Schützenvereine Friedrichsburg und Frohsinn Ost kooperieren
Einfach neue Wege gehen

Was wir alleine nicht schaffen das schaffen wir zusammen. Getreu diesem Motto handeln die Schützenvereine Frohsinn Ost und Friedrichsburg. Beide haben, wie heute üblich, durchaus Probleme, neue Mitglieder zu gewinnen. Also arbeitet man zusammen und macht bei bestimmten Terminen gemeinsame Sache. Eine Win-Win-Situation. Ohne diese Kooperation wäre wohl auch die große Karnevalssitzung, zu der beide Vereine am 9. Februar einladen, kaum machbar, wie die beiden Vereinsvorsitzenden Uwe Brockhaus (Friedrichsburg) und Volker Havixbeck (Frohsinn Ost) im Interview mit Redakteur Oliver Hengst betonen.

Samstag, 29.12.2018, 16:20 Uhr aktualisiert: 29.12.2018, 17:00 Uhr
Uwe Brockhaus (links) und Volker Havixbeck wollen von Konkurrenzdenken nichts wissen. In Zeiten, in denen Vereine Probleme haben, Mitstreiter zu finden und Angebote aufrecht zu halten, ist vielmehr Zusammenarbeit angesagt, sind beide überzeugt.
Uwe Brockhaus (links) und Volker Havixbeck wollen von Konkurrenzdenken nichts wissen. In Zeiten, in denen Vereine Probleme haben, Mitstreiter zu finden und Angebote aufrecht zu halten, ist vielmehr Zusammenarbeit angesagt, sind beide überzeugt. Foto: oh

Die Schwierigkeit, Leute zu aktivieren – betrifft das das Schützenwesen in besonderem Maße?

Volker Havixbeck: Das sehe ich so, definitiv. Gerade bei den jungen Leuten. Wobei: Bei Frohsinn Ost haben wir gerade einen regelrechten „Run“ von jungen Leuten im Vorstand. Da bin ich schon der „alte Sack“. Wir haben ein Durchschnittsalter von gut 40 Jahren. Das ist schon gut.

Warum ist es heute so schwer, neue Mitglieder für das Vereinswesen zu begeistern?

Havixbeck: Es gibt heute einfach ein so unglaublich breites Spektrum an Angeboten. Es gibt tausend Sachen, und da suchen die sich schon sehr genau aus, was in ihre Freizeit passt. Viele sagen: Warum soll ich Vorstandsarbeit oder überhaupt Vereinsarbeit leisten, wenn ich doch auch einfach zu Veranstaltungen gehen kann, meinen Eintritt bezahle und habe einen schönen Tag. Aber nicht alle sind so, zum Glück. Es gibt auch immer wieder Menschen, die sich engagieren. Weniger als früher, keine Frage, aber es gibt sie, vernünftige Leute.

Brockhaus: Wir wollen auch neue Wege gehen und etwas aus dem Trott ausbrechen. Wir wollen uns für andere Dinge öffnen. Für viele bedeutet Schützenverein vor allem und ausschließlich Schützenfest. Wir machen aber eben auch andere Dinge jenseits des Schützenwesens.

Zum Beispiel?

Brockhaus: Zum Beispiel eine Winterwanderung, damit ist es eigentlich angefangen. Wir haben gesagt: Einer alleine kann das vielleicht nicht stemmen, denn es steckt schon immer wieder sehr viel Arbeit dahinter. Für einen einzelnen Verein ist das zu viel, so dass wir gesagt haben: Wir verteilen das mal auf mehrere Schultern. Und so wachsen die Veranstaltungen. Es gibt auch Fahrten zum Weihnachtsmarkt – alles mit dem Ziel, die ganze Sache interessanter zu machen. Hinzu kommt, dass wir auch bei den Spielmannszügen eine Zusammenarbeit pflegen. Da ist es heute ja auch nicht mehr ganz so einfach, eine Truppe zusammenzubekommen. Bei Engpässen hilft man sich da mit Musikern aus, etwa wenn Leute im Urlaub sind.

Das ist schon gelebte Praxis?

Havixbeck: Das ist schon gelebte Praxis, eindeutig.

Brockhaus: Es gibt da kein Konkurrenzdenken.

Havixbeck: Überhaupt nicht.

Brockhaus: Wir fragen uns einfach: Was können wir, und was können wir zusammen? Welche Ideen bringt ihr ein, welche wir? Viele haben ja immer noch die Vorstellung, dass Schützenfest eine steife Angelegenheit ist, wo nur marschiert wird. Das ist heute vielleicht wirklich nicht mehr ganz so zeitgemäß. Deshalb muss man überlegen, welche Wege man gehen kann. Das eigentliche Schützenfest sollte natürlich immer noch der Jahreshöhepunkt des Vereins sein, aber mit zusätzlichen Veranstaltungen wollen wir auch Interesse wecken bei Menschen, die bislang nicht zu uns gefunden haben, Neuzugezogene aber auch Grevener. Man muss die Leute in die Gemeinschaft bekommen, und das schaffe ich nicht damit, dass ich irgendwo anklingele und sage: Nun komm mal vorbei.

