Peter Vennemeyers Jahresbilanz
Ein Jahr der großen Investitionen

Greven -

Jahresende – für Bürgermeister Peter Vennemeyer ist das traditionell die Zeit für einen Rückblick. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning geht es um Höhepunkte des Jahres 2018, Ausblicke und seine persönliche Zukunft.

Montag, 31.12.2018, 12:45 Uhr aktualisiert: 31.12.2018, 13:00 Uhr
Peter Vennemeyer zieht Resümee für ein erfolgreiches Jahr.
Peter Vennemeyer zieht Resümee für ein erfolgreiches Jahr. Foto: Günter Benning

Was waren 2018 die wichtigsten Ereignisse für Sie?

Vennemeyer: Sicherlich Dinge, die wir im Bereich der Kinder- und Jugendbildung auf den Weg gebracht haben. Der naturwissenschaftliche Trakt im Gymnasium ist eröffnet worden, der Anbau der Gesamtschule ist fertig, die Mensa im Bau. In den Grundschulen sind wir gut unterwegs, in der Marienschule, Martinischule. Für die Erich-Kästner-Schule haben wir gerade den Beschluss bekommen. Dann gibt es neue Tagesplätze für Kinder, an der Overmann­straße eine Kinderland-Kita mit sechs Gruppen, ein Anbau am Christuskindergarten. Ganz wichtig ist, dass wir mit dem Medienentwicklungsplan angefangen haben, für die IT-Ausstattung in den Schulen haben wir jetzt eine strukturierte Vorgehensweise.

Das Thema Bildung wird ja beeinflusst vom Wachstum der Stadt. Letztes Jahr sprachen wir von 750 Neubürgern, wie viele waren es in 2018?

Vennemeyer: Weniger, etwas über 200. Aber die Zahl der Kinder ist gestiegen. Während wir früher rund 300 iMännchen hatten, liegen wir heute bei 390, 400.

Die Prognosen sahen anders aus?

Vennemeyer: Prognosen sind so schwierig, weil sie die Zukunft betreffen. Darum bin ich froh, dass wir jetzt ein Demographie-Tool und eine Mitarbeiterin haben, die für die Zukunft belastbare Zahlen ermittelt.

Was kommt an dicken Brocken auf die Stadt zu?

Vennemeyer: Sicherlich der Schul- und Kindertagesstättenbau. Dann rüsten wir die Kläranlage auf die vierte Reinigungsstufe auf, um Mikroplastik wegzufiltern. Das ist hochinnovativ, sicherlich eine der tollsten Kläranlagen im weiteren Umfeld. Das Abfallentsorgungskonzept wird uns weiter beschäftigen. Gelber Sack oder Gelbe Tonne? Da werden Entscheidungen fallen. Außerdem hoffe ich, dass wir den Wertstoffhof eröffnen können. Und dann müssen wir uns Gedanken machen, was wir mit der Verlagerung der Technischen Betriebe von der Saerbecker Straße machen.

Platz für Wohnbebauung?

Vennemeyer: Davon gehe ich aus, dass die Stadt dieses hochwertige Fläche für Wohnbebauung nutzt.

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Haben Sie vergessen, dass ein Groß-Projekt der Umbau des Rathauses ist?

Vennemeyer: Das ist nichts, was man nach außen toll verkaufen kann. Aber ich glaube, dass wir mit dem Konzept des Klimaschutzes, der Einsparung von Millionen von Tonnen CO² punkten können. Wir stellen die Heizungen für die städtischen Gebäude auf Erdwärme um. Das wird eine sportliche Veranstaltung. Ich rechne damit, dass wir im ersten Quartal den Förderbescheid bekommen und dann müssen wir im Laufe von drei Jahren fertig sein. Wir müssen umbauen, Provisorien schaffen, abrechnen. Eine große Herausforderung.

Nebenan gibt es bei den Sparkassen-Immobilien, die ins Hauptgebäude ziehen, frei werdende Büroflächen. Haben Sie die Fühler ausgestreckt?

Vennemeyer: Das haben wir, es gibt auch rundherum Immobilien, die für uns auch hoch interessant sind – da sind wir im Gespräch.

Naturschützer haben Bedenken wegen der Energiekollektoren auf den Emswiesen. Glauben Sie, dass es trotzdem klappt?

Vennemeyer: Ich wünsche mir, dass wir da zu einer Lösung kommen. Natürlich bringen wir ein technisches Bauwerk in eine Naturfläche. Aber wir erzielen für den Klimaschutz große Vorteile.

Wie sehen Sie die Lage auf dem Arbeitsmarkt?

Vennemeyer: Die ist momentan sehr positiv. Wir haben die Entwicklung am Airportpark, wo 300 bis 600 Arbeitsplätze entstehen. Und wir haben Entwicklungen in Reckenfeld, die das gleiche auslösen werden. Das macht Greven als Arbeitnehmerstandort attraktiv. Mit der Problematik, dass wir schauen müssen, entsprechend Wohnraum bereitzustellen.

Bei vielen Jobs, die in Greven entstehen, geht es nicht um Schwerverdiener, die können sich keine teuren Wohnraum leisten.

