Friseurmeisterin verlässt Aaseemarkt
Eine reine Kopfsache

Greven/Münster -

Mechthild Meiering ist im Aaseemarkt ein Urgestein. 40 Jahre betreibt sie dort ihr Geschäft. Jetzt geht sie in den Ruhestand.

Donnerstag, 27.12.2018, 17:24 Uhr aktualisiert: 27.12.2018, 17:40 Uhr
Mechthild Meiering macht nach 40 Jahren im Friseurgeschäft ihren persönlichen Schnitt und geht in den Ruhestand.  
Mechthild Meiering macht nach 40 Jahren im Friseurgeschäft ihren persönlichen Schnitt und geht in den Ruhestand.   Foto: Oliver Werner

Haarige Verwicklungen waren ihre große Leidenschaft. Ihr Auftritt war stets schneidig. Knapp 40 Jahre war sie das „Oberhaupt“ des Aaseemarktes in Münster. Sie hat unzähligen Aasee­städtern den Kopf gewaschen, kannte viele von Kindesbeinen an, die ihr über die Jahre die Treue hielten. Jetzt packt die Grevenerin Mechthild Mei­ering Scheren, Kämme, Bürsten und Lockenwickler ein. Mit 65 Jahren ist für sie Schluss mit Shampoonieren, Colorieren und Ondulieren. Am 24. Dezember zog sie den Stecker der Trockenhauben. Denn sie ist an einem Schnittpunkt ihres Lebens angekommen, der Ruhestand heißt. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Mechthild Mei­ering mit Wehmut, die die vielen persönlichen Kontakte vermissen wird.

Ihr Salon war ein Umschlagplatz für die neuesten Nachrichten aus dem Viertel. Redegewandt, resolut und herzlich bewies sie bei ihrer frisierenden Tätigkeit viel Stehvermögen. Ob störrische Schöpfe, Spliss oder schütteres Haar – die Fachfrau betrieb keine Haarspalterei, sondern verpasste Frisuren mit Pfiff.

Wallemähne, Bob, Bubikopf oder ausrasierte Zickzack-Muster auf der Kopfhaut – sie kannte sich aus mit Frisuren-Trends. Ältere Damen schwörten auf ihre perfekte Welle. „Meine älteste Kundin war 103“, erzählt die frischgebackene Ruheständlerin, die als einzige unter den Geschäftsleuten des Zentrums 40 Jahre am Platze blieb. Lediglich als die Arbeiten für die Rundumerneuerung des Aaseemarktes starteten, verkleinerte sie ihren Salon und zog im Februar 2015 in der von-Witzleben-Straße nur einige Hausnummern weiter um.

Schon als Kind war Meie­ring arbeitseifrig unterwegs. Die gebürtige Grevenerin, die in einer Großfamilie aufwuchs, schmierte bereits mit elf Jahren im Krankenhaus in Greven an jedem zweiten Sonntag im Monat Schnittchen für kleine Patienten und las ihnen vor.

Mit 13 wurde sie Babysitterin im ehemaligen Friseursalon Wietheger in ihrer Heimatstadt an der Ems und schnupperte ganz nebenbei ins Friseurhandwerk. Dort machte sie später ihre Le hre und war bereits mit 17 Jahren Gesellin. Ihre Eltern fanden eine Ausbildung für ein Mädchen völlig überflüssig. Doch ihre Tochter hatte ihren eigenen Kopf und stellte ihre Ohren auf Durchzug.

Mit 17 hat man noch Träume . . . Mechthild Meiering wollte am liebsten auf einem Schiff Köpfe verschönern. Doch dafür hätte sie die Unterschrift ihrer Eltern benötigt, die ihr den Wind aus den Segeln nahmen.

In Bottrop besuchte sie danach die Meisterschule und legte vor der Handwerkskammer Münster ihre Meisterprüfung ab. Durch ihre Heirat kam sie nach Münster und machte sich 1979 im Aaseemarkt selbstständig.

An Heiligabend reiste sie ein letztes Mal aus Senden an, wo sie heute zu Hause ist. Am 7. Januar wird sie 66. Und da fängt bekanntlich das Leben an – mit schönen Reisen, auf die sie sich freut. Fürs Erste hat sich das Urgestein des Aaseemarktes Nordindien ausgeguckt.

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