Wie werden denn die neuen Angebote angenommen?

Havixbeck: Wir machen jetzt seit zwei Jahren die Winterwanderung und nun auch zum zweiten mal die Fahrt zum Weihnachtsmarkt. Und beides wurde besser angenommen, als wir es je gedacht hätten.

Sind das vornehmlich Teilnehmer aus den eigenen Reihen oder auch solche, die ganz neu dazustoßen?

Havixbeck: Beides. Wir hatten in diesem und schon im letzten Jahr welche, die neu dazugekommen sind. Die sind jetzt schon das zweite Mal mitgefahren. Die werden jetzt wohl auch mal beim Schützenfest gucken kommen. Man muss das nicht mit der Brechstange machen. Aber so langsam bekommt man mal wieder ein paar neue Gesichter in den Verein. Es funktioniert.

Brockhaus: Und so erweitern wir das Angebot. Am 9. Februar veranstalten wir eine Karnevalssitzung im Ballenlager. Das soll keine Konkurrenz zu anderen Veranstaltungen sein, sondern das Veranstaltungswesen in Greven ergänzen.

Havixbeck: Unsere beiden Vereine sind die Organisatoren dieser Sitzung, aber wir wollen alle „Jecken“ ansprechen. Natürlich freuen wir uns über viele kostümierte Besucher. Es sollen sich alle angesprochen fühlen, die gerne mal eine Sitzung besuchen wollen. Wir haben Tanzgarden, Büttenredner und die Kölsche Coverband. Wir haben auch alle Karnevalsgesellschaften einladen. Da haben uns auch schon so gut wie alle zugesagt. Vorverkaufsstellen für die Karten zur Veranstaltung sind Wischnewski Gase, Zum Wasserwerk 3, und BS-Smartphone Zubehör, Rathausstraße 5.

Brockhaus: Wir haben schon im Blick, wie es uns die Kölner vormachen. Die haben dort ihre langen Tischreihen – und genauso versuchen wir, das mal nach Greven zu bringen.

Das Ballenlager zu füllen – das ist ja schon eine Hausnummer . . .

Brockhaus: Ja, aber das Interesse ist schon groß. Und genau deshalb machen wir es ja nicht alleine, sondern zusammen. Wir minimieren damit natürlich auch das finanzielle Risiko, das wir damit eingehen. Wie gesagt: Das soll keine Konkurrenz sein. Sondern: Wir versuchen, mal etwas für den Grevener Karneval zu tun. Ob es klappt, müssen wir sehen. Aber: Wenn man nichts macht, kann man auch keine Erfahrungen machen.

Havixbeck: Völlig richtig, sehe sich auch so. Wir haben auch schon Kartenvorbestellungen von Personen, die mit beiden Vereinen nichts zu tun haben.

Wie weit führt diese Kooperation? Was kommt noch?

Brockhaus: Es gibt Dinge, die schon angedacht sind, aber die sind noch nicht spruchreif. Wir haben da noch so eine Idee, aber mit der wollen wir im Moment noch nicht raus.

Havixbeck: Man muss auch sagen, dass unsere Schützenfest gut besucht sind. Aber auch deshalb, weil wir andere Vereine besuchen und von denen besucht werden. Wir waren letztes Jahr zum Beispiel in Reckenfeld. Da haben die gesagt: Hier bei uns war noch nie ein Stadtverein. Und ich habe gesagt: Ja, wir machen das aber mal. Diese Sachen wollen wir weiter forcieren.

Brockhaus: Wir wollen versuchen, die Denkweise ein bisschen zu verändern. Einer alleine kann gar nichts. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, kommt man nicht weiter. Wir wollen das Vereinsleben mit neuen Ideen füllen, aber die Tradition aufrecht erhalten. Man muss einfach neue Wege gehen.

Havixbeck: Der Schützenball ist der Höhepunkt des Vereinsjahres, ganz klar. Diese Tradition muss man wahren. Es gibt an so einem Abend Ehrungen für langjährige Mitglieder, aber eben auch etwas für junge Leute wie eine Live-Band. In unseren beiden Vereinen ist jeder jederzeit herzlich willkommen, wir drücken demjenigen auch nicht sofort ein Aufnahmeformular in die Hand.

Gibt es auch Vorbehalte gegen die Kooperation? Und wie steht es um eine mögliche Fusion?

Brockhaus: Es kam schon mal das ein oder andere von Mitgliedern, die gefragt haben: Was macht ihr da? Wir haben ihnen ganz klar erklärt, dass ein Zusammenschluss nicht unser Ziel ist. Vielleicht muss man sagen: zurzeit nicht. Aber im Moment verschwenden wir keinen Gedanken daran zu sagen: Wir machen aus zwei Vereinen einen.

Also eine Kooperation und (noch) nicht mehr?

Havixbeck: Ja, genau richtig.

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