Do., 10.01.2019

An der Martinistraße werden die TBG Ersatzkastanien pflanzen Dieser Baum muss weg

Diese Kastanie leidet unter einem Bakterium und dem Pilzbefall an bereits geschwächten Stellen. Gestern wurde der Baum an der Martinistraße gefällt.

Diese Kastanie leidet unter einem Bakterium und dem Pilzbefall an bereits geschwächten Stellen. Gestern wurde der Baum an der Martinistraße gefällt. Foto: Günter Benning

Greven - 

Stück für Stück fällt die Kastanie. An der Martinistraße ließen am Mittwochmorgen die TGB zwei eher junge Bäume fällen. Zumindest einer von ihnen, erklärt TBG-Experte Frank Wagner sei von Pseudomonas syringae befallen, ein Bakerium, das seit 2007 vermehrt bei Rosskastanien auftritt.

Von Günter Benning

Äußerlich erkennt man am Stamm des einen Baumes dunkle Stellen, die von der Infektion stammen. Eigentlich ist der Erreger für den Stamm nicht tödlich, gefährlich sind die Pilze, die sich an geschwächten Stellen ansiedeln und die Struktur zerstören. „Wir haben ein Gutachten eingeholt“, sagt Wagner, „die Bäume sind abgängig.“ Die zweite Kastanie an dieser zentralen Stelle in der Stadt hat einen Fäulnisbefall im Wurzelbereich. Außerdem wurde sie durch einen Mülltüten-Brand beschädigt. „Davon hat sie sich nicht erholt“, so Wagner.

Nicht betroffen von Bakterium und Pilz sind die großen Kastanien am Rand des Niederorts. Tatsächlich sagen Experten, dass möglicherweise auch genetische Faktoren Bäume anfällig für den Krankheitsbefall machen. „Die großen Bäume“, so Wagner, „stehen unter ständiger Kontrolle.“ Im trockenen Sommer wurden sie und der umgebende Rasen permanent bewässert. Zur Schwächung vieler Bäume trug extreme Hitze und Trockenheit im Sommer 2018 bei.

Ersetzt werden die beiden Rosskastanien an der Martinistraße durch rotblühende Rosskastanien. Die gelten als robust und bilden nur wenige Früchte aus. „Für die Kinder, die gerne Kastanien sammeln“, sagt Wagner, „ist das natürlich nicht so gut.“

Gestern ging es auch zwei Mehlbeeren an der Goerdeler Straße beim K&K an den Stamm. Auch diese Bäume haben unter der Trockenheit extrem gelitten. Sie werden durch zwei neue Bäume der Art Sorbus Intermedia ersetzt, die bis zu 15 Metern hoch wachsen.

Die Technischen Betriebe sind eigentlich von der neuen Baumschutzsatzung der Stadt ausgenommen, die Privatleute verpflichtet, Fällaktionen genehmigen zu lassen. Wagner: „Ich muss mich nicht an die Satzung halten, aber ich halte mich trotzdem daran.“ Grundprinzip ist, dass gefällte Bäume am gleichen Ort durch Neuanpflanzungen ersetzt werden. Sofern das geht: „Wir werden sicher keinen neuen Baum auf einer Gasleitung pflanzen“, sagt der Baumexperte von den TBG.

Info:Das bakterielle Rosskastanien-Sterben befällt Bäume jeglichen Alters. Das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi löst die Krankheit aus, heißt es auf einer Fachseite im Internet. Die Krankheit kann vom Absterben der Rinde des Baumes über Sekundärinfektionen unterschiedlicher Pilzarten bis zum Absterben des ganzen Baumes führen.

Der Befall des Bakteriums Pseudomonas syringae pv. aesculi löst schwarze Stellen am Stamm aus. Der Baum blutet und es bilden sich großflächige Verfärbungen an der Rinde. Im zweiten Schritt siedeln sich Pilze durch die Eintrittspforten am Stamm an. Am einfachsten sind diese erkennbar, wenn sie gegen Herbst ihre Fruchtkörper aus dem Stamm schieben. Somit sind sie vor allem im Winter ohne Belaubung gut erkennbar, erklären die Experten. Gleichzeitig bilden sich durch die Spannungen im Holz tiefe, senkrecht verlaufene Risse.

Wie auch beim Ulmensterben zuvor, wird diskutiert, ob Gemeinden auf stark befallenen Standorten nicht vorsorglich alle Kastanien fällen. Doch auch bei den Ulmen gibt es viele Exemplare, die resistent sind. Diese Hoffnung ist auch bei den Rosskastanien von großer Bedeutung.



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