Historischer Nachdruck aus den USA mit einem Grevener Bezug
30 000 Löcher für gewebte Geschichte

Greven -

Das berühmte Bild zeigt einen historischen Moment. Einige Herren in Gehröcken unterzeichnen die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Wer in der Buchhandlung Cramer & Löw näher herantritt, stellt fest, dass es aus feinstem Webstoff ist – textile Kunst.

Sonntag, 13.01.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 13.01.2019, 12:54 Uhr
Markus Löw mit dem Erklärbuch von 1929, in dem die Herstellung des ungewöhnlichen Webstücks geschildert wird.
Markus Löw mit dem Erklärbuch von 1929, in dem die Herstellung des ungewöhnlichen Webstücks geschildert wird. Foto: Günter Benning

Buchhändler Markus Löw kann erklären, was das Gewebe aus Amerika mit Greven zu tun hat.

Dafür muss Löw in seiner Familiengeschichte einfach nur ein paar Generationen zurück und zur Seite blättern. Der Vetter seiner Großmutter Annette Cramer, ein Johannes Cramer verließ einst Greven und wurde Kaufmann in Bochum. Dessen Sohn wieder gründete nach dem zweiten Weltkrieg eine Weberei in Heek-Nienborg. Sein Sohn, ebenfalls ein Johannes (70), hat das Unternehmen CCC für Industriegewebe ausgeweitet und betreibt auch eine Spezial-Weberei in Dove, New Hampshire, USA. Und in Amerika hat er von einer anderen Weberfamilie, den Wullschlegers aus Lyon und New York, ein kleines gewebtes Bild geschenkt bekommen: Die Darstellung des Gemäldes von John Trumbull, das im Original in der Rotunde des Capitols in Washington hängt.

Dieses Geschenk, sagt Johannes Cramer aus Nienborg hat es in sich: „Es wurde aus so feiner Seide gewebt, die gibt es heute gar nicht mehr.“ Und es existieren von diesem Webstück nur drei Exemplare. Eins im National Archiv in den USA, eins bei Wullschlegers und das dritte bei ihm. 1925, heißt es in einem Buch zu dem Kunstwerk, hat man bei Wullschlegers mit dem Druck begonnen, drei Jahre hat er gedauert, drei Stück wurden produziert. Und zwar auf einer Maschine, die mit Lochkarten gesteuert wurde. „Das Schwierige“, sagt Cramer, „war es, die 30 000 Löcher zu setzen.“

Arthur E. Wullschlegers ließ einst die Kunstwerke von den besten Lyoner Webern zum 20-jährigen Bestehen seines Unternehmens weben. Johannes Cramer griff jetzt zu moderner Technik und reproduzierte das Original – allerdings deutlich größer. Ursprünglich hatte der Franzose Verdol Jacquard die Maschine für diese feine Druckkunst erfunden. Auch heute wird seine Technik noch angewandt.

Das Resultat gab Cramer ins Stammhaus der Familie nach Greven: „Mal sehen, ob es Interesse dafür gibt.“ Er könnte sich vorstellen, dass man auf ähnliche Weise auch münsterländische Motive drucken könnte. Schneller als in drei Monaten. Und in Farbe.

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