Vennemeyer: Sicherlich ist der Wohnungsmarkt in Greven eng und teuer. Wir müssen sehen, dass wir schnell auf dem Markt deutliche Preissenkungen erzielen. Aber noch eins zu den Unternehmen: Die Unternehmen zahlen hier keine Niedriglöhne. Aber heutzutage gibt es das Problem, dass sie mit einem normalen Einkommen fast die Miete nicht stemmen können. Da müssen wir uns noch mehr anstrengen.

Herr Sahle hat in einem Interview in der NOZ gefordert, Kommunen sollten Ackerland kaufen, um sozial geförderten Wohnungsbau zu ermöglichen. Was sagen Sie dazu?

Vennemeyer: Wenn man das platt so sieht, kann man das sagen. Aber die Landesregierung hat ganz andere Vorstellungen zur Ausweisung von Flächen. Danach müssten wir Flächenreduzierung betreiben.

Gibt es viele Reserven in der Stadt?

Vennemeyer: Es gibt Möglichkeiten der Nachverdichtung, aber das wird nicht der große Wurf sein. Die letzten Maßnahmen zeigen, dass es in der Nachbarschaft nicht immer akzeptiert ist. In meiner Nachbarschaft ist ein großes Gebäude entstanden. Ich habe kein Problem damit, aber ich kann die Sorgen nachvollziehen.

Sie klagen oft, dass die Verwaltung am Limit ihrer Ressourcen arbeitet. In der Stadtplanung haben sie zwar einen neuen Fachbereichsleiter. Aber in den Fachdiensten scheint es Vakanzen zu geben. Schaffen Sie die Arbeit?

Vennemeyer: Bei uns leidet keiner an Arbeitslosigkeit. Das ist ein junger Fachbereich (Stadtentwicklung), der einen hohen Output hatte, etwa bei den Teilplänen Mobilität, Wohnen und Einzelhandel. Aber wir priorisieren die Maßnahmen, weil schlichtweg Mitarbeiter fehlen. Wir habe Stellen ausgeschrieben und hoffen, dass wir sie demnächst besetzen können. Aber wir leben im Dunstkreis von Münster mit seinen 20 000 Verwaltungsjobs. Das ist Konkurrenz. Wobei ich überzeugt bin, dass wir als Arbeitgeberin sehr attraktiv sind. Wir haben im letzten Jahr 60 Bewerbungsverfahren durchgeführt – das ist ein hoher Aufwand.

Auch die Feuerwehr hat keinen Leiter. Wann ändert sich das?

Vennemeyer: Die Ausschreibung ist in Vorbereitung, ich denke, dass wir in der nächsten Woche ausschreiben werden. Es gibt bereits Interessenten.

Sie regieren auf dem Ticket der SPD. Im kommenden Jahr ist Europawahl, im Jahr darauf Kommunalwahl, wird das Jahr 2019 ein Gradmesser für die Zukunft der SPD sein?

Vennemeyer: Die Europawahl ist wichtig, gerade jetzt, wo wir ein starkes gutes Europa brauchen. Ich hoffe, dass die demokratischen Kräfte gestärkt werden.

Bei den Kommunalwahlen sind sie 61, werden Sie noch mal für eine weitere Wahl-Periode antreten?

Vennemeyer: Die Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Ich werde es sicherlich mit der Familie und der Partei diskutieren. Ich erlebe derzeit, dass mir viele sagen, ich müsse weitermachen. Ich werde das im nächsten Halbjahr entscheiden.

Letztes Jahr stand das Thema Flüchtlinge im Fokus. Ist das heute Normalität?

Vennemeyer: Das wird nie Normalität werden. Wir habe in diesem Jahr rund 60 Zuweisungen erhalten. Wir müssen das dicke Brett der Integration bohren. Wir reden über Sprachkurse, Ausbildung, Schulen und Arbeitsplätze. Dafür haben wir unser Integrationskonzept verabschiedet. Nach meiner Einschätzung ist der zweite Teil der Integration erheblich schwieriger als das, was wir mit der Aufnahme und Unterbringung geleistet haben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Innenstadt in unserer Zeit des wachsenden Online-Handels?

Vennemeyer: Es wird Veränderungen geben. Innenstädte werden nicht mehr alleine durch den Einzelhandel leben können. Wir brauchen das Erlebnis, sich in der Innenstadt aufhalten zu können. Ein Zusammenspiel von Einzelhandel, Gastronomie, Stadtgestaltung.

Sie waren in diesem Jahr in Montargis und haben auch die Erinnerung an das Kriegsende vor 100 Jahren erlebt. Was haben Sie mitgenommen?

Vennemeyer: Mir war gar nicht so bewusst, was im Ersten Weltkrieg abgelaufen ist. Nachdem ich in Montargis die schrecklichen Bilder gesehen habe, auch bei einem Besuch in Verdun, da kann man nur froh sein, dass wir seit 70 Jahren Frieden in Europa haben.

Zum Schluss, was ist Ihnen für die Zukunft besonders wichtig?

Vennemeyer: Ich wünsche mir, dass das große gesellschaftliche Engagement, das wir in Greven haben, sich fortentwickelt. Und dass die Stadt für alle, die hier wohnen, eine hohe Attraktivität hat.

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