Brexit und die Folgen für Grevens Engländer
Zwei Pässe für mehr Sicherheit

Greven -

Der Brexit rückt näher. Für manchen Briten, der in Greven wohnt, kommt damit die Passfrage auf. „Etwa ein halbes Dutzend“, erklärt Wolfgang Jung in der Pressestelle der Stadt, „sind bisher zu uns gekommen, weil sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben wollen. Und meistens beklagen die sich ausgiebig über die englische Regierung und das Wirrwarr, das rund um die Brexit-Entscheidung vorherrscht.“

Freitag, 25.01.2019, 07:38 Uhr aktualisiert: 25.01.2019, 07:40 Uhr

Auch für Oliver Klöpper ist bei der britischen Ausstiegsfrage noch nicht alles geklärt. Der Leiter des Ausländeramtes des Kreises verzeichnet 362 Briten in seinem Revier (Rheine hat ein eigenes Ausländeramt): „288 Männer, 74 Frauen.“ 200 von ihnen sind über 55 Jahre alt – vermutlich dürften darunter viele ehemaligen Mitglieder der British Army sein. Direkt nach der Brexit-Entscheidung von 2017 gab es den größten Run auf die deutsche Staatsbürgerschaft. 30 Briten ließen sich einbürgern, im Jahr 2018 waren es noch einmal sechs.

Über den meisten der übrigen Briten, sagt Klöpper, „schwebt jetzt ein Damoklesschwert“. Nach dem 30. März gelten die ehemaligen EU-Bürger als Angehörige von Drittstaaten. Mit allen Folgen: „Sie müssen dann erst mal einen Aufenthaltstitel beantragen.“

Wie für den Grevener Rentner Keith Maitland (s. Interview) ist die Konsequenz für viele klar: Sie wollen rechtzeitig die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Bis zum 29. März gilt: Jeder Brite kann neben seiner britischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen.

„Das ist für alle EU-Bürger so“, sagt Klöpper. Über die Doppelstaatsbürgerschaft hat es in der Vergangenheit immer muntere Diskussionen gegeben, insbesondere wenn es um Deutsch-Türken ging. Übersehen wurde dabei oft, dass sie für EU-Ausländer immer schon eine Option war.

Keith Maitland: „Ich will meine britische Staatsangehörigkeit nicht aufgeben.“

Entscheidend ist, dass der Antrag vor dem Ausstieg der Briten aus der EU gestellt wird, also bis zum 29. März. Selbst wenn die Einbürgerung erst später erfolgt – es gelten dann noch die alten EU-Regeln.

Übrigens: Was für Briten in Deutschland gilt, müsste umgekehrt auch für EU-Ausländer in Großbritannien gelten. Klöpper: „Ich vermute aber, dass die Politik noch eine Übergangslösung in der Pipeline hat.“

Eine Einbürgerung kostet 255 Euro und kann bei den Bürgerämtern der Gemeinden beantragt werden. Unter Voraussetzungen, so Klöpper, müssten die Briten auch an dem Einbürgerungstest für Ausländer teilnehmen. Um sich darauf vorzubereiten, können sie 300 Fragen im Internet studieren. Etwa: „Welche Farbe hat die Flagge von Nordrhein-Westfalen?“

Keith Maitland ist da außen vor. „Als Rentner“, hat er erfahren, „braucht man das nicht mehr.“ Und auch einen Sprachtest werden die oft alteingesessenen Briten nicht unbedingt machen müssen. Klöpper: „Oft können sie Sprachkenntnisse auch anders nachweisen.“

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