Der KÜ
Als Brücken noch schmucke Kunstwerke waren

Greven -

Die Buchstaben KÜ stehen für die „Kanal-Überführung“ des Dortmund-Ems-Kanals über die Ems im Bereich von Münster-Gelmer und Greven-Fuestrup.

Freitag, 25.01.2019, 17:51 Uhr
Diese Postkarte wurde abgestempelt am 20.2.1923: Kanal-Überführung über die Ems.
Diese Postkarte wurde abgestempelt am 20.2.1923: Kanal-Überführung über die Ems. Foto: Archiv

Die Buchstaben KÜ stehen für die „Kanal-Überführung“ des Dortmund-Ems-Kanals über die Ems im Bereich von Münster-Gelmer und Greven-Fuestrup. Der Kanal, 224 Kilometer lang, wurde 1899 fertig gestellt und reicht von Dortmund bis Lingen. Durch ihn wurde die Emsschifffahrt in unserem Bereich endgültig zum Erliegen gebracht. Der Kanal überquert drei Straßen und drei Flusstäler, darunter das der Ems in Gelmer-Fuestrup. Der Kanal wurde nach seinem Bau mehrfach wegen des Einsatzes größerer Schiffe oder von Schubeinheiten an unterschiedlichen Stellen verbreitert, vertieft, die Brücken angehoben, Überholstrecken und neue Schleusen und zweite Fahrten gebaut.

Die WN berichteten 1994: „Beim KÜ in Fuestrup sind die vier Gewölbe aus Klinker hergestellt. Sie wurden anschließend mit Blei ausgegossen und stabilisiert, darauf kam dann der Trog aus Beton. Während das eigentliche Überführungsbauwerk zwischen den Seitenlagern 55 Meter misst bei einer Breite von innen 18 Metern, ist die gesamte Betonkonstruktion zusammen mit den Einfahr-Trichtern über 90 Meter lang.“

1994 wurde die Alte Fahrt bei Fuestrup für Sanierungsarbeiten trocken gelegt. Auch die dortige Kanalüberführung, 1893 bis 1897 gebaut, wurde durch Damm und Sperrtore vom Kanal getrennt und leer gepumpt, dann entschlammt. 1996 wurde beschlossen, dass die alte Kanalüberführung nicht mehr geflutet und als herausragendes Industriedenkmal unter Denkmalschutz gestellt werden soll.

Über die heutige „neue Fahrt“ wurde 1939 ein Kanaltrog gesetzt. Zurzeit werden dort an dritter Stelle zwecks Kanalverbreiterung eine Umleitungsstrecke (1,6 km lang) und ein weiterer Trog zur Überführung über die Ems gebaut, der 2019 fertig sein soll.

Der Kanal wird seit Jahrzehnten stark für Erholung, Fischfang und Wassersport genutzt.

Für viele ältere Grevener sind die ganz alte KÜ (in Greven sagt man „der“ KÜ) und dazu der alte Kanal eine viel genutzte Bademöglichkeit gewesen. Noch heute schwärmen viele davon, an heißen Sommertagen dort ausreichend Abkühlung, Grillspaß und bis in die späten Abend- und Nachtstunden „Abwechslung“ und Geselligkeit gefunden zu haben. Und manche träumen immer noch vom textilfreien Schwimmen in lauen Sommernächten „am KÜ“ im Anschluss an eine herrliche Party. Man freute sich über den „freien Eintritt“, weniger über die fehlenden Toiletten.

Vielleicht, so hört man, wird die jetzt als Provisorium geplante Umfahrungsstrecke nicht wieder zugeschüttet, sondern als neues Wasser- und Freizeitparadies nutzbar gemacht. Das wird bis 2026 endgültig geklärt sein, denn dann soll die Kanalbaustelle geräumt sein.

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