immer mal wieder hier im Studio zusammengesetzt, an Material gearbeitet und geschaut, was daraus werden könnte. Die Songs haben wir dann den anderen vorgespielt. Sie haben allen gut gefallen. Zudem haben wir uns auch privat gut miteinander verstanden.

Und was hat das mit dem Namen Faelder auf sich?

Verlage: Wir haben nächtelang darüber philosophiert. Bandnamen sind anfangs immer ungewohnt und werden erst im Lauf der Zeit mit Leben gefüllt. Unser Sänger ist auf den Namen gekommen. Ein Begriff, der weich klingt und phonetisch eine morgendliche Stimmung vor das geistige Auge projiziert. Das passt zu dem Sound, den wir machen: melancholisch, düster - als würde man über eine neblige Fläche gucken. Es hat aber nichts mit Mythologie zu tun.

War für Kai Niemann klar, dass er von Anfang an deutsch singen würde?

Verlage: Die Richtung war klar, Kai hat immer auf Deutsch gesungen. Was ich übrigens auch nicht wusste: Er kommt aus Leipzig und hatte Anfang der 90er einen großen Hit, der „Im Osten“ hieß und das Ost-West-Gefühl beschrieben hat. Ein wenig in der Art von „Die Prinzen“. Und weil auch In Extremo deutsch singen, stand nie etwas anderes zur Debatte.

Musikalisch klingt es näher an Rammstein als an Unheilig.

Verlage: Man muss Unheilig in zwei Abschnitte unterteilen. Als ich Anfang der 2000er Jahre beim Grafen mit eingestiegen bin, haben wir auch Szene- oder Clubmusik gemacht. Wenn man das vergleicht, sind wir mit Faelder davon gar nicht so weit entfernt. Unheilig ist immer weiter gewachsen, man schnappt sich Einflüsse von außen auf, die technischen Möglichkeiten entwickeln sich weiter. Wir wollten einfach nicht stehenbleiben. Einige Leute haben sich über dieses Rammstein-eske bei Konzerten sehr erschrocken (lacht).

Ein Song wie „Ich bin schon tot“...

Verlage: ... hat Kai bereits als Demo gehabt. Das Technoide haben wir genauso gelassen. Man darf aber in diesem Genre nicht alles für bare Münze nehmen und sollte es wie bei Rammstein immer auch mit einem Augenzwinkern und ironisch verstehen. Keiner meint die Sachen wirklich wortwörtlich (lacht).

Du unterrichtest an der Musikhochschule. Kommt dir beim Schreiben der Songs manchmal das Akademische dazwischen und du denkst, hätte ich da besser mal auf meinen Bauch gehört?

Verlage: Definitiv. Das kann ich wirklich unterschreiben. Ich habe Musik in Holland studiert und gerade weil ich es von der Pike auf gelernt habe, traue ich mich manchmal Sachen nicht umzusetzen. Dann denke ich in klassischen Kadenzen und bin gehemmt. Im Studium habe ich bereits Musiker kennengelernt, die nichts mit Notenlesen zu tun haben und dennoch eine erstaunliche Kreativität haben.

Paul McCartney hat auch mal behauptet, er könne keine Noten lesen.

Verlage: Wahrscheinlich ist das das Beste. Einfach alles zu zulassen und den Theoriekopf abzuschalten (lacht).

Sagt denn im Studio mal jemand, dass die Musik zu verkopft klingt?

Verlage: Nein, so dann auch nicht. Ich bin jetzt nicht der Typ, der mit einem Bleistift und Notenpapier Musik macht (lacht). Heutzutage arbeitet man mit Software-Plugins, sodass man alle möglichen Sounds auf seinem Rechner hat. Klanglandschaften sind für mich eine große Inspirationsquelle.

Faelder kann man getrost als Supergroup bezeichnen. Schürt man damit direkt Erwartungen?

Verlage: Eine Erwartungshaltung an den Markt ist fehl am Platz. In erster Linie machen wir es, weil wir Spaß haben wollen. Der Vorteil ist aber, dass wir alle fest im Musikbusiness verankert sind und nicht ganz bei null anfangen müssen. Trotzdem sind wir Newcomer und die Information, wer sich hinter der Band verbirgt, will erst einmal verbreitet werden. Das muss man sich erarbeiten, indem man zum Beispiel Konzerte spielt.

Also ist eine Tour geplant?

Verlage: Auf jeden Fall. Nächstes Jahr spielen wir mit der Band Eisbrecher zusammen eine Handvoll Konzerte.

Auch in Münster?

Verlage: Nein, leider nicht. Die Tourdaten sind bereits offiziell. Wir mussten darauf achten, dass das in die Planungen von In Extremo und meine Studiotätigkeiten passt.

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