Nordwalder unterstützen Familie
Viel Hilfe, aber eine Sorge bleibt

Nordwalde -

Mit 29 Jahren erfährt Taeba, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Ihre Schwägerin Maria erzählt die Geschichte über das Schicksal ihrer Familie, große Hilfsbereitschaft und die Suche nach einer Wohnung. 

Samstag, 29.12.2018, 13:00 Uhr
Maria und Ajmal mit ihren Kindern Suliman (17), Mustafa (15), Mujtaba (13), Marhaba (11) und Hawa (6) sowie den Kindern von Ajmals Bruder Emal und dessen Frau Taeba, Sufea (11), Sunea (10), Sureia (7) und Mohamad Ibrahim (4). Marias Schwester Salma kommt immer mal wieder zu Besuch nach Nordwalde.
Maria und Ajmal mit ihren Kindern Suliman (17), Mustafa (15), Mujtaba (13), Marhaba (11) und Hawa (6) sowie den Kindern von Ajmals Bruder Emal und dessen Frau Taeba, Sufea (11), Sunea (10), Sureia (7) und Mohamad Ibrahim (4). Marias Schwester Salma kommt immer mal wieder zu Besuch nach Nordwalde. Foto: Franz Roters

Taeba ist 29 Jahre alt und in der neunten Woche schwanger, als sie mit starken Rückenschmerzen ein Krankenhaus in ihrem Wohnort Zittau aufsucht. Die Ärzte schicken sie nach Hause, sie vermuten, dass die Schmerzen von der Schwangerschaft stammen. Tabea glaubt das nicht, das Baby in ihrem Bauch ist ihr fünftes Kind. Als die Schmerzen ihre Beine erreichen, sucht Taeba wieder einen Arzt auf.

Nach einem MRT erfährt sie die Diagnose, die das Leben von zwei Familien verändern wird: Die junge Frau hat Magenkrebs, der bereits gestreut hat. Sie wird an die Uniklinik in Dresden verwiesen. Das Leben ihres Kindes können die Ärzte nicht retten. Um Taeba zu helfen, versuchen sie es mit Operationen, Bestrahlung, Chemotherapie. Aber der Krebs ist nicht heilbar.

Das Schicksal einer Familie, große Hilfsbereitschaft und eine Suche

Maria erzählt die Geschichte von ihrer Schwägerin Taeba, die auch ihre Geschichte und die ihrer Familie ist. Taeba liegt auf der Palliativstation im Grevener Krankenhaus, während Maria in ihrer Wohnung in Nordwalde über die Krebsdiagnose und deren Folgen spricht. Es ist eine Geschichte über das Schicksal einer Familie, große Hilfsbereitschaft und die Suche nach einer Wohnung.

Als Taeba im September die Diagnose erfährt, eilt Maria an ihre Seite. Sie verbringt mehr als zwei Monate in Dresden, ihr Mann Ajmal und die Kinder bleiben in Nordwalde. Maria ist für ihre Schwägerin ein wichtiger Rückhalt. „Taeba ist es unheimlich wichtig, dass ihre Schwägerin bei ihr ist, Tag und Nacht“, sagt Franz Roters. Er sitzt auf dem Sofa neben Maria, als sie die Geschichte ihrer Familie erzählt.

Umzug aus Zittau nach Nordwalde

Roters und seine Frau Cornelia kennen Maria und Ajmal schon lange. Letztere fliehen 2012 aus Afghanistan nach Deutschland, seit 2013 leben sie in Nordwalde. Ajmals Bruder Emal und seine Frau Taeba kommen 2016 nach Zittau. Knapp 100 Kilometer liegt die Stadt im Südosten Sachsens von Dresden entfernt, wo Taeba nach ihrer Krebsdiagnose zunächst behandelt wird.

Im November wird sie von Dresden nach Greven verlegt, erhält dort eine Chemotherapie. „Das Ziel ist nicht den Krebs zu besiegen, sondern ihn einzudämmen“, sagt Roters. „Im Anschluss soll sie nach Nordwalde kommen, ins St.-Augustinus-Altenzentrum.“ Auch Taebas Mann Emal und die vier Kinder zwischen vier und elf Jahren siedeln im November ins Münsterland um. Sie ziehen zu Maria und Ajmal, die mit fünf ihrer sechs Kinder zwischen sechs und 17 Jahren in Nordwalde leben. Husna, mit 18 Jahren die Älteste, lebt in Münster, wo sie eine Ausbildung macht.

„Wir vergessen das nicht“

In Nordwalde wohnen die beiden Familien zu zwölft in einer 116-Quadratmeter-Wohnung mit nur einem Bad. Ein Zustand, der auf Dauer nicht tragbar ist. Weil der Platz knapp ist, weil es zwei Familien sind, auch wenn Maria mehr und mehr die Rolle der Ersatzmutter für ihre Nichten und Neffen übernimmt. Die Suche nach einer Wohnung mit mindestens zwei, besser drei Schlafzimmern in Nordwalde war bislang aber erfolglos. Und das trotz intensiver Bemühungen, nicht nur von der Familie.

Maria und Ajmal betonen immer wieder, wie dankbar sie all den Menschen sind, die sie und ihre Familie unterstützen, wie Franz und Cornelia Roters. Aber auch Jana, die Maria und Emal in Dresden eine Wohnung zur Verfügung stellte, damit sie in der Nähe von Tabea sein konnten. Ihrem Vermieter Jochen, der sich sofort einverstanden erklärte, dass Emal und die vier Kinder ebenfalls in die Wohnung von Maria und Ajmal ziehen. Auch Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink, Pfarrer Ulrich Schulte Eistrup und Pfarrerin Janine Hühne setzen sich für die Familie ein. „Alle haben uns geholfen. Wir sind sehr dankbar dafür und vergessen das nicht“, sagt Ajmal.

Der Akku ist langsam leer

Als Maria die Geschichte ihrer Familie erzählt, wirkt sie gefasst. Es ist ihr nicht anzumerken, was für eine psychische und physische Belastung die Situation sein muss. Nur in seltenen Momenten offenbart die 37-Jährige, wie schwer das alles ist. „Es ist eine absolute Wahnsinnsleistung, die von der Familie erbracht wird“, sagt Roters. „Aber die Batterie nähert sich langsam dem Ende.“

Zum Thema

Wer der Familie bei der Wohnungssuche helfen kann, kann sich an die Kirchengemeinden wenden. Unter Telefon 22 20 ist das Pfarrbüro St. Dionysius im neuen Jahr wieder erreichbar. Die evangelische Kirchengemeinde kann unter Telefon 555 kontaktiert werden.

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