Typisch Greven: der Sachsenhof
Wo Geschichte erlebbar wird

Greven -

Im Jahre 1973 begann das Westf. Museum für Archäologie (Münster) mit Ausgrabungen im Emsbereich von Münster-Gittrup. Um die Bedeutung der archäologischen Untersuchungen und die gewonnenen Erkenntnisse Besuchern schon während der laufenden Grabungen zu vermitteln, wurde 1983 die Rekonstruktion eines sächsischen Hauses aus dem 6.–8. Jahrhundert n. Chr. in unmittelbarer Nähe der Ausgrabungsfläche erstellt.

Samstag, 05.01.2019, 09:00 Uhr
Die beiden Haupthäuser auf dem Sachsenhof.
Die beiden Haupthäuser auf dem Sachsenhof. Foto: Günter Benning

Im Jahre 1987 suchte das Amt für Bodendenkmalpflege (Münster) nach einem Ort, wo die Idee dieser „wiedererrichteten Geschichte“ verwirklicht und weitergeführt werden konnte. Mehrere Städte bemühten sich um dieses Projekt, das Konzept des Heimatvereins Greven erhielt den Zuschlag.

In einem Vertrag zwischen der Stadt Greven, dem Heimatverein Greven und dem Amt für Bodendenkmalpflege wird festgestellt: Die Stadt Greven ist Eigentümerin der Anlage, der Heimatverein baut das Freilichtmuseum auf und betreibt die Anbauflächen, das Amt für Bodendenkmalpflege betreut wissenschaftlich die Anlage. Der Grevener Archäologe Walter Finke(+) half, den Sachsenhof in Greven historisch richtig zu bauen und den Pflanzenanbau entsprechend zu gestalten.

Der Wiederaufbau

Mitglieder des Heimatvereins Greven bauten im Jahre 1987 das Haus in Gittrup ab und begannen 1988, das Freilichtmuseum Sachsenhof am östlichen Hochufer der Ems in Greven-Pentrup nach den Originalbefunden der Ausgrabung in Gittrup aufzubauen.

In fast zweijähriger Arbeit wurde das Haupthaus errichtet. Die Mitglieder des Arbeitskreises Sachsenhof bauten im Laufe der Jahre in ihrer Freizeit das Grubenhaus, die Scheune und den Heuberg auf. Gleichzeitig wurden ein Gartenbereich mit Küchen-, Medizin- und Färbepflanzen sowie ein Ackerbereich für alte Getreidesorten, Flachs und andere Kulturpflanzen angelegt. Der Flachs wird nach alter Methode geerntet und verarbeitet.

Sprecher des AK Sachsenhof war zunächst Horst Hauschild(+), dann die Archäologin Gabi Hülsmann, jetzt ist es Bernhard Reepen.

Zwei archäologische ABM-Kräfte, Nicole Ellermann und Georg Eggenstein, haben anfangs am Sachsenhof mitgearbeitet: Nicole Ellermann und Georg Eggenstein. Sie haben die ehrenamtlich am Sachsenhof Tätigen unterstützt.

Haupthaus abgebrannt

Im Mai 1991 wurde das Haupthaus durch Brandstiftung zerstört, das angrenzende Grubenhaus beschädigt. Der damalige Rat der Stadt Greven kannte die Bedeutung dieses Freilicht-Museums für die Siedlungsgeschichte des Münsterlandes und beschloss den Wiederaufbau. Die Holzkonstruktion errichtete die Firma F.J. Huckenbeck (Schmedehausen), das Reetdach wurde von einer Firma aus dem Emsland erstellt. Sechs Monate später stand das Haus wieder, sodass die Mitglieder des Arbeitskreises, unterstützt durch Schüler/innen verschiedener Grevener Schulen, die Wände des Haupthauses herstellen konnten.

Der Sachsenhof ist ohne Eintrittsgebühr zu besichtigen. Viele Besucher werden auch durch den EmsAuen-Radweg am Museum vorbeigeführt und können sich die Anlage ansehen.

Experimentelle Archäologie

Einen Schwerpunkt der Arbeit der Mitglieder des AK Sachsenhof bildet neben der Instandhaltung der Gebäude und der Pflege der Pflanzen auf dem Acker und im Garten die experimentelle Archäologie. Hier befassen sie sich unter anderem mit der Köhlerei, der Herstellung von Eisen in einem Rennofen, mit Versuchen zum Bronzeguss, der Teer- sowie der Ölgewinnung. Das Herstellen von Töpferwaren und das Brennen im offenen Feldbrand oder in einem archäologisch angelegten Töpferofen gehört genauso zu diesen Tätigkeiten wie die Bearbeitung von Holz und Knochen, das Spinnen, Weben und Färben von Flachs und Wolle mit auf dem Sachsenhof angebauten Pflanzen.

Diese Tätigkeiten werden den Besuchern beim jährlich auf dem Sachsenhof stattfindenden Aktionstag gezeigt. Besucher haben die Möglichkeit mitzuarbeiten.

Durch die Arbeit im Bereich der experimentellen Archäologie haben sich Kontakte zu anderen Museen und Wissenschaftlern in Europa ergeben. Im Jahre 2004 trafen sich acht Gruppen zum 1. Europäischen Rennofen-Symposium in Greven auf dem Sachsenhof, stellten Eisen mit der Rennofentechnik her. Seitdem wird bis heute in verschiedenen Orten Europas experimentiert, über Erfahrungen mit dieser Technik informiert und diskutiert.

Betreuung von Schulklassen

Wichtig ist am Sachsenhof auch die Betreuung und Führung von Besuchern. Dabei kommt der Führung von Schulklassen durch die Gebäude und Anlagen und die Vorstellung früherer Tätigkeiten im Bereich Nahrung, Kleidung und Handwerk ein besonderes Gewicht zu.

Aus der Tätigkeit am Sachsenhof heraus sind drei Broschüren entstanden: „Der Sachsenhof in Greven“ von Nicole Ellermann und Georg Eggenstein, „Flachs und Leinen im Jahreslauf“ von Liesel Drexler und „Wissenswertes über Knochenbearbeitung“ von Ans Nieuwenburg-Bron(+) aus Hilversum (NL).

Die Arbeit des Sachsenhofes wurde 2018 durch die Verleihung des LWL-Kultur-Ehrenpreises gewürdigt

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